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Es begab sich aber, da sich das Volk zu ihm drang, zu hören das Wort Gottes,
und er stand am See Genezareth, und sah zwei Schiffe am See stehen; die Fischer
aber waren ausgetreten und wuschen ihre Netze: trat er in der Schiffe eines,
welche Simons war, und bat ihn, daß er es ein wenig vom Lande führte.
Und er setzte sich und lehrte das Volk aus dem Schiff. Und als er hatte aufgehört
zu reden, sprach er zu Simon: Fahre auf die Höhe, und werfet eure Netze
aus, daß ihr einen Zug tut. Und Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister,
wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort
will ich das Netz auswerfen. Und da sie das taten, beschlossen sie eine große
Menge Fische, und ihr Netz zerriß. Und sie winkten ihren Gesellen, die
im anderen Schiff waren, daß sie kämen und hülfen ihnen ziehen.
Und sie kamen und fülleten beide Schiffe voll, also, daß sie sanken.
Da das Simon Petrus sah, fiel er Jesu zu den Knien und sprach: Herr, gehe von
mir hinaus; ich bin ein sündiger Mensch. Denn es war ihn ein Schrecken
angekommen und alle, die mit ihm waren, über diesem Fischzug, den sie mit
einander getan hatten, desselbigen gleichen auch Jakobus und Johannes, die Söhne
Zebadäi, Simons Gesellen. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich
nicht; denn von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie führten die Schiffe
zu Lande und verließen alles und folgten ihm nach.
1. In dieser Geschichte zeigt Lukas an, wie Petrus und andere zum Apostelamt
berufen und gekommen sind. Es ist eine sehr feine Geschichte. Denn mit einem
solchen reichen Fischzug hat der Herr ihnen wollen anzeigen, wie das Evangelium
mit Gewalt in der Welt gehen, und die Menschen aus des Teufels Reich abfangen
und in Gottes Reich bringen werde. Denn der Herr sagt es selbst an, daß
Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes künftig Menschen fangen sollen.
2. Dies ist ein sonderlicher Trost wider die Anfechtung, welche allen frommen
Prediger haben, daß sie sich besorgen, die Welt sei zu böse, das
predigen werde vergebens und umsonst sein, niemand werde sich bessern. Solches,
will Christus sagen, mag man bei einer Predigt von Mose sorgen, aber wo mein
Wort geht und ich heiße predigen, da sollte es geraten, wie es hier mit
dem Fischzug geraten ist, welchen Petrus auf meinen Befehl getan hat.
3. Ehe nun der Evangelist die Geschichte anfängt, sagte er, wie viel frommer
Leute und Haufen dem Herrn Christus nachgelaufen sind, daß sie gern gehört
haben wenn er predigt. Will also mit diesem Beispiel uns reizen, daß wir
auch gerne Gottes Worten hören und fleißig uns zum selben halten
sollen. Denn wer Gottes Wort fleißig hört, die er hat zwei große
Vorteile, zu welchem man ohne daß Wort nicht kommen kann.
4. Das erste ist, daß man lernt Gottes Willen erkennen wie er gegen uns
gesinnt ist und was er mit uns nach diesem Leben machen will. Solches ist unmöglich,
daß Gott mit uns zürne und uns strafen will, aber das Wort belehrt,
wie wir nachher hören werden, daß Gott mit uns, obwohl wir Sünder
sind, nicht zürnen, sondern uns gnädig sein, und uns helfen will von
Sünden und Tod zum ewigen Leben. Das ist eine Frucht, die wir haben durchs
Wort, und sollen deswegen dieses gern und fleißig hören.
5. Der andere ist, daß wir aus dem Wort lernen, wie unser äußerliches
Leben, Stand und Wesen, ins Wort gefaßt und durch das Wort geheiligt,
ein rechter Gottesdienst sei, da Gott ein Wohlgefallen an habe; daß es
nicht vonnöten ist, wer Gott dienen will, daß er des äußerlichen
Lebens bewegen etwas besonderes anfange, wie die Mönche getan haben. Er
bleibe bei seinem Beruf, tue, was seine Obrigkeit, sein Amt und Stand erfordert
und haben will. Dieses heißt Gott recht gedient, und geschieht ihm ein
besonderes Wohlgefallen, wird auch Glück und Heil dazu geben.
