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Dar trat er in das Schiff und fuhr wieder hinüber und kam in seine Stadt.
Von sie ihr, da brachten sie einen Gichtbrüchigen, der lag auf einem Bette.
Dar nun Jesus Tieren glauben sahe, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Sei
getrost mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Und siehe, etliche unter
den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert Gott. Da
aber Jesus ihre Gedanke sahe, sprachen er: Warum denket ihr so Arges in euren
Herzen? Welches ist leichter, zur sagen: Dir sind deine Sünden vergeben,
oder zu sagen: Stehe auf und wandele? Auf das ihr aber wisset, daß des
Menschen Sohn Macht habe auf Erden, die Sünden zu vergeben, sprach er zu
dem Gichtbrüchigen: Stehe auf, heb dein Bett auf und gehe heim. Und er
stand auf und ging heim. Da das Volk das sahe, verwunderte es sich und preiste
Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat.
1. Aus dem heutigen Evangelium sollen wir zuerst merken die gnadenreiche Predigt,
welche Gott den Menschen gegeben hat, daß wir unter einander ihr auf Erden
sprechen können: Dir sind deine Sünden vergeben; auf das wir mit den
frommen Leuten hier uns solches auch verwundern und Gott von Herzen dafür
danken, daß er solche Gewalt den Menschen gegeben hat. Denn es ist wahrlich
eine große Gewalt, daß ein Christ zum anderen sagen kann: Mein Bruder,
sei unerschrocken, du hast einen gnädigen Gott; ich glaube nur der Zusage.,
die ich gehe tue im Namen Jesu, so soll es gewiß wahr sein, als wenn Gott
selbst zu dir sagt: Deine Sünden sind dir vergeben.
2. Solche Macht hat durch den Herrn Christum, wie wir hören, angefangen
und ist an nach bei uns Menschen gebliebenen; besonders bei denen, so im Amt
sind und den Befehl haben, daß sie das Evangelium, das ist, Buße
und Vergebung der Sünden im Namen Jesu predigen sollen. Andere Christen,
ob sie gleich das Amt nicht haben, dennoch im Fall der Not haben sie auch Befehl,
dich zu trösten, wenn du um deiner Sünden willen verzagt bist, und
dir zu sagen: Was bekümmert du dich? Ich, als ein Christ sage dir, du tust
dir selbst unrecht, Gott ist dir nicht ungnädig. Durch Christum sollst
du aller Gnade dich zu ihm halten. Solcher Worte sollst du dich ebenso gewiß
trösten, als Striche sie Christus selbst persönlich vom Himmel.
3. So liegt es nun alles daran, daß dein Herz solcher Zusagung sich annehmen,
und halte es für wahr, daß Gott dir wolle um Christi willen gnädig
sein. Wie wir hier sehen mit dem Gichtbrüchigen: den vermahnt der Herr
aufs erste zum Glauben, da er spricht: " Sei getrost, mein Sohn ",
zweifel nicht, " deine Sünden sind dir vergeben "; sobald der
Gichtbrüchige solchem Wort glaubte, waren ihm seine Sünden wahrhaftig
vergeben.
4. Auf diese Weise müssen wir noch heutiges Tages zu Vergebung der Sünden
kommen, daß dir das Wort suchen und demselben glauben. Darum wenn Pfarrer,
oder im Fall der Not ein jeder Christ zu dir spricht: Gott zürnt nicht
mit dir, zürne du mit ihm nicht; denn um seines Sohnes Christi Jesu willen
hat er dir alle deine Sünden vergeben: da sollst du mit aller Macht solcher
Zusagung glauben, und dich eher zerreißen lassen, denn daß du daran
zweifeln wolltest. Denn so du zweifelst, hilft dich die Absolution nichts, wenngleich
Gott mit all seinen Engeln solche Absolution selber mündlich über
dich spräche.
