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Da aber die Pharisäer hörten, daß er den Sadduzäern das
Maul gestopft hatte, versammelten sie sich. Und einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter,
versucht die ihn und sprach: Meister, welches ist das Vornehmsten Gebot im Gesetz?
Jesus aber sprach zu ihm: Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen
und, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das vornehmste und
größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten
lieben als dich selbst. in diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und
die Propheten. Da nun die Pharisäer bei einander waren, fragt des sie Jesus,
und sprach: Wie dünket euch um Christo? Wessen Sohn ist er? Sie sprachen:
Davids. Er sprach zu ihnen: Wie nennet ihn denn David im Geist einen Herrn,
dar er sagt: Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten,
daß ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße. So nun David
ihn einen Herrn nennet, wie ist er denn seinen Sohn? Und niemand konnte ihm
ein Wort antworten, und durfte auch niemand von dem Tage an hinfort ihn fragen.
1. In dem heutigen Evangelium sind vornehmlich zwei Stücke: das erste,
vom Schriftgelehrten, der da fragt, welches das vornehmste Gebot sei im ganzen
Mose; das andere, daß der Herr Christus die Pharisäer wieder fragt,
was Christus für ein Mann sei, sintemal David im Geist ihn seinen Herrn
heißt.
2. Die erste Frage ist eine Anzeigung, daß die Juden in so eine große
Blindheit sind gefallen, daß sie der 10 Gebote vergessen haben, welche
doch die kleinen Kinder können. Darum sollte jedes Kind auf solche Frage
antworten können.
3. Das erste und größte Gebot heißt: Du sollst nicht andere
Götter haben. Die Pharisäer und Schriftgelehrten aber waren davon
gekommen, und in die Torheit geraten, daß wenn sie vom höchsten Gebot
diskutiert, einer gesagt hat, es sei opfern, der andere, es sei Almosen geben,
der dritte, es sei fasten, sich besonders kleiden. Wie man sieht, daß
es geht, wenn die Leute von den Geboten Gottes und seinem Wort abgefallen, und
sich andere Werke, aus eigenen Gedanken, ohne Gottes Wort vorgenommenen haben.
Wie unseren Mönchen und Nonnen auch geschehen ist: die sind in die Klöster
gelaufen, haben da einen Gehorsam sich vorgenommenen, Keuschheit und Armut geschworen,
alles ohne Befehl, daß sie also Gottes Wort ganz verloren, und vergessen
haben, was Glaube und Liebe sei, und nichts denn das unselige Klosterleben für
den Stand der Vollkommenheit gerühmt.
4. Nun, Gott Lob! Kann ein Kind von zehn Jahren besser sagen, was ein vollkommener
Stand sei, denn alle Mönche und Nonnen. Ursache, sie denke nur auf ihr
Klosterleben. Aber ein Christ spricht: Vollkommen sein heißt, Gott fürchten
und lieben, und dem Nächsten alles Gute tun. Denn Gott hat je sonst anderes
nichts zu tun befohlen. Solches wissen weder Pfaffen, Mönche noch Nonnen,
daß weiß fürwahr, sonst würden sie solch ihr eigenen närrisch
Vornehmen fallen lassen und an den rechten Gehorsam der 10 Gebote sich begeben.
5. Wo kommt aber solcher und Verstand und Blindheit her? Von nirgendwo anders,
denn daß die Leute das Wort fahren lassen, und fallen auf äußerliche
Werke, die ein besonderes Ansehen haben. Als, wenn man sonderliche Tage erhält,
sich besonders kleidet, nicht ißt und trinkt, was andere essen und trinken.
Das hat einen schönen Schein und machten den Leuten eine Nase. Darüber
aber verliert man die höchsten Werke und Gebote, daß man Gott lieben
und den Leuten alles Gute tun soll. Wie wir hier an den Pharisäer und Schriftgelehrten
sehen, welche eben dieser Ursache wegen vom vornehmsten Gebot im Gesetz fragen,
daß sie davon unter einander selbst nicht eins sind, und einer daß,
der andere jenes für das Beste hält.