6. Das ist eine nötige Lehre, an der sehr viel gelegen ist, daß
wir unseren Beruf in Gottes Wort fassen, und ein jeder dessen gewiß sein
soll, daß alles, was er tut und läßt, in Gottes Namen und aus
Gottes Befehl getan und gelassen hat. So kann das Herz dem Teufel Trotz bieten,
und guter Dinge sein, und sagen: Ich habe heute dies und das getan, daß
mich Gott geheißen und mir befohlen hat in seinem Wort; weiß deswegen,
daß es ein gut und Gott wohlgefälliges Werk ist. Wer aber solches
nicht sagen kann, der höre nur beizeiten auf, er habe vor, was er wolle;
denn es ist Sünde, und Gott hatte keine Lust und Willen daran; wie Paulus
sagt: " Was nicht aus dem Glauben ist, das ist Sünde ".
7. Hier aber müssen wir wissen, wer nicht in die Lüfte will, wie
die Heiden, leben, sondern sein Tun und Lassen in das Wort fassen und im Glauben
alles tun will, der muß vor allen Dingen Gottes Wort recht haben und wissen.
Denn der Glaube kann nicht sein, wo kein Wort ist. Bedenke du selbst, was doch
solches Wort ist, daß alle Stände und das ganze äußerliche
Leben faßt. Aber man kann es dir sehr bald sagen. Denn erstlich steht
das vierte Gebot da. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren. Dieses Gebot
faßt alle Stände. Denn der Ehestand ist die Quelle, aus der alle
Stände wachsen. Und Gott hatte es sonderlich also in einander gebunden:
gleich wie der Ehestand allen anderen Ständen dienen muß (denn wo
nicht Eheleute, würde kein Regiment noch bürgerlich Leben bestehen
können); also sollen wiederum alle Stände in dem einigen Ehestand
dienen.
8. Zum anderen, neben solchen Wort, daß alle Stände faßt,
haben wir ein anderes Wort, daß fast alle Werke, nämlich, daß
Wort, daß da heißt und gebietet, wir sollen unseren Nächsten
lieben als uns selbst. Diese zwei Befehle sollen uns immer vor unseren Augen
leuchten, so geht unser Leben recht nach Gottes Wort und Befehl.
9. Wer es nun dem Werk nach will rechnen, ist es ein sehr geringes Ding, daß
eine Magd im Hause kocht, spült, kehrt, Kinder trägt, wischt, badet.
Denn solches tun die Heiden und Unchristen auch; aber sie tun es ohne Gottes
Wort, das ist, sie glauben nicht, daß Gott ein Dienst und Gehorsam an
solchen Werken geschieht, und kennen seinen Befehl nicht. Eine Magd aber, daß
eine Christin ist, weiß aus dem vierten Gebote, daß Gott für
solche Werke gebietet und von uns haben will, und sieht, daß es die Liebe
gegen den Nächsten auch so fordert. Darum macht es ein heilig Werk daraus,
und Bedarf keines Gehorsams dazu. Denn das Wort ist der rechte Gehorsam, daß
der Herr sagt durch den Heiligen Paulus: " ihr Knechte, seid Gehorsam euren
leiblichen Herrn, mit Furcht und Zittern, in Einfältigkeit eures Herzens
", Epheser 6,5. 1. dieses Wort und der Glaube machen die schlechten Werke
(welche die Heiden genauso tun) heilig und Gott angenehm; da sie dort, wo das
Wort und der Glaube nicht ist, Gott nicht gefallen können. Denn auf Erden
ist nichts heilig, denn Gottes Name und Wort. Was soll nun geheiligt werden,
muß durch solchen Namen und Wort Gottes geheiligt werden.
10. Der Befehl nun des vierten Gebots der geht durch und über alle Stände
und Werke und segnete sie also, daß es heilige und Gott wohlgefällige
Stände und Werke sind, so du an Christus glaubst und in Gottes Namen den
Gehorsam leistest. Stirb deswegen in solchen Stande, wann Gott will, so stirbst
du selig und wohl; denn du stirbst in dem rechten Glauben und Gehorsam, und
bist ein Kind des ewigen Lebens: nicht wegen der Werke, sondern wegen des Glaubens,
aus welchem nachher solcher Gehorsam und Werk folgt.
