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Er sagte aber zur etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm
währen, und verachteten die anderen, ein solches Gleichnis: Es gingen zwei
Menschen hinauf in den Tempel, zu beten, einer ein Pharisäer, der andere
ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst also:
Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die anderen Leute, Räuber,
Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner; ich faßte zweimal
in der Woche, und gebe den Zehnten von allem, daß ich habe. Und der Zöllner
stand von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel, sondern
schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig. Ich
sage euch: Dieser ging gerechtfertigt in sein Haus vor jenem. Denn wer sich
selbst erhöhen wird, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt,
der wird erhöht werden.
1. Im heutigen Evangelium lehrt uns unser lieber Herr Christus, wie wir rechtschaffene
Christen und demütig sollen sein. Denn durch diese Tugend allein kommt
man zu Gnaden. Wo aber diese Tugend, nämlich Demut, nicht ist, da kann
Gott keinen Gefallen haben noch gnädig sein. Wie wir hier an diesen zwei
Personen sehen, am Pharisäer und Zöllner.
2. Die Pharisäer waren bei den Juden, gleichwie im Papsttum die Mönche,
hatten sonderliche Kleidung, sonderliche Tage zum fasten und beten, und trieben
der Heiligkeit soviel, daß die anderen Menschen sich dagegen wie Sünder
vorkamen. Daher hatten sie auch den Namen, daß sie Pharisäer hießen.
" Pharisäus " aber heißt in hebräischer Sprache so
viel als ein Sonderling, der sich ausgesondert aus dem allgemeinen Volk und
will etwas besonderes sein.
3. Dagegen waren die Zöllner eben wie bei uns die Amtleute sind, welche
den Leuten nur dann schnell helfen wenn sie dafür extra Geld bekommen.
Darum sie jedermann für Geizhälse und öffentliche Sünder
hielt, die ein solches Amt hätten, darin sie geizten und den Leuten viel
Plage anlegten. Darum war es nicht zu vermuten, daß einer unter ihnen
fromm wäre; gleichwie sich nicht vermuten ließ, daß unter den
Pharisäern ein Schalk wäre.
4. Aber unser lieber Herr Christus macht hier gar ein anderes Urteil, sagt:
Der Zöllner sei fromm und gerecht; der Pharisäer aber sei ein Sünder,
dazu ein sehr großer, schändlicher Sünder. Denn also zeigt er
das Gleichnis an: " Es waren etliche, die sich vermaßen, daß
sie fromm während, und verachteten die anderen ".
5. Das sind der zwei häßliche Untugenden der Pharisäer, daß
sie nicht allein von sich selbst hoch hielten, welches Sünde genug wäre,
denn Hoffart ist eine teuflisches Sünde: sondern verachteten auch die anderen.
Da bedenke du, was soll einem solchen Heuchler helfen, wenn er sich gleich zu
Tode betet und fastet, weil der Teufel ihm im Herzen sitzt mit einer solchen
Hoffart, daß er sich selbst aufbläst und sagt: Wenn ich mich nicht
selbst heilig machte, so müßte ich lang auf unseren Herrn Gott warten;
aber da faßte ich soviel, der bete ich soviel, da tue ich dies, da daß,
daß andere nicht tun: ich gebe meinen Zehnten treulich. Könnten die
anderen den Priestern nichts denn Stroh und Stoppeln geben, sie täten es;
aber ich bin nicht so, ich bin frömmer.
6. Also kommen die zwei greulichsten und Tugenden in dem Heiligen Mann zu Hauf,
daß er so trefflich hoffärtig und vermessen ist, und andere so tief
verachtet, und sagt: Sie sind nichts denn Räuber, Ungerechte und Ehebrecher;
sonderlich aber malt er den Zöllner meisterlich aus. Der, spricht er, steht
da, schindet und schabt jedermann, nimmt es, wo er kann. So ein böser Bube
bin ich nicht, Gott Lob! Nicht: ich bin ein lebendiger Heiliger gegen den zu
rechnen. Solcher Stolz und Hoffart ist auch vor der Welt ein sehr verdrießliches
Laster, wie das gemeine Sprichwort sagt, da man sagt: Bist du etwas, so sei
es; aber laß andere Leute auch etwas sein. Wie mag es denn vor unserem
Herrn Gott sein? Dem muß es tausend und aber tausendmal mehr entgegen
sein, wo man gegen ihn vermessen und hoffärtig sein will.