6. Darum ist dies Beispiel eine treffliche Warnung, daß so hohe Leute
so blind gewesen sind, und nicht gewußt haben, welches das größte
oder kleinste Gebot sei, und sind doch Lehre gewesen, die anderen Leuten vorgehen
und vom rechten Gottesdienst unterweisen sollten. Wie unser tolles Mönchs
-und Pfaffenvolk noch ist. Frage einen, wenn du willst, von guten Werke und
was du tun sollst, so du willst selig werden, so wird er dich nicht auf die
zehn Gebote weisen, sondern dir sagen, du müssest ein Mönch werden,
Messe hören, zu den Heiligen fahren, fasten.
7. Das heißt aber von den zehn Geboten und dem rechten Weg ins Schlaraffenland
gewiesen, welches ist endlich der Lohn von Menschenlehren, wenn man solcher
Werke vornimmt, da Gott nichts von geboten hat. Da werden die Leute geblendet,
daß sie die zehn Gebote nicht mehr sehen, sondern ganz verlieren. Denn
sonst sollte man ja so witzig sein, und sagen können: Das ist das größte,
daß Gott befohlen und geheißen hat. Aber Pharisäer und Schriftgelehrter,
Pfaffen, Mönche und Nonnen können es nicht.
8. Darum mögen wir uns vor solchem Irrtum wohl hüten und eigenen
Andachten fliehen. Wiederum lasse man den Katechismus nicht eine geringe Lehre
sein, so man die Leute unterrichten soll, was sie tun sollen. Denn da hören
wir, daß man Gott lieben und keine andere Körper haben soll; das
ist, man soll nichts lieber haben und größer achten, denn Gott und
sein Wort, und eher alles lassen und leiden. Also, wenn du solches tust, bist
du im höchsten Stande.
9. Ja, sagen sie, solches tun die gemeinen Christen; ich will etwas besonderes
machen: ein gemeiner Christ steht des Nachts nicht auf zum beten, ich will aber
aufstehen, er ißt Fleisch, ich will Fisch essen; er kleidet sich nach
einfacher Weise, ich will mir eine besondere Kleidung machen lassen. Also kommt
es endlich dahin, daß die blinden Leute so viel mit eigener Andacht sich
zu schaffen machen, daß sie die zehn Gebote ganz vergessen.
10. Darum willst es nicht eine schlechte Lehre, da der Herr hier sagt, daß
größte Gebote sei, Gott lieben, und das andere sei dem ersten gleich,
daß man den Nächsten lieben soll, wie sich selbst; denn in diese
zwei Stücke ist alles gefaßt, was man predigen und lehren kann von
guten Werken. Aus diesem Brunnen soll es auch quellen und wieder hineinfließen.
Denn da ist beschlossen: Willst du Gott dienen, so kann es auf keine andere
Weise geschehen, denn daß du Gott und deinen Nächsten liebst.
11. Diese Lehre wird am jüngsten Tage ein sehr strenges Urteil erregen.
Denn was im Papsttum geschehen ist, weiß jedermann wohl. Wer Gott wollte
dienen, der gedachte an die zehn Gebote nicht, sondern wurde ein Mönch,
lief nach Rom, oder anders wohin, rief diesen und jenen Heiligen an, diente
ihm mit Fasten, Feiern. Solches hieß man damals den Gottesdienst. Aber
dienen heißt, wenn du tust was man dir befiehlt. Darum muß folgen,
wer Gott recht dienen will, der muß tun, was Gott ihn heißt, nicht,
was er sich denkt. Was heißt aber Gott? Hier steht es, wenn du Gott dienen
willst, daß du nicht weit danach gehen und laufen, noch viel Geld darum
geben darfst. Liebe Gott und deinen Nächsten. Wie könnte aber Gott
seinen Dienst dir näher legen und besser geben, wenn also: wenn du deinen
Nächsten liebst und ihm alles Gute tust, daß es Gott dafür halten
will, als habe du es ihm selbst getan? Das ist eine wunderlich er Lehre: wenn
du deinem Nächsten Gutes tust, daß es ein Gottesdienst sei und sei
Gott selbst getan.
12. Solche Lehre, sage ich, wird am jüngsten Tage gar einen wunderlichen
Lärm machen. Denn die Gottlosen, sagt Christus selbst, werden sprechen:
" wann haben wir dich hungrig gesehen und durstig? ". Aber Christus
wird antworten und sagen: " Was ihr den Geringsten von den Meinen nicht
getan habt, daß habt ihr mir nicht getan ". Daß es also gewiß
und beschlossen ist, wenn du einem armen Christen ein Hemd, einen Rock, ja,
auch einen kalten Trunk Wasser gibst, daß hast du Christus gegeben. Und
soll hier niemand einen Unterschied machen.