11. Das ein Mönch eine Kappe anzieht, sich die Haare besonders schneidet,
zur Messe des Nachts aufsteht, mit dem Essen besondere Regeln hat: diese Werke
haben wohl einen großen Schein; denn es fällt den Leuten schwer:
aber der Mangel ist daran, daß solche Werke geschehen nicht nach unseres
Herrn Gottes Wort; darum sind es auch nicht heilige Werke. Das aber ist ein
heiliges Werk und macht heilig, daß du an Jesus Christus glaubst, und
dir das vierte Gebot vornimmst und da deinen Gehorsam leistest; weil du hörst,
daß dein Stand, darin du bist, mit Gottes Wort geschmückt und darum
ein heiliger Stand ist.
12. Also muß man vor allen Dingen auf das Wort sehen. Denn wenn nur auf
die Werke sieht, sieht keinen Unterschied zwischen Christen und Unchristen.
Denn beide tun, was Vater und Mutter, Knechte und Mägde, Herr und Frau
im Hause tun. Aber da sieht man den Unterschied. Die Heiden und Unchristen tun
es in Sünde und Unglauben; denn sie wissen von Gottes Wort nichts. Ein
Christ aber tut es im Glauben, und hält seine Werke nach dem Wort Gottes
für ein gehorsam und Gott wohlgefälliges Werk. Darum ist dies ein
heiliges, jenes aber ein unheiliges Werk.
13. Darum sollte man diesem Beispiel nach Gottes Wort hier gern und fleißig
hören, so könnten wir mit Petrus noch heutigen Tages dazu kommen,
daß wir zu unserem tun einen gewissen Befehle hätten, und würde
danach vielmehr Glück bei allem unserem Tun sein; da sonst, wo Gottes Wort
nicht ist, kein rechter Segen, sondern nur Fluch und Ungnade, und ein böses
Gewissen sein muß. Dieses sei genug vom Beispiel, daß der Evangelist
im Anfang meldete, wie dies Volk sich fleißig zum Wort gehalten hat, und
Petrus selbst daß Wort so hoch achtet, und tut, was ihn Christus heißt.
14. Nun wollen wir die Geschichte uns vornehmen. Worin zwei Stücke sind:
zum ersten ist ein leiblicher Trost und Lehre, daß Gott uns nicht verhungern
lassen will; danach eine geistliche, daß er uns um der Sünde willen
nicht will verdammen, sondern uns mit Gnaden annehmen. Dieses sind zwei Lehren,
die sehr nötig und nütze sind; deswegen sollen wir sie fleißig
merken und uns danach halten.
15. Der leibliche Trost ist, daß Christus Petrus heißt einen Zug
tun, und Petrus folgt und fängt über den Maßen viele Fische.
Das mag ein feiner Hausvater sein: wer ihn nur in seinem Beruf und bei seiner
Arbeit haben könnte, der würde bestimmt alles genug haben und keinen
Mangel leiden. Aber der Evangelist gibt soviel zu verstehen, daß unser
lieber Herr Christus nicht jedermann solches tun will; sondern allein denen,
die eine ganze Nacht zuvor vergebens gearbeitet und danach Gottes Wort gehört
haben. Das ist, er will den Frommen und Armen, die zuvor Not gelitten haben,
mit seinem Segen helfen. Denn die Christen müssen hier auf Erden leiden
und versucht werden. Wenn sie aber versucht sind, und dennoch treu am Wort bei
ihrem Beruf und an der Arbeit bleiben, dann will Christus da sein und durch
reichen Segen helfen.
16. Das ist der eine Trost, der uns hier vorgehalten wird, daß wir glauben
sollen; und obschon zuweilen wir Mangel haben, daß wir doch nicht verzweifeln
noch ungeduldig werden sollen, sondern hoffen, es werde der Segen noch kommen.
Denn also geht es Petrus und seinen Gesellen auch: die arbeiten die ganze Nacht
umsonst, und können nichts fangen; aber da kommt Christus, unser lieber
Herr, und gibt ihnen zuerst sein Wort und macht Christen aus ihnen; danach heißt
er sie auf das Meer fahren und versucht sie noch einmal. Da folgt Petrus, und
es gerät ihm sehr wohl. Also soll es mit uns auch gehen. Gott will uns
nicht alle Fülle schon im Anfang geben. Denn wenn er es sofort gebe, wenn
wir getauft und Christen geworden sind, würden wir meinen, wir hätten
es von uns selber. Darum läßt er uns zuvor eine Zeitlang mangeln
und daß wir uns an das Unglück gewöhnen, daß ein Mensch
bei sich selbst verzagen und sagen muß: Wer weiß, wie es mir noch
gehen wird, wie ich versorgt werde? Wo wir dann in der Hoffnung und am Wort
festhalten, so will der liebe Herr und gute Haushalter bei uns sein, und sprechen:
Sei du zufrieden, tue einen Zug, laß dich von der Arbeit nicht treiben
und warte meines Segens.
