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Er sprach aber zu seinen Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen
Haushalter; der ward vor ihm berüchtigt, als hätte er ihm seine Güter
umgebracht. Und er forderte ihn und sprach zu ihm: Wie höre ich das von
dir? Tu Rechnung von deinem Haushalten; der Haushalter sprach bei sich selbst:
Was soll ich tun? Mein Herr nimmt das Amt von mir; graben mag ich nicht, so
schäme ich mich zu betteln. Ich weiß wohl, was ich tun will, wenn
ich nun von dem Amt gesetzt werde, daß sie mich in ihre Häusern nehmen.
Und rief zu sich alle Schuldner seines Herrn und sprach zudem ersten: Wieviel
bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: hundert Tonnen Öl. Und er sprach
zu ihm: Nimm deinen Brief, setze dich und schreibe flugs fünfzig. Danach
sprach er zu dem andern: Du aber, wieviel bist du schuldig? Er sprach: Hundert
Malter Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und Schreib achtzig.
Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, daß er klüglich getan
hatte. Denn die Kinder dieser Welt sind klüger, denn die Kinder des Lichtes
in ihrem Geschlechte. Und ich sage euch auch: Machet euch Freunde mit dem ungerechten
Mammon, auf das, wenn ihr nun darbet, daß sie euch aufnehmen in die ewigen
Hütten.
1. Das heutige Evangelium ist eine Predigt von guten Werken, und sonderlich
wider den Geiz, daß man Geld und Gut nicht mißbrauchen, sondern
armen, dürftigen Leuten damit helfen soll. Wie der Herr am Ende mit klaren
Worten sagt: " Machet euch Freunde von dem ungerechten Mammon ", das
ist, helft armen Leuten mit eurem Geld und Gut. Denn das Wörtlein "
Mammon " heißt auf Deutsch so viel, als Reichtum.
2. Solche Lehre fast der Herr in ein Gleichnis, wie er denn gern pflegt (denn
man kanns desto besser merken), und sagt: Wir sollen uns drein schicken, wie
dieser ungerechte Haushalter. Der sah, weil er vom Amt abgesetzt ward, daß
er anderer Leute Hilfe würde bedürfen; gebraucht deswegen sein Amt,
weil er es noch in den Händen hatte, also, daß er da einem Schuldner
die Hälfte, dort einem anderen den vierten Teil nachließ, auf das
sie an solche Freundschaft denken und ihm auch helfen sollten, wenn er ihrer
bedürfte.
3. Nun ist aber des Herrn Meinung nicht, daß wir untereinander tun, und
einer den anderen um das seine betrügen sollen und davon Almosen geben.
Nein, sondern seine Meinung ist, daß wir in der Vorsichtigkeit, Schlauheit
und Klugheit diesem Haushalter folgen sollen, Geld und Gut dahin wenden, daß
wir es in einem anderen und besseren Leben genießen mögen; daß
wir mit unserem Mammon uns Freunde machen, wie der Haushalter mit dem ungerechten
Mammon sich Freunde machte.
4. Hier sollen wir zuerst lernen, warum doch der Herr dem Mammon den Namen
gibt, daß er ihn einen ungerechten Mammon heißt. Denn unrecht Gut
soll man wiedergeben, und nichts Gutes anderen damit tun oder Almosen stiften.
Wie Jesaja am 61. Kapitel Vers 8 sagt: " ich ", spricht der Herr,
" bin es, der das Recht liebet, und hasset räuberische Brandopfer
". Das ist so viel gesagt: Wer Opfern, Almosen geben und mit dem Geld Gott
will einen Dienst tun, daß er mit Gott und guten Gewissen erworben hat,
oder sei zufrieden. Denn mit fremden Gut soll man anders nichts tun, denn daß
man es dem wieder gebe, dem man es abgenommen hat. Wie schickt es sich nun,
daß der Herr hier sagt: vom ungerechten Mammon soll man Freunde machen,
das ist, davon Almosen geben und den Armen helfen? Antwort: Denn Herr heißt
den Mammon oder daß Gut nicht darum unrecht, daß es unrecht gewonnen
ist (denn, wie gesagt, unrecht Gut soll man wiedergeben); sondern daß
kein Mensch des Mammons recht braucht, ausgenommen die rechten, frommen Christen,
die in Gottesfurcht und nach Gottes Geboten sich halten. Die anderen brauchen
des Mammons dazu, nach dem Sprichwort: Gut macht Mut, prangen, bankettiren,
Leben im Saus, und lassen daneben die Armen ledig vorübergehen, denen sie
wohl könnten helfen. Darum muß das Gut und Reichtum den schändlichen
Namen haben und tragen, daß es unrecht heißt.
