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Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne, und Mond, und Sternen; und auf
Erden wird den Leuten bange sein, und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen
werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor warten
der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte sich
bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der
Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt
zu geschehen, so sehet auf, und hebet eure Häupter auf, darum, daß
sich eure Erlösung nahet. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Sehet an den
Feigenbaum und alle Bäume. Wenn sie jetzt ausschlagen, so sehet ihrs an
ihnen, und merket, daß jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn
ihr dies alles sehet angehen; so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist.
Wahrlich, ich sage euch, dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis das alles
geschehe. Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht.
Aber hütet euch, daß eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen
und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über
euch; denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen.
So seid nun wacker allezeit, und betet, daß ihr würdig werden möget,
zu entfliehen diesem allen, daß geschehen soll, und zu stehen vor des
Menschen Sohn.
1. Diese Weise hat unser Herr Gott allewege gehalten, von Anfang der Welt her,
wenn er hat wollen was Neues machen, so hat er sondere große Zeichen lassen
vorher gehen. Als, da er Ägypten strafen, und sein Volk daraus führen
und sich ein besonderes Volk daraus machen wollte, da gingen allerlei herrliche
Zeichen, böse und gute. Denn die Frösche, Heuschrecken Hagel, Pest
und dergleichen tat den Ägyptern großen Schaden, bis zuletzt alle
erste Geburt in einer Nacht gewürgt und das übrige Volk im Roten Meer
ersäuft wurde. Bei den Juden aber waren dies gute Zeichen, daß sie
trocken durch das rote Meer führte, ihre Feinde aber darin ersoffen, ihnen
aber Himmelbrot gab, und dergleichen. Solches war eine Anzeigung, daß
Gott etwas Neues mit diesem Volk anfangen, und ein neues Regiment und Wesen
stiften wollte. Dergleichen geschah auch, da er die ungläubigen, verstockten
Juden strafen und das neue Gnadenreich durchs Evangelium in aller Welt anrichten
wollte. Denn da der Herr Jesus am Kreuz hing, taten sich die Gräber auf,
die Toten stiegen heraus und gingen in die Stadt Jerusalem. Es kam eine große
ungewöhnliche Finsternis, der Vorhang im Tempel zerriß. Solches alles
war ein Anfang eines neuen Wesens und ein Untergang des alten, wie sichs denn
im Werk hat auch gefunden daß das Judentum gefallen Christus ein neues
Reich angerichtet hat.
2. Solches wußten die Juden wohl, und hatten es aus eigener Erfahrung
gelernt. Deswegen kommen hier die Apostel zum Herrn Christus, und fragen ihn,
was für Zeichen vor der Zerstörung Jerusalems und der Welt Ende kommen
werden, ehe denn das ewige Reich Christi angehe?
3. Von der Zerstörung Jerusalems nun antwortet ihnen der Herr hier: Wenn
sie sehen werden, daß sich ein Heer um Jerusalem lagern werde, so sollen
sie wissen, daß Ende sei nicht weit; gibt ihnen deswegen diesen Rat: Sie
sollen sich aus dem Land machen und auf das Gebirge fliehen; denn da werde keine
Gnade sein, es müsse das Judentum verwüstet werden.
4. Also lehret er sie vom jüngsten Tag auch und spricht: Wenn ihr Zeichen
sehen werdet an der Sonne, am Mond, an den Sternen, am Meer und Wassern, an
den Menschen und am Himmel; wenn solches, sagt er, angehe (denn man sollte nicht
so lang harren, bis man meinte, es sei nun alles aus, oder man habe dergleichen
auch vorher gesehen), dann seid tapfer, und laßt mit solchen Zeichen keinen
Scherz sein; denn es ist eine gewisse Anzeigung, daß der jüngste
Tag jetzt vor der Tür ist.
5. Hier ist nun die Frage, ob solche Zeichen alle vor dem jüngsten Tag
werden geschehen. Aber nach solchem darf man nicht fragen. Denn der Herr sagt:
Wenn solches anfängt zu geschehen, so soll man darauf sehen. Deswegen glaube
ich, daß etliche vielleicht die meisten Zeichen hernach geschehen werden,
daß der Herr lehret, wo man solche Zeichen sehen und warten soll, nämlich,
an den Himmel, Sonne, Mond und Sternen, und an den Menschen und den Meer. Wenn
man nun etliche derselben sieht, so sollen man sich auf diese Zukunft schicken,
und nicht warten, bis alle geschehen sind. Denn sonst würde uns die Zeit
einholen.