17. Denn das soll bei den Christen nicht sein, ob sie schon Mangel leiden,
daß sie darum verzagen, Christus verleugnen, und ungeduldig darüber
werden wollten; sondern hoffen sollen sie, es werde der Herr mit der Zeit noch
geben, was sie bedürfen; sollen deswegen mit der Arbeit immer fortfahren
und dabei bleiben. Denn Christus gibt dem Petrus hier die Fische nicht also,
daß sie von selbst in den Kahn hinein springen: er muß auf die Höhe
fahren, sein Netz ausbreiten, und sich, wie andere Fischer, zu dem Handel schicken,
obwohl er jetzt zu einem Christen geworden ist; und muß den Herrn dafür
sorgen lassen, ob er etwas fangen werde.
18. Also solle es mit uns auch sein, in was für einen Stand Gott einen
jeden gesetzt hat. Bist du Knecht, Magd, Herr, Frau, Bürgermeister, Fürst:
so tue, was dein Amt ist, denn es hindert dich an deinem Glauben nicht, und
kannst Gott in solchem Stand recht und wohl dienen; lasse Gott danach für
dich sorgen, wie er dich ernähren und dir deine Notdurft schaffen werde;
und erschrick nicht davor, ob du gleich eine Zeitlang Not leiden und mangeln
mußt. Denn es kann eine Zeit kommen, die du nicht weißt, da Glück
und Segen sich finden wird, wie es sich hier findet. Bleibe allein treu an Gottes
Wort, und laß dich nicht müde noch ungeduldig machen. Wer aber solches
nicht tut, sondern will bald, wenn es ihm einmal mißrät, das Netz
wegwerfen, und in Ungeduld von seinem Beruf und Handel lassen und ein anderes
anfangen, der müßte sein Lebtag ein Stümper bleiben, und würde
nicht nach vorne kommen.
19. Das ist die erste Lehre, daß wir sollen unverzagt sein, ob wir gleich
Mangel spüren und uns Gott den Segen nicht sofort gibt, wie wir es bedürfen
und gerne hätten. Denn es wäre nicht recht, daß Gott uns so
bald geschehen läßt, wenn wir wollten. Arbeite eine Weile auch umsonst,
wie Petrus, leide und sprich: ich muß meine Nacht auch haben und aufstehen,
mit der Zeit wird es mein Vater im Himmel wohl anders machen. Wie man sagt:
Man muß arbeiten, etwas leiden und wagen; alsdann will Gott mit seinem
Segen auch kommen: doch sofern, daß man des ersten Stückes nicht
vergesse, und mit Petrus dem Herrn Christus das Schifflein leihe, daß
er sich darin setze und predige, und wir dem Wort fleißig zu hören
und es wohl lernen.
20. Und hier sehen wir eine besonders große Tugend an Petrus, der muß
ja ein frommes Herz gewesen sein, daß er sich so fein brechen lassen kann
und an das Wort so steif halten. Denn hier geht es wie sonst, daß unser
Herr seine Gebote und Werke (wie es die Vernunft ansieht) sehr närrisch
zu. Sonst hat es so eine Meinung mit dem Fischen, daß man am Mittag nicht
viel fängt, die Nacht ist viel besser dazu. Auch pflegen die Fischer nicht
mitten auf die See oder auf das Meer zu fahren; sondern bleiben am Lande, da
gibt es viel Fische. Dieses aber dreht der Herr hier um, heißt Petrus
auf die Höhe, das ist, wohl hinein auf die See fahren; und da sie zuvor
die ganze Nacht nichts gefangen hatten, heißt er jetzt um den Mittag das
Netz auswerfen. Solches fehlte Petrus wohl, daß es nicht aus der Kunst
und aus dem Beruf geredet ist, antwortet deswegen sehr höflich: Ei,Herr,
spricht er, wir haben die ganze Nacht gearbeitet, und nichts gefangen; und so
es unserer Kunst nach gehen soll, ist wenig Hoffnung dabei, daß wir jetzt
etwas fangen sollen. Aber dennoch auf dein Wort will ich es wagen; wo dasselbe
nicht etwas besonderes schafft, so ist es verloren.