5. Was aber Gott an solchem Mißbrauch für Gefallen habe, kann man
aus dem Spruch Hesekiels wohl abnehmen, da er spricht Kapitel 16,49.: "
Siehe, daß war deiner Schwester Sodom Missetat: Hochmut und alles vollauf,
und guter Friede, den sie und ihre Töchter hatten. Aber den Armen und dürftigen
hätten sie ungern die Hand gereicht; sondern waren stolz und harten Greuel
vor mir ". Da steht es beisammen, Friede und alle Genüge haben, daß
man nicht weiß, was man vor großen Mutwillen damit tun soll, und
dennoch armen Leuten nicht helfen. Das ist der Jammer, und der gemeine Brauch
in der Welt, da dem Gut der schändliche Name von kommt, es sei gleich so
recht gewonnen, als es immer kann, daß es sei unrechter Mammon, ein verdammlich
ein gestohlen Gut heißt: nicht seiner Art und Natur halben (denn was kann
der arme Pfennig, Gulden, Mark, Brot, Fleisch, Fisch, Wein, und anderes dazu?)
sondern des Menschen wegen, der es nicht recht braucht.
6. Darum geht die Lehre des heutigen Evangeliums vornehmlich dahin, daß
man nicht geizig sein, sondern das Gut recht brauchen, und sich Freunde damit
machen soll, daß Gott bescheret hat: auf daß, wenn wir sterben und
darben, das ist, wenn wir alles zurück lassen müssen, wir Freunde
dort finden, die uns in die ewigen Hütten nehmen. Denn was wir hier armen
Leuten Gutes tun, Freundschaft und Wohltat erzeigen, dieselben Werke werden
am jüngsten Tag nicht allein Zeugen sein, daß wir uns brüderlich
und christlich gehalten haben, sondern auch belohnt oder bezahlt werden. Da
wird keiner kommen und rühmen: Herr, der hat mir einen Rock, einen Gulden,
einen Leib Brot, einen Trunk Wassers in der Not gegeben. Ja, wie Christus sagt,
Matthäus 25, er selbst, der Herr, wird hervortreten und sagen vor seinem
himmlischen Vater, allen Engeln und Heiligen, was wir ihm Gutes getan, und wie
wir dadurch unseren Glauben bewiesen haben. Diese Freunde werden es tun und
uns in den Himmel helfen, wenn wir darben und alles, was wir haben, hier auf
Erden lassen müssen.
7. Wer nun solcher Lehre folgte, Geld und Gut, daß ihm Gott bescheret,
den Armen, so ihr Brot selbst nicht gewinnen mögen, zur Steuer und Hilfe
wieder fahren ließe, der würde aus dem ungerechten einen rechten
Mammon machen, vielmal er ihn aus dem Mißbrauch zum rechten Brauch wendete.
Denn das soll keineswegs bei den Christen sein, daß sie Geld und Gut allein
für sich brauchen wollten, zu ihrer Pracht, Ehre, Wollust und Stolz. Wie
man an den Bürgern und Bauern sieht, und das gemeine Sprichwort zeigt,
daß solche Filze im Maul führen: Ich habe Korn und Brot für
mich; willst du auch haben, so schaffe dir es selbst. daß heißt
einen unrecht Korn und Brot, einem unrechter Mammon, den sie zu Sünden
und ihren ewigen Verderben brauchen, da sie ihn könnten wohl und Gott zum
Dienst und Gefallen brauchen, wenn sie ihrem Nächsten damit dienten.