13. Ist nun aber das nicht der leidige Teufel, daß wir dies so lassen
vorübergehen, und bedenken es nicht, daß wir unserem Herrn Gott so
leicht dienen können, und tun es dennoch nicht? Wir denken, wenn wir wüßten,
wo Christus zu finden wäre, wir wollten hinlaufen, und ihm alles zutragen,
was wir hätten. Aber was bedarf es solcher Gedanken? Hören wir doch
hier, daß andere Gebot sei den ersten gleich. Da muß ja folgen,
daß es unser Herr Gott gern will annehmen und dafür achten, als sei
es ihm geschehen, was wir unserem Nächsten tun.
14. Ja, sprichst du, unser Herr Gott ist im Himmel. Das schadet nicht; er ist
auch hier unten auf werden. Darum, so du einen Christen in Not siehst, so wisse,
daß Christus Not leidet und deiner Hilfe bedarf. Wie er selbst sagt, er
wolle am jüngsten Tag über uns klagen, daß wir ihn Hunger und
Durst haben leiden lassen.
15. Aber wie gesagt, ein Jammer ist es, daß wir diese Lehre so klar haben,
und schlagen sie doch so in den Wind, als wären es nur Lügen und Geschichten.
Solcher Unglaube und Ungehorsam wird sich damit nicht entschuldigen lassen,
daß wir sagen wollten, wir hätten es nicht gewußt. Denn hier
steht es: Das andere ist dem ersten gleich. Darum, wer den Nächsten liebt,
der liebt Gott. Es wird auch deswegen das Urteil am jüngsten Tag also lauten:
Hättest du deinem Nächsten gedient, so hättest du mir gedient,
und ich wollte es dir reichlich bezahlen. Aber ich hätte um deinetwillen
müssen sterben und verderben. Vor solchem Urteil sollten wir uns hüten;
denn es wird die ewige Verdammnis daraus folgen.
16. Im Papsttum war es ein sehr gemeines Ding, das alte Reiter, Krieger, Juristen
und andere Leute, die von sich meinten, sie wären in einem verdammlichen
Stand gewesen, sprachen: Sie hätten bisher der Welt gedient; sie wollten
nun anfangen und Gott dienen. Liefen deswegen in die Klöster und worden
Mönche. Aber es ist eine teuflische Verführung gewesen. Denn wer Gott
dienen will, der soll nicht in ein Kloster laufen, sondern unter den Leuten
bleiben, und ihnen dienen, womit er kann, und gewiß sein, er diene Gott
damit; denn er hat es befohlen und gesagt: Das andere ist den ersten gleich.
Mit dem Mönchsleben aber wird ihm nicht gedient; denn er hat nicht allein
davon nichts befohlen, sondern es ist auch wieder die Liebe und den rechten
Gottesdienst, da der Herr hier von predigt.
17. Also ging es bei den Juden auch zu, die taten ihrem Nächsten alles
Übel, und meinten, wenn sie nur viel Kühe und Kälber schlachten,
sie hätten alles gut getan. Aber was sagt unser Herr Gott im 50. Psalm
Vers 8-10? " Deines Opfers halben Strafe ich dich nicht; sind doch deine
Brandopfer sonst immerdar vor mir. Ich will nicht von deinem Hause Farren nehmen,
noch Böcke aus deinen Ställen; denn alle Tiere im Wald sind mein,
und das Vieh, daß bei Tausenden auf den Bergen gehet ". Also sagt
er an anderem Orten mehr, er bedürfe ihres Goldes, ihres Tempels und anderes
nicht, sondern wenn du mir recht dienen willst, so weise ich dich herunter zu
deinem Nächsten. Du hast weit, Kind, die Sünder, Nachbarn, Fürsten,
Herren und allerlei Stände, da findest du zu schaffen genug, da diene mir:
will dein Kind nicht gehorsam und fromm sein, nimmt schnell eine Rute und haue
getrost zu; will das Gesinde nicht recht tun, Strafe es, oder weise ihm die
Tür; ist dein Nachbar arm, betrübt, krank, hilf, diene, tröste
ihn; sei deinem Fürsten willig und gehorsam, so hast du es mir getan.