21. Dies ist eine sehr feine, höfliche Antwort; denn sonst sollte er anders
geantwortet haben: Lieber, lehre mich nicht; ich weiß gewiß, wie
man Fische fangen soll, was du mir nicht lehren kannst. Predigen und Fischen
ist zweierlei. Jenes kannst du; so kann ich das. Ich will dich nicht lehren
predigen; lehre du mich auch nicht Fische fangen. Also würden wir vielleicht
unserem Herrn auch geantwortet haben. Denn das ist unsere Art und Natur, daß
wir immer klüger sein wollen, denn unser Herr Gott. Aber Petrus ist frömmer,
läßt solche Gedanken alle fallen, und denkt: Ich kann vom Fischfang
wissen was ich will, so will ich doch dies Wort nicht verachten, sondern ihm
folgen. Hängt sich also mit ganzem Herzen an das Wort, und läßt
Vernunft, Erfahrung und alles fallen.
22. Dies ist ein feines Stücklein des Glaubens, wer es nur dem lieben
Petrus nachtun, und alles, was uns einfällt, lassen und sich allein an
das Wort halten. Denn das erfahren wir: ein Mensch hat es gern vom andern, daß
man ihm glaube und folge; und wenn es gleich mißraten sollte, so zürnt
man doch nicht darum. Wiederum ist es sehr verdrießlich, wenn der Herr
im Haus etwas befiehlt, daß der Knecht nicht folgen will, spricht: Ei,
Herr, er tut es nicht, ich habe es auch versucht und es ist mir nicht gelungen,
darum will ich es nicht tun. Einen solchen Knecht würde niemand gern im
Hause haben. Aber fürwahr, wir tun immer gegen Gott im Himmel, lassen uns
die Vernunft irren, daß wir dem Wort nicht folgen, wie wir sollen. Wie
man an den Sakramentsschwärmern sieht. Christus spricht: " Nehmet
hin und esset, das ist mein Leib; trinket alle daraus, daß es mein Blut
". Nein, nein, sprechen sie, es ist sein Leib und sein Blut nicht, sondern
nur ein Zeichen seines Leibes und Blutes; denn Christus sitzt zur rechten Gottes.
Wollen also das Wort nach ihrer Vernunft beurteilen. Pfui dich mal an! Das heißt
die Hühner lehren wie sie Ei legen und die Kühe lehren wie sie kalben
sollen, wenn man unserem Herrn Gott will predigen lehren. Wie sollte uns so
wohl gefallen, wenn unser Knecht und Magd sich also gegen uns hielten, das,
was wir heißen, sie alles anders machen wollten?
23. Darum achtet es Gott für eine große Ehre, wenn wir gegen ihn
und sein Wort tun, wie Petrus hier: obgleich die Vernunft uns anders wo hin
führen will, daß wir doch an uns halten, und sprechen: Vernunft hin,
Vernunft her; da steht Gottes Wort und Befehl, dabei will ich es lassen. Wer
also sich an das Wort halten kann, da lacht unser Gott und das ganze himmlische
Heer. Den Leuten gefällt solcher Gehorsam auch wohl. Wenn ein Fürst
seinen Diener etwas heißt, und er schnell hingeht und tut es, diskutiert
nicht lange, wie es wohl werden soll, sondern denkt: Mein Herr hat es so gesagt,
ich will es im Namen Gottes tun; gerät es, so gerät es ihm und mir;
gerät es nicht, so mißrät es ihm; es ist närrisch befohlen,
so ist es närrisch ausgerichtet. Was geht es mich an? Ich bin darum da,
daß ich folgen soll. Wer gegen Gott und sein Wort solches auch tun könnte,
wie wir denn zu tun schuldig sind, so würde größerer Friede
auf Erden sein. Es würden weder Rotten noch Ketzer aufstehen, sondern alle
Kirchen würden in der Lehre fein einträchtig und gesund bleiben. Aber
weil man es nicht tut, und der meiste Teil klüger und diskutiert, und dem
Wort nicht folgen will, kommt aller Irrtum und Uneinigkeit.