6. An der Sonne und Mond geschehen zweierlei Zeichen: erstlich, daß sie
ihren Schein verlieren. Solches, ob es wohl nicht seltsam und natürlich
ist (denn man kann das aus der Kunst eigentlich zuvor wissen, ehe es geschieht),
so ist dennoch ein Zeichen, wie es Christus selbst klar deutet im Evangelium
Matthäus. Aber neben diesem können an der Sonne auch solche Zeichen
geschehen, die man nicht wissen kann, sondern begeben sich plötzlich und
fallen herrein gegen alle Mathematik, wie die Finsternis zur Zeit, da Christus
am Kreuz gehangen hat. Denn die Kunst fällt so, daß die Finsternis
an der Sonne geschehen muß im Anfang des Mondes, wenn er neu wird. Wenn
es aber geschieht im Vollmond, wie damals, oder auf einen anderen Tag im Mond,
so ist es nicht natürlich. Darum ist solche Finsternis ein besonderes großes
Wunderwerk gewesen. Ob wir nun dergleichen nicht gesehen haben, so kann es sich
doch sehr bald zutragen.
7. Und wir haben über die Jahre viel andere wunderliche Dinge gesehen,
welches alles ungewöhnlich und seltsam ist. Als, daß ein Regenbogen
um die Sonne gehen soll, daß die Sonne sich gleich teilen und viele Sonnen
gesehen werden. So ist es auch nicht unglaublich, daß dergleichen auch
etwas kommen wird, welches wir zuvor nicht gesehen haben. Darum haben wir eine
Warnung an der Sonne genug, daß wir nicht sicher sein, sondern der seligen
Zukunft unseres Herrn Christi warten sollen.
8. Die anderen Zeichen, davon Christus ihr meldet, sind das große Brausen
der Wasser, daß es tobet, als wolle es alles untergehen. Denn gleich wie
ein Mensch, wenn er natürlich sterben soll, erst krank wird, bekommt Fieber,
Pest oder eine andere Krankheit; solches alles sind Zeichen, daß er davon
soll: also wird auch die Welt gleich krank sein, daß Himmel, Sonne, Mond,
Sterne, Menschen, Wasser und alles sich regen krümmen und übel sein
wird, ehe es ganz zu Boden geht.
9. Das Zeichen an den Menschen halte ich gänzlich, daß wir es erlebt
haben. Denn zu solchem hat der leidige Papst mit seiner Predigt sehr geholfen,
das die frommen Herzen sehr erschreckt gewesen sind, darum daß man gepredigt
hat, was für eine große Todsünde es sei, nicht recht zu beichten,
beten, fasten, Messe hören und dergleichen. In solchem Schrecken wußten
niemand, wohin? Denn der rechte Trost, die Vergebung der Sünden durch Christum,
war verschwunden. Das fing für die Menschen ein martern an, jetzt mit diesen,
jetzt mit anderen Werken; daß ich glaube, solches sei der größte
Jammer auf Erden gewesen. Wie ich ihrer denn viel selbst gesehen habe, die solches
Herzeleid und Schrecken nicht ertragen konnten, und in Verzweiflung fielen vor
großer Furcht und Schrecken, daß sie sich nicht trauten, zu bestehen
vor Gottes Gericht.
10. Denn da trieben uns des Papstes Predigten mit Macht hin, daß wir
uns von Christus dem Richter, sollten zu Tode fürchten. Ich bin auch einer
gewesen, konnte mich zu Christum, als einem strengen Richter, nichts Gutes hoffen,
rief deswegen die Jungfrau Maria an, daß sie mir beistehen und gegen solchen
Richter meine Rückhalterin sein sollte. Denn etwas anderes kannten wir
nicht. Christum hatten wir verloren und mußten bekennen, daß wir
bösen Buben waren. Er konnte man anderes nicht, denn sich fürchten
und vor dem Richter erschrecken. Deswegen achte ich, dieses Zeichen sei bereits
geschehen. Gleichwie ichs dafür halte, der andere Teil der anderen Zeichen
am Himmel sei auch schon geschehen. Ob aber gleich noch mehr kommen sollen,
so kann es doch alle Tage sich begeben, daß sie auch kommen. Wir sollen
aber darum nicht unterlassen, uns gegen diesen Tag also zu schicken, wie der
Herr unten lehren wird.