8. So nun aber die einen ungerechten Mammon haben, die anderen damit nicht
helfen: Lieber, was werden wohl die für einen ungerechten Mammon haben,
die noch dazu stehlen und anderen nehmen? Als da sind fast alle Handwerker und
Händler, Knechte und Mägde, da immer eins das andere übersetzt,
übervorteilt, betrügt und belügt. Die werden sich nicht allein
nicht Freunde, sondern viel Feinde machen, welche alle am jüngsten Tage
sie verklagen werden vor Gottes Gericht und Urteil, daß sie hier unrecht
Leiden, dazu noch schweigen und solcher Feinde Christen heißen.
9. Aber an jenem Tage wirds anders zugehen; da werden sie den Mund auftun und
sagen: Herr, da war eine teure Zeit, und dieser hatte viel Kasten voll Korn
und Keller voll Wein; aber er hätte nicht ein Körnlein, nicht ein
Tröpflein herausgegebenen, man hätte es ihm denn teuer bezahlt, wie
er wollte. Jener ist mein Hausherr gewesen, habt mich von Jahr zu Jahr mit dem
Zins betrogen. Von diesem habe ich mein Brot, Bier, Fleisch, Fisch genommen;
aber da ist mir und anderen selten ein rechtes Gewicht und Maß widerfahren,
noch sonst Gutes geschehen. Jahr, es werden an jenem Tage über Geizhälse,
Wucherer und alle Gottlosen nicht allein die Heiligen, so hier Not und Mangel
haben und Leiden müssen, und der Herr Christus selbst, sondern auch alle
Kreaturen, die sie je gehabt und genossen, klagen, und über ihren Hals
Zeter in Ewigkeit schreien, daß sie ihrer so übel mißbraucht
haben zu ihrem ewigen Schaden und Verdammnis. Wie, meinst du denn, du elender
Götzen-und Mammonsdiener, wenn dies Urteil über dich gehen wird, daß
du dann bestehen werdest? Denn so die ohne Strafe nicht hindurch kommen, die
andere nicht beschädigen mit steigern, übersetzen, sondern den Dürftigen
nicht geben: wie, meinst du, werde denen zu Sinn sein, die nicht allein nicht
geben, sondern als rechte Erzdiebe und Räuber mit ihrem Geizen, Wuchern,
Stehlen Und Rauben Teuerung machen. Die große Armut noch erschweren, allein,
daß sie viel Geld zusammen scharren und reich werden, und machen sich
dennoch kein Gewissen darüber?
10. Das ist nun die Predigt wieder den Geiz, daß wer ein Christ will
sein, nicht immerdar seiner Hand soll auftun zum nehmen, und zum geben so hart
zutun, sondern er soll gern, willig und mildiglich den Dürftigen helfen
und geben, wo er kann. Das heißt Gott gedient; der wird endlich dir auch
lohnen. Dagegen die Geizhälse und Wucherer die nichts können, denn
alles zu sich scharen, niemand nichts, oder gar ganz wenig geben, dem leidigen
Teufel dienen; der wird ihnen auch lohnen.
11. Sonderlich aber werden alle Heiligen an jenem Tage über sie schreien
und sagen: Dieser Bauer, Bürger, Händler, Edelmann konnte nichts,
denn scharren, kratzen, schinden und schaben; ich hätte seiner Hilfe oft
bedurft, aber er hätte mir nicht mit einem Wort geholfen, will schweigen,
daß er mir sollte mit Geld und Gut geholfen haben. Eine solche Geschichte
macht der Herr hier, daß er es so vor die Augen bildet, wie die armen
Heiligen vor dem Herrn Christus an jenem Tage stehen, und über die reichen,
kargen Filze klagen werden.
12. Dagegen aber werden die Reichen, so mit ihrem Gut mild gewesen und anderen
gern geholfen haben, in großen Ehren sein, viel Freunde (und vor allem
dem Herrn Christum) finden, die ihre Wohltat rühmen werden. Daraus sollen
wir lernen, mit rechten Ernst anzufangen, Fromm, mild, freundlich, wohltätig
zu sein, dadurch also unseren Glauben beweisen, und (die, so wir Wohltat erzeigt
haben,) dessen Zeugen vor Christus am jüngsten Tag mögen haben, daß
wir uns dessen schändlichen Lasters enthalten haben, daß nicht mehr
tut, denn zu sich kratzt, es gehe daneben anderen, wie es wolle.