18. Das nun solches nicht will in unser Herz gehen, das ist zum erbarmen. Denn
was wir wieder Gott gesündigt und Unrecht getan haben, daß will er
uns nicht zurechnen, sondern vergeben; allein sollen wir unserem Nächsten
dienen und ihm wohl tun, so will es Gott dafür halten, wir haben es ihm
getan, will uns dazu reichlich vergelten.
19. Wer nun nicht müßte, was die Welt mit ihrem Wesen wäre,
und wie sie sich weder an Gottes Verheißung noch Drohung kehre, der möchte
es hier lernen. Denn was tun Bürger und Bauern anderes, denn daß
sie unserem Herrn Gott ohne aller Scheu ins Angesicht schlagen, raufen und mit
Füßen treten? Jedermann geht nur damit um, wie er reich wird und
seinen Haufen mehren könne, es gehe den Nächsten, wie es wolle, er
sterbe oder verderbe dabei. Wer glauben könnte, was er seinen Nächsten
tut, daß er es Gott täte, der würde von Herzen vor solcher Untreue
der Welt erschrecken. Aber da ist niemand, der es glaubt, daß es wahr
sei; wie der Herr in Matthäus 25 selbst sagt, daß die Gottlosen an
jüngsten Tage sagen werden: " Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig
oder durstig? ". Aber es wird sie nicht helfen. Denn eben wie der Herr
hier spricht: " Das andere Gebot ist dem ersten gleich "; also wird
Christus dort auch sagen: " was ihr nicht getan habt einem unter diesen
Geringsten, daß habt wir mir auch nicht getan ".
20. Das ist die erste Lehre aus dem heutigen Evangelium. Gott gebe, daß
wir sie zu Herzen nehmen, und ein jeder seinen Nächsten dafür ansähe,
wenn er ihm diente, daß es Gott gedient sei: so würde die ganze Welt
voll Gottesdienst sein. Ein Knecht im Stall, eine Magd in der Küche, ein
Knabe in der Schule, die wären eitel Gottesknechte und Gottesdiener, wenn
sie solches mit Fleiß täten, was ihnen zu tun von Vater und Mutter,
von Herrn und Frau im Hause aufgelegt wird. Also würde ein jedes Haus eine
rechte in Kirche sein, darin nichts denn lauter Gottesdienst geübt würde.
Aber es will niemand sich zur Herzen nehmen, niemand will den Nächsten
dienen. Jedermann sieht nur dahin, wie er sich selbst diene und seinen Nutzen
schaffe. Darum, wie man durch des Nächsten Liebe könnte Gott dienen:
also dient die Welt durchaus dem Teufel, weil sie des Nächsten Liebe so
gar nicht achtet. Es wird aber solches ein böses Ende nehmen. Denn wie
sollte doch solches unserem Herrn Gott gefallen, weil er seinen Gottesdienst
uns so nahe gebracht hat, daß ein jeder aus seinem Hause und Kammer könnte
eine goldene Kirche machen, mit schönen Steinen und Perlen geschmückt:
und doch solches mutwillig unterlassen, und lieber dem Teufel dienen wollen,
denn Gott.
21. Darum lernet hier, daß wer seinem Nächsten zum Besten dient,
der dient nicht allein seinem Nächsten, sondern Gott im Himmel selbst.
denn hier steht es, daß Gott sich solches Dienstes will annehmen, als
wäre es ihnen selbst geschehen. Denn sonst würde Christus nicht sagen:
" das andere Gebot ist den ersten gleich ". Wer sich aber durch dieses
nicht bewegen lassen will, daß er hier auf Erden ein Himmelreich könnte
anrichten, und ein Gotteshaus und Kirche aus seinem eigenen Hause und Stande
machen, der fahre immer hin. Denn gleichwie du hier ein Paradies und Himmel
machen könntest, wenn du deinem Nächsten dienst (denn dasselbige heißt
Gott im Himmel gedient): also, wenn du deinem Nächsten nicht Dienst, machst
du dir selbst eine Hölle auf Erden; denn du dienst dem Teufel, der in die
Hölle gehört. Und es liegt nicht daran, ob du solches noch nicht siehst
noch fühlst. Es wird mit der Zeit sich finden, daß du es sehen und
fühlen, und ein großes Geschrei über dich selbst und deinen
großen Ungehorsam schreien wirst. Darum wäre es nötig, daß
wir solches wohl lernen und uns stets in der Liebe gegen unseren Nächsten
übten. Denn dazu hat uns Gott bereits gegeben Mund, Augen, Hände,
Füße, Geld, Gut, Vernunft und anderes, daß wir solcher seinen
Befehl nachkommen und uns in seinen Dienst halten können.