5. Denn wo der Glauben nicht ist, dar schilt man unseren Herrn Gott einen Lügner,
als sei es nicht wahr, was er uns zu sagt, er wolle es uns nicht leisten noch
halten. Vor solchem Unglauben und Sünde wolle uns der liebe Gott gnädig
behüten. Wiewohl der Teufel ein sonderlicher Meister darauf ist und uns
immerdar damit plagt, daß wir unsern Herrn Gott gern Lügen strafen,
das ist, daß wir Gottes Zusagung ungern glauben.
6. Wo aber das Herz glaubt, da ehrt man unseren Herrn Gott mit der höchsten
Ehre, die er am liebsten hat. Denn man hält ihn für wahrhaftig, und
so für einen Herrn, der nicht lügen kann, wenn er gleich für
uns unmögliche Sachen redet. Darum gefällt es dem Herrn Christo an
diesen Menschen hier auch besonders, daß sie so eine starke Zuversicht
zu ihm haben, er werde dem Gichtbrüchigen helfen, spricht ihm deswegen
freundlich zu: Mein Sohn, du bist krank, der Teufel hat dir die Gicht angehängt,
und Gott hat es von wegen deiner Sünden geschehen lassen; da folgt denn
Schrecken und ein blödes Gewissen, daß du denkst: Ach, Gott zürnt
mit mir, wo will ich hin? Denn es ist natürlich, wenn Gottes Strafe sich
sehen läßt, daß als bald der Schrecken sich auch findet.
7. Aber, mein Sohn, laß solchen Glauben in dein Herz nicht zu tief ein
sinken, gedenke nicht so: Wo was fragt Gott nach mir? Wer weiß, ob er
mir gnädig sein will, oder nicht; denn was bin ich gegen Gott? Siehe nicht
auf deine Krankheit, sondern höre, was ich dir sage, nämlich, daß
deine Sünden dir vergeben sind. Darum schließe also: Gicht hin, Gicht
her, meine Sünden sind mir vergeben; an solchem Glauben soll mich weder
Gicht noch andere Krankheit hindern.
8. Also soll Wort und Glaube fein beisammen stehen; denn es kann keins ohne
daß anderes ein. Wer der glaubt, und hat das Wort nicht, der glaubt wie
Türken und Juden: die haben den Glauben, Gott seit gnädig und barmherzig;
aber es fehlt ihnen an der Zusagung, denn Gott will außer Christus nicht
gnädig sein. Also, wer das Wort hat und den Glauben nicht, da schafft das
Wort auch nichts bei. Das also Wort und Glauben zur Ehe zusammen gegeben und
keins sich vom anderen scheiden lassen kann.
9. Ein Schwärmer glaubt, es soll noch in vier Wochen der jüngste
Tag kommen. Solcher Glaube ist eine lautere Lüge; denn es ist kein Gotteswort
dabei. Der Türke glaubt, er wolle sich seines Mohammed zur Seligkeit genießen:
aber es ist eine lautere Lüge; denn es ist kein Gotteswort dabei. Also
glaubt der Papst auch, ein Christ müsse mit eigenen Werken sich den Himmel
fördern: aber es ist ein falscher Glaube; denn es mangelt am Wort und der
Zusagung. Also kann es wohl sein, daß man ein den Glauben hat, das ist,
man versieht sich etwas und hofft etwas; aber weil es am Wort mangelt, ist es
kein rechter Glaube, sondern ein bloßer unbegründeter Wahn, aus dem
nie etwas wird.
10. Uns Christen aber mangelt es nicht am Wort. Denn das Wort haben wir von
Gottes Gnaden recht und rein. Es mangelt uns aber am Glauben, daß wir
nicht so fest an das Worte können halten, als wir sollten; so doch jene
ohne Wort fest und stark glauben können. Das Macht der Teufel und die Erbsünde,
die zieht uns also vom Wort und der Wahrheit zu der Lüge. Darum hat es
Mühe, wo man schon das Wort hat, daß wir uns des Unglauben es erwehren.