13. Nun steht hier: Der Herr hat den ungerechten Haushalter gelobt. Das muß
nicht dahin gedeutet werden, als sollte er es sich lassen gefallen, wo hier
anderen Leuten unrecht tun; sondern allein die Geschwindigkeit und Vorsichtigkeit
lobt er, und will, daß hier in einer guten Sache auch den Ernst und Fleiß
brauchen, den dieser Haushalter in einer bösen Sache, sich Nutz und seinem
Herrn zu Schaden, gebraucht hat.
14. Eben als wenn du ein unzüchtig Weib siehst, daß sich, ihre Buhlerei
auszurichten, auf das schönste schmückt: da kann das arme Gold, Samt
und Seide nichts dazu, daß sie es zur Unzucht mißbraucht. Aber dennoch
kann ich es nicht rühmen und zu dir sprechen: Siehst du auch, wie dies
Weib sich zu ihr Unzucht weiß zu schicken? Warum brauchst du solchen Fleiß
nicht auch dazu, daß du deinem Bräutigam, unseren lieben Herrn Christus,
mögest gefallen? Mit diesen Worten lobe ich die Hurerei nicht, sondern
den Fleiß, die Sorge und Vorsichtigkeit, daß wir derselben in guten,
ehrbaren, redlichen Sachen brauchen sollen.
15. Darauf ist wohl acht zu geben, daß Christus ihr redet ein sehr schreckliches
Wort, da er sagt: " Die Kinder dieser Welt sind klüger, denn die Kinder
des Lichts in ihrem Geschlecht ". Das Bedarf nicht viel Deutens; wir sehen
es vor Augen täglich, leider mehr, denn gut ist, wie die Welt so überaus
genau sucht, wenn sie ihren Vorteil sieht, und sich keiner Mühe noch Arbeit
verdrießen läßt. Wieviel Mühe, Sorge und Gefahr haben
die Strauchdiebe, die sich in Hecken behelfen? Die haben weder Tag noch Nacht
Ruhe, steht ihnen dazu die Gefahr, daß sie der Klinge oder Strang zuteil
werden: noch lieben sie ihr teuflisches Leben. Also ein Dieb, ein Buhler, ein
Ehebrecher, führen aller ein mühsames Leben, brauchen allerlei Liste
und Tücke, Ränke und Vorteil, daß sie ihrer Arbeit und Unzucht
ausrichten; und wird ihnen über die Maßen sauer, bis sie dem Teufel
seinen Dienst ausrichten.
16. Dagegen aber sehen wir, wie die Kinder des Lichts, das ist, die rechten
Christen, faul, verdrossen, unachtsam und unfleißig sind in Gottes Sachen,
da sie wissen, daß Gott ein Wohlgefallen an hat und sie es in Ewigkeit
genießen mögen. Also sauer kommt sie das Gute an. Geht also nach
dem gemeinen Sprichwort, daß es die Gottlosen zweimal saurer ankommt,
die Hölle zu verdienen, indem sie dem Teufel so fleißig dienen, und
ihm zu liebe alles tun und Leiden, denn die Gottseligen den Himmel; und ist
fein geredet, wenn man es recht versteht. Darum muß Gott seine Christen
gleich mit den Haaren dazu ziehen und zwingen, daß sie tun, was sie sollen.