11. Am Ende meldet der Herr von einem Schrecken, und sagt: " die Leute
werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die auf Erden kommen
sollen ". Hier redet er von einer anderen Furcht, welches eine sehr große
Furcht ist, und sie kommt daher, daß die Menschen vor den Zeichen des
jüngsten Tages sich fürchten werden. Solche sind nicht gottlose, ungläubige
Leute, sondern fromm und gottesfürchtig. Deswegen nehmen sie die Warnung
mit den Zeichen an, welche die Gottlosen frei und sicher verachten, darum der
sie denken, diese Zeichen sind zuvor auch viel geschehen, und es sei dennoch
der jüngste Tag nicht gekommen. Lassen deswegen heute dieses, morgen an
anderes Zeichen und Warnung vorüber rauschen, und bleiben wie sie sind,
heute wie gestern, und ohne alle Besserung, und kümmern sich gar nichts,
wie es mit dem jüngsten Tage gehen werde.
12. Solche gottlose, sichere Leute läßt der Herr fahren. Denn weil
sie Zeichen sehen und verachten können, so werden sie auch nach dem Wort
und der Predigt nichts fragen. Aber die Frommen, die solche Zeichen wahrnehmen,
und sich darüber entsetzen, die läßt der Herr sich befohlen
sein, und tröstet sie auf das allerfreundlichste, und sagt: Weil sie Christum
bekennen, sein Wort lieben, nicht gern von selben abfallen noch leugnen wollten;
so sollen sie vor solchen Zeichen, ob sie gleich etwas schrecklich sind, sich
nicht entsetzen, noch erschrecken.
13. Als dann, spricht Christus, werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in
der Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Das wird eine andere Pracht
sein, denn wo Kaiser und König einziehen. Denn da wird die ganze Luft voll
Engel und Heilige sein, die werden leuchten, heller denn die Sonne, und der
Herr Christus wird mitten unter ihnen schweben, und mit seinen Heiligen das
Urteil über die Verdammten sprechen, welche unten auf Erden bei den Teufel
stehen, zittern und beben werden.
14. Wenn nun, spricht Christus, dieses anfängt zu geschehen, so sehet
auf und hebet eure Häupter auf, seid fröhlich und guter Dinge, denn
es muß also so gehen. Soll die Welt zerbrechen, so muß sie zuvor
krachen, sonst kann ein solch großes Gebäude nicht einfallen, es
muß sich alles regen und bewegen. Eben wie ein Mensch, der jetzt sterben
will, der windet und krümmt sich, verdreht die Augen, krümmt den Mund,
wird im Gesicht blaß und ungestaltet. Also wird die Welt auch tun.
15. Aber ich sage euch: Erschrecket nicht davor, richtet euer Haupt auf, als
die es von Herzen gern sehen. Denn merkt, eure Erlösung ist nahe. Eure,
spricht er, die ihr glaubt; die anderen, die nicht glauben, werden verdammt.
Deswegen sollten sie sich wohl fürchten, aber sie tun es nicht. Denn der
Herr Jesus würde beides mitbringen: denen, die gläubig und fromm gewesen
sind, den Himmel; den anderen aber die Hölle und die Verdammnis.
16. Solches redet der Herr mit den Frommen. Die werden auch darüber erschrecken,
wenn Sonne und Mond die Augen verdrehen und die Welt voll mit Feuer sein wird.
Denn die Heiligen sind nicht so stark; es müßte auch St. Peter oder
ein anderer Heiliger davor erschrecken, wenn sie lebten. Aber, spricht der Herr,
seid getrost; es wird euch wohl jämmerlich und erschrecklich ankommen,
aber solches gilt euch nicht, es gilt dem Teufel und den Ungläubigen. Euch
aber kommt die Seligkeit und die fröhliche Erlösung, da ihr solange
nach gezeufst habt und gebeten, daß mein Reich zu euch komme, euch eure
Sünde vergeben und ihr von allem Übel sollt erlöst werden. Was
ihr nun so lang mit ganzem Herzen gebeten habt, daß soll dann kommen.
Denn es heißt ein Tag eurer Erlösung.