24.Wohl ist es wahr, ohne Anfechtung geht es nicht ab. Wenn es uns geht, wie
Petrus, daß wir auch eine Nacht vergebens gearbeitet: da fehlte es nicht,
wir bekümmern uns, und murren bald, werden ungeduldig, und Denken, wir
wollen alles stehen und liegen lassen, und davon gehen. Aber dieser Anfechtung
sollen man nicht Raum geben, sondern im Beruf bleiben, einen Weg wie den anderen,
und Gott dafür sorgen lassen. Denn da sehen wir oft, daß feine, fromme,
gehorsame Kinder sind, denen nichts gelingt, dagegen anderen Bösen und
ungehorsamen Buben gerät alles gut. Aber es dauert nicht lange, und es
findet sich am Ende, daß sich das Blatt wendet. Deswegen, wenn es sich
auch bei dir so zuträgt, daß es nicht so geht wie du willst, so halte
nur fest und laß dich nicht müde machen; denn das Mißraten
ist besser, wo du nur im Gehorsam bleibst, denn daß es nach deinem Willen
geht. Ursache, Gott stößt doch zuletzt den Ungehorsam mit dem Glück
zu Boden, es sei so Es auch will. Dem Gehorsam aber hilft er endlich auf und
gibt Glück dazu.
25. Darum sollen wir solches merken, und dem schönen Beispiel folgen,
daß Petrus allein auf das Wort sieht und demselben folgt, läßt
die anderen Gedanken, die mir und dir eingefallen wären und ihm einige
Zweifel auch eingefallen sind, jedoch an seinem Gehorsam nichts hindern. Denn
da steht Gottes Wort und Befehl, auch über uns, als über Petrus, daß
Gott uns befiehlt, wir sollen arbeiten und tun, was unser Beruf erfordert. Wer
nun auf solchen Beruf sieht, und fleißig anhält, obgleich das Glück
sich sperrt und der Segen eine Zeitlang ausbleibt, so wird es doch endlich wohl
und gut gehen. Denn Gott kann es nicht lassen, er hat Lust am Gehorsam und gibt
auch Glück dazu, wenn er ers auch eine Zeitlang aufschiebt, und uns versucht,
ob wir auch an seinem Befehl fest halten wollen. Darum soll niemand darüber
unlustig oder unwillig werden, wenn er gleich mit Petrus eine Nacht vergebens
fischt. Denn sollte Petrus diesen reichen Fischzug bei Nacht getan haben, würde
er gedacht haben, es wäre seine Kunst und Arbeit gewesen, er bedürfte
sonst niemand anderen dazu. Weil er aber die ganze Nacht fischt und nichts fängt,
und der Herr ihn zuvor das Wort gibt und heißt ihn es noch einmal versuchen:
da muß Petrus begreifen, daß er es nicht getan hat; das Wort Gottes
und der Segen Gottes haben es getan, seine Arbeit nicht. Das sei genug von dem
ersten Trost und Lehre, die leiblich ist und auf die Nahrung geht: das Christus
seine Christen nicht will vergebens arbeiten lassen, er will mit seinem Segen
bei ihrer Arbeit sein und sie nicht des Hungers sterben lassen.
26. Der andere Trost und Lehre ist geistlich. Denn da hört ihr Lieben,
wie Petrus über den Fischzug erschrickt, und lernt den Herrn Jesum daran
kennen, daß er mehr als ein gemeiner Mensch ist. Weil er aber sich als
einen armen Sünder erkennt, fällt er dem Herrn Jesu zu Füßen
und spricht: " Herr, gehe von wir hinaus, ich bin ein sündiger Menschen
". Das ist ein geistliches Stück, welches wenig Leute verstehen. Denn
es hat einen solchen Schein, als sei Petrus so andächtig und demütig,
daß er von dem Herrn Christus gern fliehen wollte. Aber es hat eine andere
Meinung.