17. Darum ist dieses ein sehr feines Gleichnis, daß der Herr hier uns
vorhält. Wenn wir Christen sind, und tun wollen, was wir sollen, so dürfen
wir nicht in die Bücher sehen, ein jeglicher sehe in sein eigenes Haus,
wie böse Kinder, böse Knechte, Mägde auf Büberei, Schalkheit
und alles, was der Teufel liebt, abgerichtet und fertig sind. Da wirst du so
einen großen Fleiß spüren, daß die Leute auf die Schalkheit
so versessen sind, daß sie nicht wissen, wie sie sich genug böse
und mutwillig stellen sollen. Da lerne, daß du dergleichen gegen Gott
und sein Wort, und deiner Seligkeit zu gut auch tust, und nimm dir eine nützliche
Lehre und Beispiel von solchem argen Wesen. Gedenke: Ei, der Bauer, Bürger,
Kaufmann, diese Frau, Magd dem Teufel mit solchem Fleiß dienen, und sich
keiner Mühe verdrießen lassen: warum wollte ich doch meinem Herrn,
des ich in Ewigkeit genießen soll, nicht auch also dienen? Sie laufen,
als wären sie unsinnig, doch ihrem ewigen Schaden und verderben nach: wie
bin ich denn so schläfrig und faul, wo es doch meiner Seelen Seligkeit
betrifft, daß mich Gott noch mit den Haaren dazu ziehen muß? Sollte
ich mich doch anspucken, daß ich nicht zum Himmel zu krieche, da jene
zur Hölle also laufen und rennen!
18. Sonderlich aber tragen die Kinder in der Welt den Kindern des Lichts ein
feines Beispiel vor in dem Fall, da der Herr hier von sagt. Denn siehe auf einen,
den der Geiz recht besessen hat, so wirst du finden, daß er weder Tag
noch Nacht vor seinen eigenen Gedanken Ruhe hat, all sein Achten und Trachten
ist auf Geld. Findet er einen freien Winkel im Haus, er macht eine Kammer daraus,
daß er sie vermieten kann, nimmt jetzt diesen, bald einen anderen Handel
vor, versucht, welcher am meisten Gewinn bringe. In der Summe, nicht einen Pfennig
ließe er dahinter, und dauert ihn keiner Mühe noch Arbeit, wo er
Geld sieht.
19. Da sollten wir lernen, wie ein Geiziger sich um das Geld kümmert,
wir uns auch um das Ewige so mit Ernst kümmern. Aber wo findest du einen
Christen, der es tut? Der sich so freut, wo er einen armen Menschen findet,
dem er mit 10 Gulden, mehr oder weniger, nachdem sein Vermögen und jenes
Notdurft erfordert, helfen kann; wie sich ein reicher Wucherer freut, wenn er
mit seinem Geld großen Gewinn zu schaffen weiß? Hier läuft
jedermann zu, und wollte gern das Hundert auf 10, 20 oder mehr Gulden bringen.
20. Aber was ist das gegen den Wucher, den unser Geld gewiß tragen soll,
wenn wir den Armen damit helfen? Denn so spricht Salomon: " Wer sich des
Armen erbarmet, der leihet Gott auf Wucher ". O wie einen Gewissen Schuldner,
o wie einen treulichen Bezahler hätten wir, wenn wir nur selbst wollten!
Aber der Teufel will uns dazu nicht lassen kommen, daß wir solches glauben,
und nach solchem reichen Wucher, der mehr denn die Hauptsumme bringt, mit Ernst
trachteten. Darum geht es uns recht, weil wir mit den Menschen lieber denn mit
Gott wuchern, daß nicht allein große, schreckliche Sünde, sondern
auch großer Unfall und Unglück dabei ist, und wir Leib und Seele
mit dem schändlichen Mammon einbüßen.
21. Darum beschließt Christus recht und spricht, daß die Welt Kinder
auf das ihre viel fleißiger und klüger sind, denn seine Kinder. Denn
also findet sich im Werk, daß der Teufel immer Hundert Dienste bei seinen
hat, da Christus kaum einen hat. Was sollen wir dazu tun? Ändern können
wir es nicht; denn die Welt läßt sich nichts sagen. Predigen mögen
wir, und immer anhalten mit Strafen, Drohen, Vermahnen, ob wir etliche Weltkinder
dem Teufel aus seinen Stricken reißen könnten; auch den faulen, lässigen
Christen, ja, uns allen getrost zusprechen, daß wir von solchem Fleiß,
welchen die Welt in des Teufels Diensten braucht, ein Beispiel nehmen, daß
wir uns auch darin üben in dem Guten, wie die Adamskinder sich üben
in dem Bösen, ob wir doch ein wenig von diesem Beispiel erlangen möchten,
sonderlich, weil wir den Vorteil haben (es gehe gleich so schwer es will), daß
wir Kinder des Lichtes sind.