17. Darum mag man den jüngsten Tag wohl nennen einen Tag der Verdammnis
und der Erlösung, einen Tag der Traurigkeit und der Freude, einen Tag der
Hölle und des Himmelreichs. Wie der Herr in Matthäus 24,30. Sagt:
" Alsdann werden heulen alle Geschlechter der Erde ". Da wollen wir,
ob Gott will, nicht bei sein, sondern den Papst, die Rottengeister, den bösen
Adel, böse Bauern und Bürger dieses lassen, die jetzt allen Mutwillen
treiben, das Evangelium verfolgen, und allen Jammer und Unglück anrichten;
dieselben werden dann bezahlen müssen. Wir aber, die wir uns jetzt vor
ihnen beugen müssen, weinen und bekümmert sind, werden dann lachen
und sehen, daß sie mit dem Teufel in den Abgrund der Hölle müssen
hinunter fahren.
18. Deswegen ob sich gleich die Kreatur verstellt, Sonne und Mond schwarz und
finster und euch sauer ansehen werden, erschreckt darum nicht; kriecht nicht
in den Winkel, wenn solches angeht, sondern richtet euer Haupt auf, und lasset
euch nicht anfechten; gedenkt, daß ihr mich haben wolltet. Denn so ich
euch erretten soll, so muß ich zuvor die angreifen die euch gefangen halten.
Gleich, als wenn du in einem Schoß gefangen lägest, in einem Turm,
und hörst, wie man hinein schießt und stürmt du würdest
dich vor dem Schießen und Stürmen nicht fürchten, sondern darüber
noch froh sein, wenn du wüßtest, daß es um deinetwillen wäre,
dich also frei zu machen.
19. Also ist es hier auch; laßt euch nicht Schrecken, daß die Welt
sich so krümmen und winden wird; diese Rute gilt euch nicht, sondern denen,
über die ihr geschrien habt. Deswegen nehmet solche Zukunft an, als eine
Zukunft eurer Erlösung. Denn ich komme nicht darum, daß ich euch
in die Hölle werfen, sondern euch aus der schändlichen, kranken, bösen,
heillosen Welt helfen, euch scheiden von dem Teufel und seinen Knechten, und
unter die Engel setzen, wo ihr nicht leiden, sondern in ewiger Herrlichkeit
leben sollt.
20. So solchem Trost dient nun auch das schöne Gleichnis mit den Bäumen.
Im Frühling, spricht er, wenn der Winter jetzt aufhören soll, und
die ganze Erde neu werden; wenn die Kälte weichen und die Wärme kommen,
und die dürren Bäume ausschlagen und grünen sollen, da sage mir,
wie fängt solches an? Ist es nicht wahr, die Bäume knospen erst, danach
schlagen sie aus; so spricht denn jedermann, der Winter ist vorüber und
geht nun der schöne Sommer an.
21. Dieses Gleichnis soll euer Doktor und die Bäume auf dem Felde euer
Kunstbuch sein, daß ihr lernet, wie ihr des jüngsten Tages warten
sollt. Denn gleichwie der Sommer folgt, wenn die Bäume saftig werden und
die Blätter gewinnen: also wenn die Erde beben, der Himmel zittern, Sonne
und Mond betrübt und sauer aussehen werden, so laßt euch ebensowenig
schrecken, als euch die jungen Blätter, die an den Bäumen ausschlagen,
schrecken, wenn es Sommer werden will. Denn solche Zeichen sollen euch sein
wie der Saft und Blätter an den Bäumen, daß ihr des ewigen Sommers
mit Freuden warten sollt. Denn dies elende Leben auf Erden hier ist wie der
schändliche, unfruchtbare Winter, und da alles verdorrt und verdirbt. Mit
demselben soll es dann ein Ende haben, und der schöne ewige Sommer kommen,
nämlich das Reich Gottes, durch welches des Teufels Reich soll zerstört
werden, durch welches ihr hier auf Erden so viel leiden mußtet. Denn ihr
lebt unter gottlosen, bösen, falschen, geizigen Leuten, die das Evangelium
lästern und schänden, und alles Unglück begehren anzurichten.
Das müßt ihr sehen und hören, und täglich Schlimmeres erwarten.
Von solchem will ich euch durch meine Zukunft erlösen, daß ihr solchen
Mutwillen nicht mehr sehen dürft.