7. Das also dies Evangelium vornehmlich dahin geht, daß unser lieber
Herr Christus uns vormalt, was da sei die rechte Gerechtigkeit, und wie man
sie von der Heuchelgerechtigkeit unterscheiden und erkennen soll. Als sollte
er sagen: Du sollst wohl einen Mann finden, der dahergeht als ein lebendiger
Heiliger; er fastet, er gibt Almosen, er bricht die Ehe nicht, tut niemand Unrecht,
geht gern zur Predigt. Wer kann dies alles anders deuten, denn daß er
ein frommer Mann sei? Aber ich sage dir, willst du ihn recht erkennen, so muß
du nicht auf solchen Schein sehen, welchen auch ein Schalk führen kann,
sondern du mußt darauf sehen, was da heiße, vor Gott gerecht sein.
Denn des äußerlichen Lebens halben ist dieser Pharisäer fromm,
daß man wünschen sollte, so viel den äußerlichen Wandel
belangt, es wäre alle Welt, wie er ist. Aber das ist noch nicht genug,
und hüte dich ja daß du dich darauf nicht verläßt. Denn
hier siehst du, wie unter solchem Heiligen Leben eine so großer Teufels
Hoffart steckt. Um solcher Hoffart Willen konnte der Teufel nicht im Himmel
bleiben; Adam und Eva konnten nicht im Paradies bleiben; wie sollte denn dieser
in der Kirche bleiben?
8. Fasten ist recht, beten ist recht, Zehnten geben ist recht, die reine Ehe
halten, nicht Rauben, niemand Unrecht tun, ist alles recht und gut. Aber der
Pharisäer zieht es mit Hoffart an, daß lauter Teufelsdreck daraus
wird. Denn so es in der Welt also geht, wer einem anderen darum Gutes tut, daß
er ihn damit fangen und sich zur eigen machen will, der tut ihm mehr Schaden,
denn Gutes. Wie das Sprichwort heißt: geschenktes Gut kommt am teuersten.
Wie kann Gott einen Gefallen haben an der Heiligkeit, da man ihm mit pochen
und wieder ihnen stolzieren will? Da wird aus der Heiligkeit eine zweifache
Schalkheit.
9. Also tut der Heuchler hier auch: o Gott, spricht er, siehst du auch, daß
du an mir einem frommen Mann hast? Die Welt ist doch nichts denn Räuber,
Ungerechte und Ehebrecher; ich aber bin fromm. Er tue nun in solcher Hoffart,
was er wolle, ja, wenn er auch Blut schwitzte und sich mit Feuer verbrennen
ließe, so ist es vor Gott ein Greuel und die größte Sünde.
Darum spricht Christus hier: Wenn ihr wollt fromm sein, so seid es recht, und
hütet euch, daß ihr nicht hoffärtige Heilige seid. Denn ob ihr
schon strauchelt, oder zuweilen gar in den Dreck fallet, so soll es mich nicht
so verdrießen, als so ihr alle Heiligkeit hättet und wäret hoffärtig
dabei.
10. Beschließt deswegen diese Lektion mit seinem, merklichen Spruch:
" wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt, der sich aber selbst
erniedrigt, der wird erhöht ". Auf das jedermann lerne demütig
sein und niemanden verachtet. Denn das heißt Demut, daß ich von
mir nichts, aber von anderen viel halte. Wer aber von sich selbst viel hält,
und denkt, wie er gelehrt, schön, reich, fromm sei, d. h. Hoffart. Wie
der Pharisäer tut, der sieht sein fasten, Zehnten geben und anderes an,
hält deshalb viel und hoch von sich. Das will der Herr verboten haben.
Dagegen sieht man an dem Zöllner keine Hoffart, sondern eine rechte Demut.
Denn er rühmt nichts, und bittet nur darum, daß Gott ihm wolle gnädig
sein. Das, spricht der Herr, lernet ihr auch, daß ihr sagt: Ich kann mich
nichts rühmen; denn ob ich schon mich wollte rühmen, ich wäre
gelehrt, reich, mächtig; so kann unser Herr Gott sagen: Lieber, woher hast
du es? Hast du es von dir selbst? Nein. Woher denn? Ist es nicht mein Geschenk?