Denn unser Fleisch und Vernunft will an das Wort nicht. Soll es glauben, so
wollte es den Glauben gerne in den Händen haben.
11. Zu solchem hilft der böse Geist auch, daß es also nirgends mit
uns fort will; sonst sollten unsere Herzen wohl fröhlicher und getroster
sein. Denn rechne du, so ich es recht unvollkommen könnte glauben, daß
Christus hier zum Gichtbrüchigen sagt, und zu mir und dir in der Taufe
auch gesagt worden ist, und in der Absolution, auch in öffentlicher Predigt
täglich gesagt wird, daß ich mich keines Zorns noch Unglaube zu Gott
versehen soll: meinst du nicht, ich würde vor Freuden auf dem Kopf gehen?
Es würde mir alles eitel Zucker, eitel Gold, eitel ewiges Leben sein? Das
aber solches nicht geschieht, ist ein Zeichen, daß der alte Adam und der
Teufel uns immerdar herunter ziehen vom Glauben und vom Wort.
12. Darum so lerne es, muß beides sein: das Wort mußt du haben,
und danach dich mit dem Glauben an das Wort halten, und so viel möglich
ist, daran nicht zweifeln. Alsdann sollst du haben alles, was das Wort dir zusagt,
und du zur Erhaltung des Leibes und der Seele bedarfst. Die nun das Wort nicht
haben, die haben sehr gut glauben. Ursache, es ist ohne daß eine angeborene
Untugend, daß wir der Lüge gern glauben, das Herz hängt ohne
daß mehr dahin.
13. Also glaubt der Papst und sein Haufe sehr stark an die Messe, an der heiligen
Dienst und Fürbitte, an Klostergelübde, singen, faßte. Aber
es ist ein falscher, erlogen mehr Glaube, und sind, Huren und Buben beisammen.
Das Herz ist eine Hure, der falscher Glaube ist ein Bube. Wir aber, die wir,
Gott Lob! Eine reine Braut haben (denn das Wort ist je rein und gut), können
nicht so steif und fest Glauben; so wir doch sollten billig fest glauben. Jene
aber sollten nicht fest Glauben können, weil sie das Wort nicht haben.
Das ist unseres alten Adams und des Teufels schuld, daß wir durch die
Erbsünde sind vom Wort und der Wahrheit auf die Lüge gefallen.
14. So soll man nun aus dem heutigen Evangelium lernen, daß wir erstlich
daß Wort haben müssen; danach sollen wir auch fest daran glauben.
So ist es denn eine göttliche Kraft, dadurch wir erlangen Vergebung der
Sünden und die Seligkeit, daß wir hier und dort Hilfe und Trost finden.
Wenn aber das Wort nicht da ist, da wird wohl auch ein Glaube draus, wie diese
Sakramentschwärmer, Widertäufer, Türken, Juden und Katholiken
einen Glauben haben. Aber es ist ein Glaube ohne Wort, der uns allen angeboren
ist durch Adams Fall, das ist, es ist ein Lügenglaube, da wir von Natur
können fester dran hangen, denn an Gottes Wort.
15. Als nun unser lieber Herr Christus dem Gichtbrüchigen also gepredigt
und ihm seine Sünden vergeben hat; hindern die Schriftgelehrten an, und
gedenken, Christus lästere Gott, daß er Sünde vergeben hat.
Solches ist auch ein wichtiges Stück, an dem viel gelegen ist, darum wir
es auch fleißig merken sollen. Denn das sieht man an allen Schwärmern
und Rottengeistern durch aus, daß sie alle in dem Irrtum sind, daß
sie nicht verstehen, wie die Sünden vergeben werden. Denn Frage denn Papst
und seine Doktoren, so werden sie dir nicht sagen können, was die Absolution
ausrichte. Denn auf dieser Lehre besteht das ganze Papsttum: Geht Gnade werde
den Menschen ein gegossen durch eine heimliche Wirkung; wird dazukommen wolle,
der müsse reuen, Beichten und Werke tun.