22. Deswegen gilt solch ein schreckliches Wesen nicht euch, sondern euren Feinden,
den Gottlosen: die lasset trauern und erschrecken. Hier aber freuet euch, daß
eure Erlösung nahe ist. Wie der fromme Lot zu seiner Zeit auch tat, der
lebte mitten unter den schändlichen Leuten zu Sodom, die ihm alles Leid
taten, mit ihrem unzüchtigen Wandel, und quälten seine gerechte Seele
von Tag zu Tag mit ihren ungerechten Werken, wie man nicht erzählen kann,
die er sehen und hören mußte, bis sie überreif wurden und Gott
nicht länger konnte zusehen. Da kamen zwei Engel, die geführten den
frommen Lot zur Stadt hinaus. Da wird es ohne Zweifel auch einen schrecklichen
Anblick gehabt haben, daß der Himmel schwarz geworden, geblitzt und gedonnert
hat, und die Wolken sich aufgetan, Schwefel und Feuer herab geregnet, und die
Erde sich aufgetan, und alles versenkt hat. Das nun Lot sich nicht darüber
sollte entsetzen, das ist unmöglich. Aber da war daß der Trost, daß
er wußte, dieser schreckliche Anblick gilt nicht ihm, sondern den Sodomiten,
die böse, verzweifelte Buben gewesen waren und sich nicht bessern wollten.
Die mußten sich nicht allein bei solchem feurigen Regen entsetzen, sondern
auch darin verderben und in den Abgrund der Hölle fahren. Dem frommen Lot
aber war es wie ein schöner Baum, der ausschlägt und jetzt beginnt
zu grünen. Denn er spürte dabei Gottes Hilfe und gnädige Rettung
wieder die Gottlosen.
23. Also wird uns, so wir es erleben, am jüngsten Tag auch geschehen.
Schrecklich wird es anzusehen sein, wenn Himmel und Erde so anheben zu feuern,
und wir in einem Augenblick hinfahren und sterben. Aber ein Christ soll nicht
dem Ansehen folgen, sondern hören, wie es Christus deutet, nämlich,
daß es sei eine schöne Blüte, ein schöner saftiger Zweig;
auf das, obgleich über dem schrecklichen, häßlichen Anblick
sich die Vernunft entsetzt, dennoch das Herz am Wort hängt und sich wieder
des äußerlichen Ansehens stärke, und spreche: Ei, erschreckt
nicht, es ist doch nicht Böses noch Schädliches; ja, es bedeutet,
wie Christus selbst sagt, nicht Böses, sondern das mein Erlöser und
Erlösung nahe sei. So sei mir nun Gott willkommen, wer nun den Herrn Christum
so empfangen kann, der ist in einem Augenblick dahin in die Herrlichkeit, daß
er wie die schöne Sonne leuchten wird.
24. Auf diese Weise lehret uns unser lieber Herr Christus den jüngsten
Tag recht erkennen, daß wir wissen, was wir an ihm haben, wozu wir seiner
Zukunft warten und hoffen sollen. Der Papst Predigt von Christus, er sei ein
strenger Richter, gegen den man sich mit Werken recht halten, also, die Heiligen
anrufen und ihrer Fürbitte genießen, so man nicht verdammt werden
soll. Denn also hat man Christum im Papsttum überall gepredigt, wie er
zum Gericht komme, und ein Schwert und Rute im Mund führe, welches beides
Zorn bedeutet. Weil aber Maria und Johannes ihm zur Seite stehen, hat man für
die beiden und anderer Heiligen Fürbitte gesucht und darauf gehofft. Wie
der gute Pater Bernadus sich auch Gedanken gemacht hat und dachte, wenn die
Mutter Maria ihrem Sohn die Brüste zeige, so könne er ihr nichts versagen.
Das ist ja ein gewisses Zeichen, daß man kein Vertrauen zu Christus hat,
sondern geglaubt hat, Christus komme als ein Richter. Aber in diesem Evangelium
lehret er uns anders, nämlich, daß er wolle kommen, nicht daß
er uns richten und verdammen, sondern erlösen und helfen wolle, und erfüllen,
was wir ihn gebeten haben, und sein Reich zu uns bringen. Denen aber, so an
ihn nicht geglaubt, seine Christen auf Erden verhöhnt und geplagt haben,
für diese will er Richter sein und sie strafen. Solches, spricht er, glaubet
fest und zweifelt nicht daran, und freuet euch auf meine Zukunft; denn sie soll
euch zum besten geraten, daß ihr von Sünden, Teufel, Tod und Welt
erlöset, und durch mich ewig selig werdet. Das heißt ja herrlich
und reichlich getröstet.