Ja, Herr, dein ist es. Warum rühmst du dich denn? Sollte jemand sich rühmen,
so sollte ich es tun, der ich dir alles gebe. Du sollst es nicht tun, sondern
solltest sagen: Ob ich schon reich bin, so weiß ich doch, daß du
mich in einer Stunde arm machen kannst; ob ich weise und gelehrt bin, so kannst
du mich mit einem Wort zum Narren machen. Das hieße demütig sein
und sich nicht selbst brüsten und andere verachten, darum daß du
schöner, frömmer, reicher bist denn andere.
11. Das wäre wohl fein, wenn wir solcher Hoffart wider den Teufel brauchten,
und sprächen: Ich habe Gottes Wort, daß weiß ich; habe damit
so viel Gutes ausgerichtet, da den, dort einen anderen unterrichtet, getröstet,
vermahnt; ich habe da, dort mit Almosen geholfen; daß weiß ich,
daß es ein gutes Werk ist; und trotz Teufel, daß du es lästern
solltest! Gegen den Teufel, sage ich, geht solches hin, daß man es rühme;
denn wir haben es nicht von ihm. Aber wieder Gott, da wir alles von haben, soll
man nicht rühmen, sondern sich demütigen.
12. Danach soll man den Nächsten auch nicht verachten, sondern also denken:
Weil alle Gaben unseres Herrn Gottes eigen sind und von ihm allein kommen: ob
ich gleich derselben mehr denn mein Nächster habe, so weiß ich doch,
daß unser Herr Gott ein Urteil sprechen kann zwischen dir und meinem Nächsten,
der kaum den Zehnten Teil meiner Gaben hat, und ihm gleich so günstig sein,
als mir. Warum wollte ich denn etwas mich rühmen oder überheben? Fürchten
sollte ich mich, wenn ich viel habe, daß ich desselben nicht mißbrauchen,
und immerdar denken: Gott macht es nach seinem Gefallen; einem gibt er viel,
dem anderen wenig. Aber wohl kann es kommen, daß er dem gnädiger
sei, der wenig hat. Ursache: jener, der viel hat, muß desto mehr Rechenschaft
geben; da er aber wenig hat, darf desto weniger Gefahr ausstehen.
13. Aber solche ist tut der Pharisäer hier nicht; er fährt auf das
allergröbste heraus: Ich bin nicht wie andere Leute; bin auch nicht wie
dieser Zöllner. Ich gebe den Zehnten; der Zöllner raubt allein. Ich
betrüge niemand; so klagt er diese ganze Welt an. In der Summe; der Pharisäer
denkt bei sich, er sei allein und habe alles; der Zöllner sei nichts und
habe nichts. Aber, du Schalk, solltest du nicht sagen: Wahr ist es, ich gebe
meinen Zehnten fleißig, ich faßte und tue, so viel ich kann; aber
ich weiß darauf nicht zu bauen. Lieber Herr Gott, es ist deine Gabe und
es steht wohl darauf, daß dir dieser Zöllner besser Gefallen, denn
ich? So sollte er den Zöllner über sich gehoben, oder ja neben sich
haben gehen lassen, und gesagt: Es ist daran nicht gelegen, ob mich viel oder
wenig, sondern ob jemand einen gnädigen Gott habe. Was will ich denn trotzen
und andere verachten, weil es alles an Gottes Barmherzigkeit liegt, und nicht
an dem, was ein jeder für Gaben habe. Er aber tut es nicht, sondern trotzt
auf seine Frömmigkeit, und eben, da er vor Gott steht und betet.
14. So will nun der Herr uns verbieten, daß wir unserer Frömmigkeit
halben nicht sollen vermessen sein. Wiederum auch will er, daß niemand
darum zweifeln soll, ob er schon in Sünde Gefallen und vom Teufel ist betört
worden. Denn wir haben alle einen Gott, der seine Barmherzigkeit über uns,
wie einen Mantel, ausbreitet, über Fromme und Sünder, über Gelehrte
und Ungelehrte, über Reiche und Arme; denn er ist unser aller Gott. Darum
sollen wir uns nicht überheben, sondern demütig sein: nicht dahin
sehen, ob wir viel und andere wenig haben. Denn Gott kann dem gnädiger
und holder sein, dem er wenig gegeben hat, denn der viel hat; ja, er kann wohl
dich wieder nackend ausziehen, und einen, der nackend und bloß ist, schöner
kleiden und mit trefflicheren Gaben zieren, denn dich. Warum wolltest du denn
andere verachten und dich hervorheben?