16. So man aber fragt, was die Absolution und die Schlüssel tun, sprechen
sie, es sei eine äußerliche Ordnung, die in der Kirche gehalten werde.
Stellen also die Vergebung der Sünden nicht auf das Wort und den Glauben,
worauf es doch gestellt sein muß, sondern auf unsere Reue, Beichte und
Werke. Aber solches ist eine erlogene Lehre, dadurch die Leute verführt
und auf den falschen Weg gewiesen werden.
17. Also sagen die Widertäufer auch: Was sollte die Taufe zur Vergebung
der Sünden tun? Ist es doch nur eine Hand voll Wasser! Der Geist muß
es tun, so wir recht von Sünden sollen rein werden, daß Wasser kann
es nicht tun. Ziehen also Vergebung der Sünden auch vom Wort hinweg, und
wollen es bei dem nicht bleiben lassen, wie die frommen Leuten hier sagen, daß
solche Macht den Menschen gegeben sei.
18. Die Sakramentschwärmer sagen auch also: Es sei im Sakrament nur Bot
und Wein, darum könne man Vergebung der Sünden da nicht finden, der
Geist müsse es geben, daß Fleisch ist nicht nütze. In der Summe,
keine Rottengeister, kein Pfaffe noch Mönch hat das sehen können,
daß Vergebung der Sünden sei eine Macht, den Menschen gegeben, wie
es hier in Evangelium steht.
19. Darum lerne hier, daß du kannst so von der Sache reden: Ich weiß
wohl, bekenne auch, daß Gott allein die Sünde vergibt. Aber ich muß
auch dies wissen, wobei ich es merken könne, daß die Sünden
mir vergeben sind, oder welches das Mittel sei, dadurch die Sünden mir
vergeben werden. Da lehrt die heilige Schrift mich und alle Christen, wenn ich
Vergebung der Sünden haben will, müsse ich mich nicht in den Winkel
setzen und sagen: Mein Gott, vergib mir meine Sünden; und alsdann warten,
wenn ein Engel vom Himmel, und mir sage: Deine Sünden sind dir vergeben.
Denn Gott verheißt, er wolle sich zu mir herunter finden und selbst Vergebung
der Sünden mir zusagen
20. Solches geschieht erstlich in der heiligen Taufe; denn da ist sein Befehl,
daß man mich taufen soll im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen
Geistes. Und steht ferner bei solchem Befehl diese Zusagung: " Wer da glaubt
und getauft wird, der wird selig werden ".
21. Ja, sprichst du, ist doch die Taufe nur Wasser! Wahr ist es; aber solch
Wasser ist nicht allein, es ist Gottes Wort dabei. Also, wenn du zu deinem Seelsorger
gehst, der solches einen besonderen Befehl hat, oder sonst zu einem Christen,
und begehrst, daß er dich tröstet und absolviere von seinen Sünden,
und er zu dir spricht: Ich, an Gottes statt, verkündige dir durch Christum
Vergebung aller deiner Sünden; hier sollst du gewiß sein, das dir
deine Sünden durch solch äußerlich Wort wahrhaftig und gewiß
vergeben sind; denn die Taufe und das Wort lügen nicht.
22. Solches hat man im Papsttum nicht gepredigt, und versteht es noch heutigen
Tages kein Prediger des Papstes. Darum dankt Gott für solche Gnade, und
lernt es, daß Gott will die Sünde vergeben. Aber wie? Anders nicht,
wie es hier steht: daß er solche Macht den Menschen gegeben hat. Wie denn
Christus solches hier sagt, und danach befiehlt, daß man es in der Kirche,
bis an der Welt Ende, so halten soll, und in seinem Namen Buße und Vergebung
der Sünden predigen.