22. Gleich aber wie diese Lehre von der Liebe Gottes und des Nächsten
in das Leben hier auf Erden gehört; also gehört die andere Lehre,
wessen Sohn Christus sei, dazu, daß wir lernen sollen, wie wir nach diesem
Leben in ein besser und ewiges Leben kommen mögen. Denn das wird uns nicht
in den Himmel bringen, daß wir wissen, wie wir Gott und unserem Nächsten
lieben sollen, wenn wir schon solche Liebe mit den Werken angreifen, auf das
beste können, wie die Pharisäer Gedanken standen: die hielten es dafür,
wenn sie Mose hätten, so bedürften sie weiter nichts mehr. Aber Christus
zeigte uns hier an, solches werde zum ewigen Leben nicht helfen; wir müssen
höher hinaus, und eigentlich lernen, was Christus sei und wessen Sohn er
sei. Die Pharisäer wußten wohl, daß er Davids Sohn sollte sein.
Aber an dem läßt es Christus hier nicht genug sein. Ursache, wenn
Christus nicht mehr denn Davids Sohn wäre, so müßte er auch
wie David sterben und nur ein zeitliches Reich haben. Aber Christus hat einen
ewiges Reich, und David, sein Vater, heißt ihnen im Geist einen Herrn.
Wie will sich es nun schicken, daß Christus zugleich Davids Sohn und Davids
Herr sein soll?
23. Das ist nun die Frage, da die Pharisäer nicht antworten konnten; gleichwie
noch heutiges Tages kein Jude darauf antworten kann. Zu solcher Frage hört
man nichts vom Nächsten, von der Liebe noch guten Werken; sondern allein
ist es darum zu tun, daß wir lernen, wessen Sohn Christus sei? Wer solches
weiß, der wird des Weges zum ewigen Leben nicht fehlen können. Denn
es ist nicht genug zum ewigen Leben, daß wir das Gesetz und was wir tun
sollen, wissen; Ursache, es soll auch mit dem Werk erfüllt werden. Das
wird sich aber bei uns sehr langsam finden, weil unsere Herzen sündhaft
und böse sind. Darum muß das dabei sein, daß man fleißig
lernen, was Christus sei. Darum stellt der Herr seiner Frage also: Sie sollen
ihm sagen, wessen Sohn Christus sei, der nach dem Fleisch Davids Sohn war. Aber
weil ihn David nicht einen Sohn, sondern seinen Herrn heißt und einen
solchen Herrn, der da sitzet zur Rechten Gottes, und dem Gott alle seine Feinde
will zum Schemel seiner Füße legen: mit solcher Frage will der Herr
die Juden und uns alle aufwecken, daß sie Christum höher halten und
mit anderen Augen ansehen sollen, denn daß er allein sollte Davids Sohn
sein.
24. Denn er ist auch Davids Herr, das ist, er ist nicht allein Mensch, sondern
auch wahrhaftiger Gott, in Ewigkeit vom Vater geboren. Sonst würde ihn
David keinen Herrn heißen, wo er nicht mehr denn ein Mensch und allein
Davids Sohn wäre. Denn David ist der größten Heiligen ein nach
und der gelehrteste König, und dennoch heißt er Christum, der sein
Sohn ist, einen Herrn. Als wollte Davids sagen und frei heraus bekennen: O,
mein Sohn ist weit über mich. Ich bin auch ein König und heiße
sein Vater; aber er ist mein Herr, und ein solcher Herr, der zur Rechten Gottes
sitzt und aus Gottes Befehl herrschet über alle seine Feinde. Denn weil
er ein Mensch ist, ist gut zu rechnen, was er für Feinde habe, nämlich,
den Teufel und den Tod; wie Paulus 1. Korinther 15,25 folgende aus diesem Psalm
auch schließt. Soll nun der Teufel und Tod diesem Sohn Davids zu den Füßen
liegen, der er hier Herr sei; so muß folgen, daß eine göttliche
Kraft und Allmächtigkeit in diesem Sohn Davids sei, sonst sollte er ebensowenig
als andere Menschen dem Tod und Teufel abgewinnen können.