15. In der Welt muß solche Ungleichheit der Personen, Stände und
Gaben bleiben, daß einer mehr und höher, denn der andere, gehalten
wird. Aber darum sind ihr vor unserem Herrn Gott nicht ungleich. Denn weil nichts
denn Gnade bei ihm gilt, ist es unmöglich, daß jemand sich vor ihm
rühmen und stolz sein könnte. Alle sollen sich demütigen, und
wissen, obgleich wir unter einander ungleich sind, daß Gott darum nicht
ungleich wird: er hat kein anderes Herz noch Auge auf den, der viel hat, denn
auf dem, der wenig hat. Das also wir alle lernen sollen, uns an seine Gnade
und Barmherzigkeit halten. Denn beide, Gerechte und Sünder, Reiche und
Arme, Starke und Schwache, sind unseres Herrn Gottes. Was wir haben, daß
haben wir alles von ihm; aber von uns selbst haben wir nichts als Sünde.
Darum soll sich keiner über den anderen erheben, sondern sich demütigen
und fürchten. Denn obgleich was Gutes da ist, so ist es doch alles unseres
Herrn Gottes Gabe. Der soll davon rühmen, du nicht: sondern sollst desselben
brauchen mit Danksagung und in der Furcht Gottes; denn er kann kein Stolzieren,
kein Pochen noch trotzen Leiden.
16. Gleich aber wie niemand sich seiner Frömmigkeit oder anderer Gaben
wegen überheben soll: also will Gott nicht, wenn du meinst, was für
ein armer Sünder du bist, daß du nicht verzweifeln sollst, sondern
daß du auf seine Güte trauen und dich sein trösten sollst, und
sagen: Wohlan, habe ich nicht so viel als der oder jener, so habe ich doch eben
denselben Gott, der will mir auch gnädig sein. Darum will ich zufrieden
sein, hingehen, meines Standes und Amtes warten in dem Maß, den mir Gott
beschert hat; will niemand verachten, mich über nichts überheben,
will mich auch darum nicht bekümmern, daß andere mehr, denn ich,
haben. Denn ich will zufrieden sein, daß ich eben den Gott habe, den sie
haben; und daß Gott nicht darum ein ungleicher Gott ist, obschon wir Menschen
unter einander ungleich sind. Das meint der Herr, da er dies Gleichnis beschließt,
und spricht: Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt; aber wer sich
selbst erniedrigt, der wird erhöht ". Als sollte er sagen: Wenn ich
solche Heiligen finde, die mir es können heimgeben, je weniger dieselben
von sich halten, je mehr will ich ihnen geben. Dagegen aber, der etwas hat und
will darum hoffärtig und hoch gehalten sein, dem will ich eins nach dem
anderen wieder nehmen, bis ich ihn endlich in Ungnaden in den Abgrund der Hölle
stoße.
17. Wenn der Pharisäer nicht so hoffärtig gewesen, sondern in aller
Demut Gott seine Gaben hätte heimgetragen, und gesagt: Herr, du hast mir
viel Gnade getan, daß du mich vor dieser und anderen Sünden so gnädiglich
behütet hast; solches ist deine Gabe, der freue ich mich, ich überhebe
mich aber dessen nicht, verachte auch deswegen niemand; denn du kannst es wieder
nehmen, wenn du willst. So hätte ihm Gott von Tag zu Tag der Gaben noch
mehr gegeben und ihm nicht können feind sein. Weil er aber damit Hoffart
treibt, und andere darüber richtet und verachtet, und spricht: Ich bin
alles, der Zöllner ist nichts, da zieht ihn unser Herrn so rein aus, daß
nichts mehr an ihm bleibt, daß noch zu loben wäre. Denn da steht
unseres Herr Christi Urteil: " Der Zöllner ging gerechtfertigt hinab
vor jenem ". Das ist, der Pharisäer ist ungerecht, verdammt und gehört
in die Hölle zum Teufel. Was hat er nun von seinem Rühmen? Dagegen
aber der Zöllner, der da spricht: " Gott, sei mir gnädig ",
wird zum Heiligen in der Kirche, und hat einen gnädigen Gott, wie er betet.