27. Im Gewissen geht es so zu: Wenn Gott mit seiner Gnade kommt, Vergebung
der Sünden und ewiges Leben umsonst durch Christus verheißt, da wird
die Gnade so groß, daß man denkt, es sei zuviel, und können
es nicht annehmen. Das kann man wohl glauben, daß Gott gnädig und
barmherzig sei; aber daß er uns so überaus wollen gnädig sein,
daß will in das schlechte Herz nicht hinein. Jedermann denkt: Wenn ich
so rein und fromm wäre wie die Jungfrau Maria, so wollte ich mich solcher
Gnade auch trösten und annehmen; aber ich bin ein Sünder, bin der
Gnade nicht wert, sondern der Ungnade und des Zorns. Da schlägt dann der
Teufel auch zu, der bläst die Sünde im Herz dermaßen hoch, daß
du nichts anderes sehen kannst als deine Unwürdigkeit, und muß also
vor der großen, überschwenglichen Gnade erschrecken . Dies ist eine
geistliche Anfechtung, von der rohe Leute nichts wissen und merken. Denn der
meiste Teil der Menschen leben so dahin, daß sie weder an ihre Sünde,
noch an Gottes Gnade denken. Aber die richtigen Christen erschrecken davor,
und denken immer, der sei zuviel, daß Gott um ihretwillen das tun soll.
Was bin ich? Denken sie; bin ich es doch nicht wert, daß Gott mir soll
so gnädig sein.
28. Der geht nun dieser Trost und Lehre mit Petrus hin, daß der Herr
hier sich so freundlich hören läßt: Ach, Petrus bin ich doch
nicht darum da, daß ich dich würgen, oder wegen deiner Sünden
dich strafen will, fürchte dich nicht. Bis du ein Sünder, sei zufrieden:
ich kann und will dir davon helfen und einen großen Mann aus dir machen;
darum stelle dich meinetwegen zufrieden, es soll nicht Not haben.
29. Das also dieser Trost dazu dient, daß wir lernen sollen, wo solche
Gedanken unserer Herzen schrecken und kleinmütig machen wollen, daß
wir es forttun, und ihnen nicht Raum geben. Denn solch eine Meinung hat es mit
Christus nicht, daß er arme Sünder nicht leiden kann. Er ist um ihretwillen
auf Erden gekommen. Darum tröstet er Petrus hier gegen solche Gedanken,
und Lukas 12,32 spricht er: " Fürchte dich nicht, du kleine Herde;
denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben ". Da redet
der Herr auch mit solchen furchtsamen Herzen, wie Petrus hier hat, die da denken:
Wer? Solltest du in den Himmel kommen? Mit den lieben Engeln in ewige Freude
und Wonne im Himmel droben leben? Ja, wenn du fromm und heilig wärest!
Wie du jetzt aber bist, so wird daraus nichts. Nein, spricht Christus, ihr fürchtet
euch; aber ihr sollt nichts tun. Mein Vater will euch das Reich geben; und will
es euch aus gnädigem Wohlgefallen geben. Denn weil ihr als arme Sünder
nicht würdig seid, ist es sein gnädiger Wille, daß er es euch
umsonst und aus Gnaden geben will. Darum erschreckt nicht davor; nehmt es mit
Liebe und Dank an. Denn so Gott uns nicht sollte etwas geben, wir hätten
es denn verdient und wären es würdig, so sollte er uns kaum das liebe
Brot und bloß Wasser geben. Aber er will nicht auf unser Verdienst und
Würdigkeit, sondern auf unsere Not und seine Gnade und Barmherzigkeit sehen,
und über den leiblichen Segen auch das ewiges Leben schenken.
30. In solcher Anfechtung steckt Petrus hier. Er merkt, daß es des Herrn
Christi Gaben und Segen ist, daß er auf sein Wort samt seinen Gesellen
so eine große menge Fische auf einen Zug fängt, bedenkt doch, er
sei solcher Wohltat unwürdig, will deswegen verzweifeln. Was, spricht er,
soll ich, Herr, bei dir machen? Geh du zu den frommen Leuten, ich bin leider
ein böser, sündiger Mensch. Aber Christus tröstet ihn, und zeigt
sich ganz anders gegen ihn, als er denkt; spricht: Er soll ohne Furcht und zufrieden
sein. Als sollte er sagen: Es ist ein geringes Ding um die Fische; ich will
dich noch zu einem Menschenfischer machen. Jetzt hast du das Amt, daß
du ein Fischer bist; aber ich will dir ein anderes Amt befehlen, daß du
in ein anderes Wasser gehen, und Leute fangen, den Himmel voll Fische machen,
und meine Reich so füllen sollst, wie jetzt diese Fische dein Schifflein
füllen. Zu solchen Fischzug will ich dir ein anderes Netz geben, nämlich
das Evangelium, dadurch sollst du die Auserwählten fangen, daß sie
sich taufen lassen, glauben und ewig leben sollen. Und nicht an einem Ort allein,
sondern in der ganzen Welt, daß du hier eine Stadt, dort ein ganzes Land
fangen und bekehren sollst.