25. Aber da ist noch ein Stück, über welchem die blöden Gewissen
sich hart entsetzen. Denn der Herr sagt, der jüngste Tag werde unversehens
herrein fallen, daß den Leuten eben geschehen soll, wie ein Waldvogel,
der des Morgens fliegt, ist hungrig und sucht seine Nahrung, hofft, es wolle
dieselbe finden, wie bisher, findet sie auch, setzt sich nieder und ist fröhlich
und guter Dinge; und plötzlich, ehe es gewahr wird, fällt das Netz
über ihn, wird gefangen und erwürgt. Solches nehmen die frommen gottesfürchtigen
Menschen zu Herzen, und weil sie es kennen aus täglicher Erfahrung, wie
bald es geschehen ist, daß man zu Fall kommt, werden sie blöde und
verzagt darüber. Denn sie denken: Wer weiß, wie dieser Tag dich finden
wird. Vielleicht wird er zu der Stunde kommen, wenn du am ungeschicktesten bist,
und an diesen Tag am wenigsten denkst, oder in dieser oder anderen Sünde
liegst; so ist es denn mit dir geschehen, und wird aus diesem Freudentag ein
ewiger Trauertag.
26. Hier will der Herr uns auch nicht trostlos lassen, und lehret seine Christen,
wie sie dieser Sorge sich abhelfen sollen, und spricht: " Hütet euch,
daß eure Herzen nicht beschweret werden mit Fressen und Saufen, und mit
Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch. Denn wie ein
Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun
wacker allezeit, und betet, daß ihr würdig werden möget, zu
entfliehen diesem allen, daß geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen
Sohn ".
27. Daß ist nun eine sehr edle und nötige Lehre, die uns nimmermehr
sollte aus unseren Herzen kommen. Es verbietet der Herr Essen und Trinken nicht;
so heißt er auch nicht, wie der Papst, daß man alles liegen und
stehen lassen soll, in ein Kloster gehen um geistlich werden. Nein, esset und
trinket, daß gönnt euch Gott wohl; trachtet auch noch eurer Nahrung,
denn darum hat Gott die Arbeit befohlen. Aber davor hütet euch, daß
eure Herzen mit solchem allen nicht dermaßen beschwert werden, daß
ihr meiner Zukunft dabei vergesset; sondern seid wacker, das ist, wartet alle
Stunden und Augenblicke und haltet euch deswegen in Gottesfurcht und gutem Gewissen.
Das laßt das erste sein.
28. Danach so betet auch, daß ihr aller Anfechtung und Jammer entfliehen,
und vor des Menschen Sohn zu stehen mögt würdig werden. Wie denn solches
im Vater Unser in den letzten zwei Bitten fein begriffen ist: Und führe
uns nicht in Versuchung, sondern Erlösung uns vom Übel. Wenn ihr solches
tut, so soll es nicht Not haben, es finde euch alsdann der jüngste Tag
über Tisch, oder im Bette, in der Kirche oder auf dem Markt, wachen oder
schlafen, so gilt es alles gleich. Denn er findet euch in Gottes Schutz.
29. Aber hier muß man auch dieses merken, daß man Gott nicht recht
anrufen noch beten kann, wo man von wissentlichen Sünden nicht abstehen
und sich nicht bessern will. Deswegen gehört zum rechtschaffenem Gebet
eine rechtschaffene Buße, und daß man sich vor mutwilligen Sünde
hüte, und sich im gutem Gewissen halte, und alsdann auf Gottes Güte
im Namen Jesu Christi bitte, daß er in seiner Furcht uns erhalten, durch
seinen Heiligen Geist vor Sünden bewahren, und in einem rechten Glauben
bis ans Ende erhalten wolle, auf daß wir dieses selbigen Tages mit Freuden
erwarten, und unsern Herrn Jesum, als unseren Erlöser, mit herzlicher Zuversicht
annehmen mögen. Solch Gebet wird durch Christum erhört, da ist kein
Zweifel an. Deswegen sollen wir solchem Rat und Lehre folgen, auf diesen gnädigen
Tag der ewigen Erlösung recht schicken. Das verleihe uns allen unser Herr
und Erlöser Jesus Christus, Amen.
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