18. Das will Christus uns alle lehren, daß wir sollen von Tag zu Tag
erkennen, was wir sind und haben. Hast du Geld, gesunden Leid, Haus und Hof:
brauche desselben, gönne dir es wohl, gebe es dir gern und will dir noch
mehr geben, allein rühme dich nicht und verachte keinen lebendigen Menschen
darum. Gedenke, wenn du einen siehst, der nicht hat, was du hast, daß
er ebenso einen gnädigen Gott haben kann, als du. Darum verachte ihn nicht,
lasse ihn eben dir gehen, so wird Gott gepriesen von beiden; da sonst die falschen
Heiligen Gott schmähen, ob sie es gleich mit dem Munde und öffentlich
nicht tun.
19. Darum wer bloß nach den Worten beurteilen wollte, der muß sagen,
daß es nicht unrecht geredet ist, daß der Pharisäer hier sagt:
Gott, ich danke dir. Denn solche Worte führen die rechten Heiligen in ihrem
Gebet auch, aber mit einem anderen Herzen. Denn wo sie Gott für etwas danken,
bekennen sie damit, es sei sein Werk und Gabe, sie haben es nicht von sich selbst.
Aber das ist des Pharisäers Meinung nicht; sonst würde er gesagt haben:
Das ich kein Ehebrecher, kein Räuber noch Ungerechter der bin, Herr, daß
habe ich niemand denn dir zu danken. Meinetwegen, wo es außer deiner Gnade
gewesen, würde ich eben haben hausgehalten, wie andere Leute. Denn wir
sind alle gleich, einer darf sich nicht über den anderen rühmen. Aber
so denkt dieser Pharisäer nicht, sondern er dreht es noch um, und spricht:
" Ich danke dir, daß ich nicht bin, wie andere Leute ". Zieht
also alle seine Tugend in sich selbst, als hätte er sie von sich selbst
und nicht von Gott. Denn sonst würde er ihrer sagen: Du hast es gegeben.
Das tut er nicht, stellt sich nicht anders, denn als sei er so reich und könne
Gott geben; dankt also nicht Gott, sondern sich selbst, seiner Vernunft, seinem
freien Willen und Kräften, daß er so viel habe tun können.
20. Nun ist es wahr: wem Gott etwas besonderes gibt, der soll es erkennen und
hoch achten. Denn was sollte das sein, daß du leugnen wolltest, du wärest
nichts gelehrter oder besser denn ein Esel, oder ein anderes Tier? Also wem
Gott Geld und Gut beschert, der soll nicht so unvernünftig sein, daß
er wollte sprechen: Ich bin ein armer Bettler und haben nichts. Wer etwas Gutes
getan, armen Leuten geholfen und geraten hat, soll solches auch nicht versprechen,
daß er wollte sagen: Ich habe nichts Gutes getan. Nein, so soll es nicht
sein; Gottes Gaben soll man erkennen, rühmen und hoch halten. Aber neben
dem soll man sich demütigen und sagen: Mein Gott, es ist dein und nicht
mein; du hast es gegeben, sonst müßte ich es wohl als andere sein,
ich danke dir dafür. Das wäre recht getan, wo wir also uns demütigen.
Aber unseres Herrn Gottes Güte soll man nicht klein noch gering achten,
sondern erkennen und Achten; und doch nicht dabei stolz sein, noch andere verachten,
sondern, wie nun oft gemeldet, sagen: Lieber Gott, es ist deine Gabe, die du
mir gegeben hast; so ein anderer dies nicht hat, daß schadet nicht: denn
er hat doch ebenso einen gnädigen Gott, als ich: warum wollte ich ihn denn
verachten?
21. Solche Demut will der Herr uns im heutigen Evangelium lehren und vor Hoffart
und Stolz uns warnen. Denn es ist beschlossen: Wer sich selbst erhöht,
der soll wieder herunter geworfen werden. Gott hat es seinem eigenen Volk nicht
geschenkt, sondern hat es um der Hoffart willen zerstört. Andere große
Königreiche sind auch solcher Sünde wegen zerstört worden. Luzifer
mußte darum aus dem Himmel, Adam und Eva aus dem Paradies.
22. Darum so lerne, daß du sagst: Herr was habe ich, das ist dein, du
hast mir es gegeben, kannst mir es auch wieder nehmen. So wird die Hoffart draußen
bleiben. Denn wer wollte auf so etwas Ungewisses pochen? Wer aber solches nicht
tun und sich dafür halten will, als habe er es alles von sich selbst, der
findet hier sein Urteil, daß Gott ihn so rein will ausziehen, daß
er nichts behalten, und noch dazu ungerecht und des Teufels soll sein. Gott
gebe seine Gnade, daß wir solche Lehre merken und uns danach halten, Amen
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