31. Das ist der geistliche Trost, welchen der Herr seinen Jüngern gibt,
daß er sie nicht allein des Hungers sterben lassen will, sondern sie setzen
in das geistliche Regiment, und in die Welt schicken, unter den Königen
und Fürsten das Evangelium rumoren lassen. Ob nun der Teufel darüber
zornig ist und sich mit aller Macht dagegen setzt, das schadet nicht: dennoch
soll das Wort, es zürne oder lache der Teufel, hindurch brechen und Frucht
schaffen, daß viele an Gottes Sohn glauben, und so Vergebung der Sünden
empfangen, gerecht, selig und Erben des ewigen Lebens werden. Als Zeichen hat
uns der liebe Gott sein Wort, Taufe, Abendmahl, Absolution gegeben, welche seine
Netze sind, damit er die Seinen aus der Welt, da der Teufel Fürst und Gott
ist, versammelt, sie dadurch vor des Teufels List und der Welt Tyrannei bewahrt,
im Glauben erhält und stärkt, daß sie mit der Welt nicht verdammt
werden. Und ob sich noch gleich die Sünde in ihnen regt und der Glaube
schwach ist, daß sie denken, sie sind des großen, herrlichen Schatzes
nicht wert; so tröstet sie doch Christus in Lukas 12, wie gesagt, und spricht:
Fürchtet euch nicht, sehet nicht dahin, ob ihr es wert oder unwert seid;
sondern höret, was ich euch sage: Eures Vaters Wohlgefallen ist, euch das
Reich zu geben. Ist dem also, so wird euch euer Vater nicht lassen in die Hölle
fahren, obwohl ihr es gleich verdient habt. Darum halte euch nur an mich, kriecht
in die Taufe, gehet zum heiligen Sakrament, lasset euch durch mein Evangelium
ziehen und fangen, so soll es nicht Not haben.
32. Also haben wir neben dem Exempel, daß man Gottes Wort gern hören
soll, diese zwei Stücke: das erste, obgleich Gott uns eine Zeitlang Mangel
leiden und vergeblich arbeiten läßt, daß er dennoch zu rechter
Zeit mit seinem Segen bei uns sein und uns helfen will; das andere, daß
er auch wieder die Sünde uns helfen, und nicht verdammen will. Darum gibt
er uns auch sein Wort und tröstet uns damit, daß wir gewiß
sollen glauben, wir seien seine Kinder.
33. Solche Leute tun danach auch rechtschaffene gute Werke, wenn sie zuvor
durch das Wort und den Glauben wissen, daß sie durch Christus einen gnädigen
Gott und Vater im Himmel haben, dessen Fische sie sind, welche in seinem Wort,
als in seinem Netz, wohl verwahrt sind vor allem Unglück. Die können
auch in Mangel, Hunger und Kummer fröhlich und guter Dinge sein, und sagen:
ob ich gleich hier Armut leide, schadet nicht; dennoch weiß ich, daß
mich mein lieber Gott nicht wird immer Not leiden. Denn er hat mir Christus
gegeben und alle Seligkeit in ihm: er wird mir also auch so viel zuwerfen, daß
der Leib die kurze Zeit meines Lebens seine Notdurft haben wird.
34. So ist es nun dem Herrn am meisten darum zu tun, daß er unsere Herzen
tröste und gewiß mache, daß wir fest glauben und ja nicht daran
zweifeln sollen, wir haben einen gnädigen Gott in Himmel. Wer das also
glaubt, der wird sich nicht wegen eines zeitlichen Mangels anfechten lassen,
sondern auch nichts danach fragen, ob der Teufel und die Welt zürne: wenn
nur Gott uns gnädig ist. Daß wir nun solches auch fest glauben, und
in aller Anfechtung, leiblich und geistlich, uns also trösten mögen,
daß verleihe uns unser von lieber Vater im Himmel, durch Jesum Christum,
seinen Sohn und unseren lieben Herrn, Amen.
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