23. Das also jedermann lerne Vergebung der Sünden bei den Menschen, und
sonst nirgends zu suchen. Denn da soll man es allein finden; denn also lautet
unseres Herrn Christi Befehl: " Wahrlich, ich sage euch, was ihr auf Erden
lösen werdet, soll auch im Himmel los sein ", Matthäus 18,18;
also: " Welchem ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen ",
Johannes 20, 23. Denn das will Gott nicht erleiden, daß ein jeder sich
wollte eine sonderliche Leiter oder Treppe in den Himmel bauen, er will der
einige Baumeister sein.
24. Darum so du willst Vergebung der Sünden haben, so gehe hin, lasse
dich taufen, so du nicht getauft bist; oder bist du getauft, so erinnere dich
derselben Zusagung, welche Gott dir dazumal getan hat, und sei nicht ungläubig.
Also, gehe hin, und versöhne dich mit deinem Nächsten, begehre danach
die Absolution. Und wie du hörst, daß man dir im Namen Jesu Vergebung
der Sünden zusagt, also glaube du es; so hast du sie wahrhaftig. Gehe danach
auch zum heiligen Sakrament und empfange da den Leib und das Blut Christi, auf
das du gewiß werdest, dieser teure Schatz gelte dir, und sei dein eigen,
daß du ihn genießen sollst.
25. Daß man also die Taufe, Absolution, Predigt und Sakrament nicht verachten,
sondern Vergebung der Sünden dabei suchen und holen soll. Denn dazu hat
Gott deinen Pfarrer, deinen Vater und Mutter, und deinen nächsten Christenmenschen
berufen und geordnet, und sein Wort in ihren Mund gelegt, daß du Trost
und Vergebung der Sünden bei ihnen suchen sollst. Denn ob es gleich Menschen
reden, so ist doch nicht ihr, sondern Gottes Wort. Darum soll man fest daran
glauben und es nicht verachten.
26. Wenn nun ein Kirchendiener ein Kind kauft nach den Befehl Christi, da hörst
du wohl einen Menschen reden, der für seine Person ebenso ein Sünder
ist, als du; aber er tut es aus Gottes Befehl. Darum wenn er spricht: Ich Taufe
dich im Namen des Vaters, sollst du dieselben Worte nicht anders hören
noch annehmen, denn als hätte sie Gott selbst geredet. Also wenn man dir
in der Absolution deine Sünde vergibt, da zweifle ja also wenig, als hätte
Gott selbst solche Worte geredet. Denn Gott selbst spricht solch Urteil über
dich, daß du sollst von Sünden los sein.
27. Daß man solches lerne und wisse, ist hoch vonnöten um der schändlichen,
verdrießlichen Rottengeister willen, die gar nicht mehr können, denn
daß sie schreien: Wasser ist Wasser. Solches bedürfen wir nicht,
daß sie uns dieses lehren. Das aber wissen sie nicht, daß bei solchem
Wasser daß Wort Gottes ist. Darum ist es mehr als ein schlechtes Wasser,
sondern eine göttliche Wasser, welches der Kirchendiener nicht gibt von
sich selbst, sondern Gott hat es also befohlen zu geben da zu, daß man
zum Reich Gottes wiedergeboren und von den Sünden ledig werden soll.
28. Gleichwie nun Gott daß Wort gibt, daß sein, nicht unser Wort
ist: also gibt er auch den Glauben an das Wort; denn es ist beides Gottes Werk,
Wort und Glaube. Darum muß Vergebung der Sünden auch Gottes Werk
sein, ob es wohl Gott durch die Menschen ausrichtet. Also soll man Vergebung
der Sünden im Worte, welches in der Menschen Mund liegt, und in den Sacramenten,
die durch die Menschen gereicht werden, suchen, sonst nirgends; denn man wird
es sonst nirgends finden.
29. Wer sieht aber nicht, daß meine Werke, die ich tue, weit ein anderes
Ding sind, denn das Wort und die Werke Gottes? Wie kommen denn die heillosen
Katholiken dahin, daß sie Vergebung der Sünden in ihren eigenen Werken
suchen? Darum, wenn sie am jüngsten Tage mit ihren Werken und Verdienst
werden auftreten, da wird Christus sie fragen und sagen: Wo ist denn mein Wort?