25. Also führt der Herr uns auf die rechte Bahn zum ewigen Leben. Das
Gesetz ist eine sehr gute, nützliche und nötige Lehre; denn es weist
uns, was wir tun sollen, wenn wir Gott zu Gefallen leben, ihm dienen und der
Sünden Strafe entlaufen wollen. Aber solche Lehre dient nur hier in dies
zeitliche Leben. So man aber nach diesem Zeitlichen Leben auch in das Ewige
kommen soll, da hilft das Gesetz der Lehre nicht zu. Ursache, zum Leben können
wir nicht kommen, wir sind denn aller Sünden frei und ledig. Ob nun das
Gesetz schon dazu dient und gegeben ist, daß man der Sünden weniger
tun soll; so werden doch die Sünden damit nicht abgelegt. Darum muß
man über das Gesetz eine andere Lehre haben, die uns weise, wie wir der
Sünden mögen ledig werden. Denn weil wir das Gesetz nicht vollkommen
halten können, hilft das Gesetz dazu, daß wir ein böses Gewissen
haben und der Sünden wegen Gottes Zorn und Gericht fürchten müssen.
26. Gegen solchen Unrat, welchen das Gesetz im Gewissen anrichtet, dient diese
Frage, daß du lernst, was Christus sei und was er getan habe da sagt Christus
selbst: Er sei nicht allein Davids Sohn, wie die Juden ihn hielten, sondern
er sei auch Davids Herr, das ist, ewiger und rechter Gott. Was tut er aber?
Er äußert sich seiner Gottheit, wie Paulus sagt, und wird Mensch,
stirbt am Stamme des heiligen Kreuzes. Warum das? Darum, daß er das Lamm
Gottes ist, das ist, daß Opfer, welches Gott selbst für der Welt
Sünde geordnet hat. Als er nun gestorben ist, steht er am dritten Tage
wieder von den Toten auf in ein ewiges Leben und sitzt zur Rechten Gottes.
27. Das sollen wir von Christus lernen und wohl merken. Denn wer diese Kunst
kann, dem ist geholfen; wer sich nicht kann, der muß in Sünden und
Tod verderben. Ursache, wir sind alle Sünder, und das Gesetz hilft uns
nicht allein von Sünden, sondern verklagt uns vor Gott, und macht uns erst
zu rechten Sündern. Dar stecken wir, können unserethalben weder hinter
sich noch vor sich. In Sünden sind wir empfangen und geboren; und je länger
wir Leben, je mehr die Sünde mit uns wächst und zunimmt. Denn sie
ist uns nicht aufgelegt wie eine andere Last, die wir ablegen und von uns werfen
können; sie steckt in Mark und Bein, läßt uns deswegen keine
Ruhe. Wie wir bekennen müssen, wenn wir nur die Augen auftun und selbst
in unser Herz hinein sehen wollen. Da ist dies die einige Rettung und Hilfe,
daß wir lernen, wer Christus sei. Denn wenn du es weist, wer er ist, und
danach auch hörst, was er tut, so ist dir geholfen. Ursache, bist du ein
armer Sünder, der wider Gottes Willen viel gesündigt hat, siehe hierher,
diesen Christum sendet Gott, daß er für die Sünder leiden und
bezahlen soll. Was willst du dich aber um die Schuld bekümmern, die so
ein reicher Herr auf sich genommen und schon bezahlt hat? Darum liegt es nur
an den, daß du dich solches Sterbens und Leidens mit festem Vertrauen
annimmt ist.