22. Wenn wir bei diesem Namen bleiben, daß wir zu dem Licht gehören,
ob wir gleich nicht so fleißig sind, nicht so klug anstellen , wie die
Weltkinder, so hat es nicht Not: allein, daß wir etwas tun und also erfunden
werden, daß wir zum wenigsten haben angefangen unter dem Häuflein
zu sein, daß da heißt: " Kinder des Lichts ".
23. Das nehme sich aber niemand vor, daß wir es dahin überhaupt
bringen werden, da es die Weltkinder hin bringen in ihrem Geschlecht. Es sollte
wohl also sein, daß wir es ihnen weit zuvor täten, weil wir die Verheißung
haben, daß wir die ewige Krone empfangen; aber Hindernisse liegen uns
zu viele im Wege. Trotzdem sollen wir uns mit rechten Ernst bemühen, daß
wir von Tag zu Tag in Zucht, Geduld, Sanftmut, Barmherzigkeit und anderen christlichen
Tugenden fortfahren. Denn so wir nur im anheben und auf dem rechten Weg sind
und bleiben, so wird es der Schritt, er sei gleich so langsam und klein er wolle,
sein geben, daß wir vorwärts kommen. Allein das wir nicht denken,
wir hätten es getan.
24. So ist nun unser Trost, daß wir also anfangen, Gott will uns nicht
urteilen, wie die Weltkinder, die sicher zur Hölle rennen und lassen sich
dieses nicht sauer werden; sondern er will in allen Gnaden zu uns sagen: Du
solltest mir ja treuer gedient haben und fleißiger gewesen sein, weil
du ein Kind des Lichtes bist; aber es ist nicht geschehen. Darum muß ich
den Mantel darüber decken, der da heißt Gnade und Vergebung der Sünden.
Die muß in unser Leben geworfen, daß wir darunter, als unter dem
freien, weiten Himmel, wandeln. So werden wir dennoch ein Freund oder zwei dort
oben finden; sonderlich aber den rechten Freund, der den Himmel geben und selig
machen kann, unseren lieben Herrn Jesu Christum.
25. Das ist die Lehre aus dem heutigen Evangelium, daß wir mit dem ungerechten
Mammon sollen recht lernen umgehen und uns Freunde damit machen, das ist, den
Leuten damit dienen; wie dieser Haushalter sich mit fremden Geld Freunde machte.
26. Wir pflegt man zu fragen, wie solche Lehre sich reime mit der Lehre vom
Glauben? Und sonderlich die Katholiken machen viel Geschrei davon, bedeuten
es dahin, daß man mit Werken könne den Himmel verdienen, der Glaube
tue es nicht allein; weil der Herr hier sagt: Die Freunde werden euch in die
ewigen Hütten nehmen. Sie sind es aber nicht wert, daß man ihnen
diese Frage beantwortet (denn sie nehmen es doch nicht an, sondern lästern),
wollen deshalb um der Frommen willen, kurz auf diese Frage antworten.
27. Die Katholiken müssen selbst bekennen, daß die Freunde, von
denen der Herr hier sagt, sind Menschen, die bei und um uns wohnen. Denn wie
könnten wir ihnen sonst geben? Zum anderen müssen sie auch dieses
bekennen: Weil diese Freunde Menschen sind, wie wir, daß sie den Himmel
uns nicht geben können. Denn Gott allein, als der rechte Hausherr, ist
allein des Himmels mächtig. Warum sagt denn der Herr " machet euch
Freunde von dem unrechten Mammon, auf das, wenn ihr darbet, sie euch in die
ewigen Hütten nehmen "? Wie mag solches zu gehen? Die Auslegung sollen
wir nehmen aus den Worten Christi Matthäus 25., da er sagt, er wolle am
jüngsten Tag rühmen, was wir unseren Brüdern hier auf Erden Gutes
getan haben, daß es ihm geschehen sei, und wolle uns das ewige Leben geben.