Hab ich doch in meiner Kirche Taufe, Sakrament, Absolution und Predigt bestellt,
daß die Menschen dadurch zu Vergebung der Sünden kommen und meiner
Gnade gewiß sein sollen. Warum habt ihr euch nicht daran gehalten? Da
hätte es euch nicht können fehlen; mit euren Werken sollen und muß
es euch fehlen.
30. Darum so merket diesen Unterricht wohl, und lerne, was eigentlich Vergebung
der Sünden sei, und wie man der könne gewiß werden, und wo man
sie suchen und finden soll, nämlich, daß du nirgends hinlaufen sollst,
denn nur zu der christlichen Kirche, die daß Wort und das Sakrament hat.
Da sollst du gewiß finden, und nicht im Himmel; wie die Pharisäer
hier meinen und denken: Christus lästere Gott, daß er Sünde
vergibt; Sünde könne niemand denn Gott vergeben. Da hüte dich
vor und sprich: Gott hat Vergebung der Sünden in die heilige Taufe gesteckt,
und das Abendmahls und in das Wort; ja, er hat es einem jeden Christenmenschen
in den Mund gelegt; wenn der dich tröstet, und dir Gottes Gnade durch das
Verdienst Christi Jesu zusagt, sollst du es annehmen und glauben, nicht anders,
denn so es Christus selbst mit seinem und dir hätte zugesagt, wie hier
dem Gichtbrüchigen.
31. Darum irren die Rottengeister und Schwärmer gefährlich, daß
sie das Wort von Vergebung der Sünden wegreißen. Solches möchte
man tun, so es eines Menschen Wort oder eines Menschen Wasser wäre, aber
hier ist Gottes Wort und Gottes Wasser. Wer dasselbe den Leuten nehmen oder
anders ausreden will, der nimmt ihnen Vergebung der Sünden, da hilft nichts
für.
32. Darum haben die Widertäufer und anderer Rotten zugleich Vergebung
der Sünden, Taufe, Sakrament, die christliche Kirche und alle christliche
Werke verloren, weil sie das Wort, so sie von ihrem Nächsten hören,
wegwerfen, und für anderes nicht halten, denn so irgend eine Kuh blökte.
Nun, wenn denn Gott gleich durch eine Kuh oder ander Tier redete, wie er einmal
durch eine Eselin geredet hat, sollte man gleich wohl sein Wort nicht verachten,
sondern geltend lassen; warum will man es denn verachten, da es die Menschen
aus Gottes Befehl und Ordnung reden? Denn ob du wohl eines Menschen Stimme hörst,
so wirst du doch nicht eines Menschen Wort, sondern Gottes Wort, und findest
gewißlich Vergebung der Sünden dabei, wenn du es nur mit Glauben
annimmst.
33. Solches ist sonderlich bei diesem Evangelium zu merken, auf das ihr euch
wider die Rotten trösten und ihnen begegnen könnt. Denn im Papsttum,
wie zuvor gemeldet, weiß man von solcher Predigt weniger denn nichts.
Denn sie halten und lehren, wenn der Mensch in Sünde fällt, so sei
ihm die Taufe nicht mehr nütze. Will er aber Vergebung der Sünden
haben, so müsse er beichten, reuen und für die Sünde mit guten
Werken genug tun. Also haben sie von der Buße geredet. Die Lehre ficht
der Teufel nicht an, denn sie tut ihm keinen Schaden und ist eine große
Lüge.
34. Wohl ist es war, ich soll reuen und mir meine Sünder herzlich Leid
sein lassen; aber dadurch komme ich nicht zur Vergebung der Sünden. Wodurch
denn? Alle ein dadurch, daß ich auf das Wort und Verheißung Achtung
habe und es glaube; und das ich dem Herrn Christus der durch seine verordneten
Diener, ja, in der Not auch durch alle Christen, mit mir redet, auf den Mund
sehe, und nicht auf mein Reuen und Büßen.