28. Also haben wir alle den Tod vor uns, dem kann niemand entrinnen noch sich
davon erretten, er sei so mächtig, stark, reich, weise und heilig, als
er immer wolle. Aber wo kommt der Tod Herr? Er ist der Sünden Sold oder
Lohn, Römer 6,23. Nun hast du gehört, wo wir Vergebung der Sünden
finden: nirgends denn bei Christus, der dafür gestorben ist. Derselbe Christus,
wie er gestorben ist, ist er im Tod nicht geblieben, sondern von den Toten wieder
auferstanden. Das ist ja ein Zeichen, daß er auch über den Tod ein
Herr sei. Darum eben wie du durch ihn Vergebung der Sünden hast, also hoffe
auch durch ihn das ewige Leben, daß er dich am jüngsten Tage auch
leiblich wieder auferwecken und dich ewig werde selig machen.
29. Das heißt Christum recht erkennen, und wissen, wessen Sohn er sei,
nämlich, ein Sohn Davids; denn er ist ein Mensch, aber doch auch ein Herr
Davids, als der zur Rechten Gottes sitzt und hat seine Feinde, Sünde, Tod
und Hölle, als einen Schemel, zu seinen Füßen. Darum, wer wider
solcher Feinde Rettung bedarf, der suche sie nicht bei Mose, nicht durch das
Gesetz, nicht durch seine Werke oder Frömmigkeit; er suche es bei den Sohn
und Herrn Davids, da wird er es gewiß finden. Solches müssen die
blinden Pharisäer nicht; darum achten sie des Herrn Christi nicht; lassen
sich an dem genügen, daß sie aus dem Gesetz wissen, wie man Gott
und den Nächsten lieben soll. So es doch unmöglich ist, daß
man Gott erkennen, ich schweige, daß man Gott lieben möge, man kenne
denn Christus. Wie er sagt Matthäus 11, 27. " Niemand kennet den Vater,
denn nur der Sohn, und wem es der Sohn offenbart ".
30. Und das ist auch eine Ursache, daß der Herr jetzt so eben mit dieser
Frage kommt. Als wollte er sagen: Das wißt ihr wohl, daß man Gott
lieben soll; aber gewißlich werdet ihr Gott nimmermehr recht von ganzem
Herzen, ganzer Seelen und ganzem Gemüt lieben, es sei denn, daß ihr
Christum recht erkennt, und wißt, wer er sei. Denn wie kann man sonst
wissen, was Gott uns für Gnade und Barmherzigkeit bewiesen hat? Es ist
nicht ein Geringes, daß Gott uns erschaffen, Leib und Leben, und alles
gegeben hat. Aber solches alles dient uns nur eine kleine Zeit, weil wir hier
auf Erden leben.
31. Da aber sehen wir den Reichtum der überschwenglichen Güte und
Gnade, daß Gott seines eingeborenen Sohnes nicht verschonet; sondern gibt
ihn in den Tod des Kreuzes für uns, daß wir, von Sünden ledig,
durch ihnen ewig Leben sollen. Das ist eine ewige, unergründliche Liebe
und Gnade, welche kein Mensch wissen kann, er kenne denn Christum; wird deswegen
auch nimmermehr Gott recht lieben.
32. Also sehen wir, was die Pharisäer und Schriftgelehrten an ihrem Fragen
und Versuchen gewinnen. Anderes nicht, denn daß sie Christus frei öffentlich
vor jedermann überzeugt, daß sie von der Liebe Gottes viel zu sagen
wissen, aber nicht einen Funken davon in ihren Herzen haben, vielmal sie Christum
nicht kennen. So sie aber Gott nicht lieben, der ihnen so viel Gnade und Gutes
bewiesen hat: wie sollen oder wollen sie den Nächsten lieben, der ihre
Hilfe bedarf, und ihnen nichts Gutes beweisen kann von wegen seiner Bedürftigkeit?
33. Darum sollen wir solche Lehre uns lassen lieb sein und Gott von Herzen
dafür danken, daß wir nicht mehr in so einer großen Blindheit
stecken, wie zuvor unter dem Papst und die Juden hier, sondern die Lehre von
Christus lauter haben; dadurch wir nicht allein wissen, wie wir von Sünden
ledig und selig sollen werden; sondern auch, wir empfangen dadurch den Heiligen
Geist, der unsere Herzen durch solche Lehre dahin treibt, daß wir anfangen,
Gott und den Nächsten recht und von Herzen zu lieben. Das verleihe uns
allen unser lieber Herr Christus Jesus, Amen.
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