Diese Worte zeigen dir, wer der rechte Freund ist, der den Himmel geben will,
nämlich, Christus. Die armen Bettler, denen wir mit einem Gulden oder Groschen
ihr auf Erden helfen, werden es nicht tun; ob sie wohl mit ihrer Fürbitte,
Gebet und anderem uns wiederum dienen und nützen können.
28. Darum ist es ferner auf das zu antworten. Ob wir (wie es sich läßt
Ansehen) durch Almosen den Himmel und das ewige Leben erkaufen können?
Darauf ist zur antworten. Paulus sagt: " Was nicht aus dem Glauben geht,
das ist Sünde ", der Römer 14,23. Darum muß folgen, daß
Gott an der ungläubigen Almosen keinen Gefallen habe, viel weniger den
Himmel und das ewige Leben darum geben werde. Die aber an Christus glauben und
ihren Glauben mit Werken beweisen, derselben Werke Gefallen Gott wohl um des
Glaubens willen. Gott will auf solche Werke in jenem Leben bezahlen oder belohnen.
Aber aus dem folgt nicht, daß das ewige Leben um der Werke willen gegeben
werde, welches allein dem, der an Christus glaubt, verheißenen wird; wie
Christus sehr oft bezeugt: " Wer an mich glaubt, wird den Tod nicht sehen
ewiglich ". " Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben ".
" Gott hat seinen Sohn gegeben, auf daß alle, die an ihn glauben,
nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben ".
29. Dieser Bericht ist gewiß und gründlich. Denn da steht des Heiligen
Paulus Urteil: " Was nicht aus dem Glauben geht, ist Sünde ".
Deswegen, so daß Almosen Gott ein wohlgefälliges Werk sein soll,
so muß der Glaube an Christus zuvor da sein. Derselbe Glaube bringt das
ewige Leben mit sich, und empfängt Vergebung der Sünden, und macht,
daß Gott all unser Tun und Lassen gefällt, ob es gleich an sich selbst
gebrechlich und nicht vollkommen ist; und Gott will es in jenem Leben belohnen.
Wie Christus sagt Matthäus 25, und wie Paulus sagt: Daß der Christen
Leiden und Trübsal in jenen Leben soll bezahlt und dafür ergötzt
werden.
30. Das nun Christus spricht: " Machet euch Freunde von dem unrechten
Mammon, auf das, wenn ihr darbet, sie euch in die ewigen Hütten nehmen
", Vermögen die Worten nicht mehr, denn, so wir Jünger Christi
sind und gute Werke tun, daß Gott dieselben guten Werke bezahlen werde
in jenem Leben. Was sagt aber Paulus? Sollen es gute Werke sein, so müssen
sie aus dem Glauben kommen. Und Christus sagt, der Glaube sei es, dadurch wir
zu Vergebung der Sünden und ewigen Leben kommen. Solche Sprüche mußt
du ja ebensowohl glauben, als diesen hier, daß sie wahr und nicht erlogen
sind.
31. Wie will man es aber zusammen reimen? Anders nicht, denn daß wir
durch den Glauben an Christus Vergebung der Sünden und ewiges Leben haben;
und daß Gott, um solches Glaubens willen, unser Almosen und andere gute
Werke sich gefallen lassen, und dieselben in jenem Leben uns reichlich bezahlen
und vergelten wolle; auf das, ob es uns gleich sauer ankommt, daß wir
Gott dienen und gute Werke tun, wir doch desto billiger und lustiger dazu sein
sollen, um der Hoffnung willen, die uns beigelegt ist im Himmel; wie Paulus
redet zu den Kolossern Kapitel 1,5. Dieses ist der rechte und eigentliche Verstand
dieses Spruchs, und richtige, gründliche Antwort auf die Frage von den
guten Werken. Gott wolle seine Gnade uns mitteilen, um seines Sohnes Christi
Jesu willen, und durch den Heiligen Geist unsere Herzen also erwecken, daß
als solche treuliche, schöne Verheißung und Ermahnung bei uns auch
Frucht schaffen, und wir unser Leben danach richten und endlich mögen selig
werden, Armen.
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