35. So kehren sie es um, daß Wort lassen sie fahren, sehen nicht darauf,
was der Kirchendiener oder ein Christ aus Befehl unseres Herrn Christi sagt;
sehen allein auf ihrer Reue und Buße. Der mit aber verlieren sie Christum,
und alles, was Christus ist. Und ist unmöglich, daß sie einen einigen
Gewissen recht raten oder helfen könnten. Denn das Wort, da man allein
mit helfen kann, haben sie verloren, und weisen die Leute auf eigene Reue und
Frömmigkeit.
36. Ihr aber lernet, daß ihr von Vergebung der Sünden also sagen
und andere unterrichten könnt, daß Gott in der Taufe, in der Absolution,
auf der Kanzel und in Sakrament mit uns redet durch die Kirchendiener und aller
anderen Christen; denen sollen wir glauben, so finden wir alsdann Vergebung
der Sünden. Von solchen Glauben an Gottes Wort haben sie im Papsttum nicht
ein Wort gelehrt, wie man in allen Ablaßbriefen und wohl in sieht; sondern
Vergebung der Sünden auf die Reue und eigene Werke gestellt, das ist, auf
einen bloßen, ungewissen Stand die Herzen gegründet. Das sei von
den Worten gesagt, die hier stehen, daß Gott den Menschen Macht gegeben
habe, die Sünden zu vergeben. Nun wollen wir die Geschichte auch ein wenig
vor uns nehmen.
37. Der Gichtbrüchige hier ist ein Bild aller Sünder. Denn das ist
dieser Krankheit Art, daß man der Glieder nicht mehr gebrauchen kann;
will man den Fuß oder die Hand zu sich ziehen, so kann man nicht, ja,
man streckt sie nur je mehr von sich. Darum vergleicht Aristoteles einen solchen
Menschen der ungezogenen, frechen Jugend, die man nicht bändigen noch zähmen
kann.
38. Aber wer diese Krankheit will richtig deuten, der deute sie auf die Werkheiligen.
Je mehr dieselben sich darum annehmen, wie sie nahe zu Gott kommen und ihn versöhnen
mögen, je ferner kommen sie von ihm. Also, wenn sie meinen, sie machen
es am besten, so machen sie es am ärgsten; denn sie sind ohne Glauben.
39. Wer nun will, daß von solcher Klage ihm geholfen werde, er mache
sich hierher zu Christum, der wunderbar hilft; tut nicht mehr, denn daß
er spricht: " Sei getrost mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben
". Von solchem Wort werden die Gelenke wieder fein stark und fest, daß
eines das andere tragen kann und heben. Denn wo Vergebung der Sünden ist,
da hat er Zorn und die Strafe nicht länger Platz, das ist, Gott hat nicht
mehr ein Mißfallen an uns und läßt sich unsere Werke alsdann
auch gefallen um des Glaubens willen an Christum.
40. Solches hat der Herr hier besonders anzeigen wollen mit dem Gichtbrüchigen,
der da lag auf dem Bette, nach Art der Krankheit, und streckte alle viere von
sich. Aber da Christus ihn heißt auf stehen, steht er auf, frisch und
gesund. Und da man ihn zuvor hatte im Bette getragen von Haus aus, trägt
er das Bett selbst heim. Das will der Herr, daß wir es wahrnehmen und
ansehen sollen als ein Wahrzeichen, dabei wir lernen, wie er Macht habe auf
Erden, Sünde zu vergeben
41. Daß der Herr sagt: " auf Erden ", ist sonderlich darum
wohl zu merken, daß man nicht gaffe in den Himmel oder, wie der Papst
gelehrt hat, Vergebung der Sünden hoffe, wenn man gestorben ist, in Fegefeuer,
durch anderer Leute Werke und Verdienst. Denn hier steht es, daß Vergebung
der Sünden sei eine Macht, die den Menschen auf Erden gegeben ist, wenn
man tauft, daß Sakrament reicht, absolviert und von der Kanzel predigt.
Denn es ist beschlossen, was man also los spricht auf Erden, daß es im
Himmel auch los sei. Wiederum, was man bindet, das ist von der Taufe und Sakrament
und Wort ausschließt, daß soll auch im Himmel gebunden seien.
42. Durch solche Macht, daß wir Menschen untereinander Sünden vergeben
oder binden, wird Gott seine Lehre nicht genommen noch wir zu Göttern gemacht,
wie die ungeschickten Leute davon reden. Denn wir haben nicht mehr denn das
Amt, dasselbe gilt nicht weiter, denn du glaubst. Glaubst du, so hast du es;
glaubst du aber nicht, so hast du nichts. Darum hat Gott eben durch solch Amt
uns zusammen gebunden, daß immer ein Christ den anderen trösten,
ihm freundlich zusprechen, und du Vergebung der Sünden im Namen Christi
Glauben sollst. Das heißt recht zu Gott und zu Vergebung der Sünden
geführt. Wer in solchem Glauben stirbt, der stirbt selig und wohl.
43. Wer aber stirbt, wie man im Papsttum lehrt, auf der Heiligen Fürbitte,
auf seine und anderer Menschen Verdienst, der stirbt unselig und übel.
Denn er hat die Geleitsleute nicht, die ihm unser Herr Gott gegeben und hier
auf Erden bestellt hat, nämlich, er hat kein rechtes Wort noch eine rechte
Absolution. Und ob er schon die Taufe hat, so weiß er doch sich ihrer
nicht zu trösten. Diesen Jammer hat der Teufel durch den Papst angerichtet
und hebt es jetzt mit den Rotten wieder auf ein neues an. Denn er kann daß
Wort nicht leiden, es sticht ihm in die Augen und blendet ihn.
44. Darum hat es der Papst, als des Satans lieber und getreuer Diener, ganz
weggenommen, und die Mönchsorden, Messen, Wallfahrten, Ablaß und
anderes angerichtet. Das kann der Teufel wohl leiden, denn es tut ihm keinen
Schaden. Die Widertäufer helfen auch dazu, so verächtlich vom Wasser
oder der Taufe reden, die Sakramentschwärmer auch, so verächtlich
vom Sakrament reden, gerade als wäre nichts denn Bot und Wein da.
45. Diese aller haben das Wort verloren. Darum hütet euch voll ihnen,
und lernet, daß Vergebung der Sünden sonst nirgends ist, denn wo
das Wort ist. Solch Wort aber ist in der Taufe, im Abendmahl, in der Absolution
und Predigt; darum ist Vergebung der Sünden auch da, und trotz, daß
jemand anderes sage! Wo nun das Wort ist, da soll der Glauben folgen; so steht
denn der Ellenbogen fein gerade und gewiß, welchen der Gichtbrüchige
zuvor nicht mochte an sich ziehen. Wo aber das Wort nicht ist, da bleibt man
gichtbrüchig; ist deswegen unmöglich, daß man könnte recht
zugreifen.
46. Solches habe ich deswegen mit vielen Worten sagen wollen, weil der Papst
und die schändlichen Rotten so viel Schaden anrichten, daß jedermann
davor sich wisse zu hüten. Der Papst weist weder auf das Wort noch Sakrament;
so können die Rotten mehr nicht, denn vom Wort und Sakrament verächtlich
reden, und gilt bei ihnen nichts, denn Geist, Geist. Aber wir wissen, daß
der Heilige Geist ohne Wort und Sakrament sein Werk nicht will ausrichten. Darum
können wir Wort und Sakrament nicht verachten, sondern wir sollen es und
müssen es Groß und für den edelsten Schatz halten.
47. Gott verleihe seine Gnade, daß wir bei solcher Lehrer fein bleiben
und bis ans Ende verharren, und selig werden, Amen.
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