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1. Dieses ist ein sehr schönes Evangelium, in welchen wir sehen, was der
richtige Weg, der gewisse Weg zum ewigen Leben ist. Es scheint aber, daß
man dieses Evangelium auf diesen heiligen Tag der Dreieinigkeit billigt, daß
so fein der Unterschied der Personen angezeigt ist, in dem höchsten und
größten Werk das Gott mit uns armen Menschen handelt, daß er
uns von Sünden frei, die recht und selig macht. Denn hier steht vom Vater,
daß er die Welt geliebt und ihr seinen eingeborenen Sohn geschenkt hat.
Das sind die zwei unterschiedlichen Personen, Vater und Sohn, eine jegliche
mit ihren besonderen Werk. Der Vater liebt die Welt und schenkt ihr den Sohn;
der Sohn läßt sich der Welt schenken, und, wie Christus hier sagt,
läßt er sich wie die Schlange in der Wüste am Kreuz erhöhen,
auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben
haben. Zu solchem Werk kommt danach die dritte Person, der heilige Geist, welcher
durch das Wasser der seligen Taufe den Glauben im Herzen anzündet, wohl
uns also eine Wiedergeburt zum Reiche Gottes schenkt.
2. Dieses ist eine sehr tröstliche Predigt, die uns ein fröhliches
Herz gegen Gott machen; darin wir sehen, daß alle drei Personen, die ganze
Gottheit, sich dahin wendet und damit umgeht, daß den armen, elenden Menschen
wider die Sünde, dem Tod und Teufel zur Gerechtigkeit, ewigem Leben und
dem Reich Gottes geholfen werde. Wie können wir denn vor Gott unserer Sünden
wegen uns fürchten? Wie können wir ein böses Herz zudem haben?
Wenn er uns unserer Sünde willen verdammen wollte, wie wir immer wieder
uns sorgen, besonders wenn das Stündlein kommt: so würde der Vater
seinen eingeborenen Sohn nicht gegeben haben, Vater und Sohn würden uns
nicht zum Bad der Wiedergeburt und unter das Heiligen Geistes Flügel gefördert
haben. Also ist dieser Artikel von der Dreieinigkeit auf das schönste und
freundlichste hier angezeigt. Aber davon ist in der nächsten Predigt noch
genug gehandelt, wollen deswegen jetzt das Evangelium von Stück zu Stück
vor uns nehmen, in welchem wir hören, wie der Herr mit Nikodemus, dem Schriftgelehrten,
eine lange Diskussion hat, in welcher der alte gute Mann sich ganz und gar nicht
zurecht finden dann. Wir müssen zu erst erkennen, was dem Nikodemus gehindert
hat, daß er gar nicht weiß, was der Herr redet und haben will.
3. Eine gute Sache ist es, daß Nikodemus dem Herrn nach geht, und weil
er öffentlich nicht darf, geschieht dieses zur Nacht. So sehen wir an seinen
Worten auch, daß er es mit dem Herrn Jesus Christus nicht übel meint,
sondern sehr viel von ihm hält, ihn hält für einen besonderen
Prediger, welchen Gott in die Welt gesendet und seine Lehre mit herrlichen Wunderwerken
bestätigt. Solche Worte redet er nicht aus einem falschen Herzen, wie die
Pharisäer, Matthäus 22,16: " Meister, wir wissen, daß du
wahrhaftig bist, und lehrest den Weg Gottes recht du. " Nein, wie es Nikodemus
redet, so meint er es auch in seinem Herzen, daß unser lieber Herr Jesus
Christus muß ein besonderer und teurer Lehrer sein, weil Gott mit so trefflichen
Wunderzeichen seine Lehre bestätigt.
4. Dieser Gedanke gefällt unseren Heiland wohl. Darum, weil Nikodemus
ihn viel den höchsten Lehrer rühmt: also will er ihnen jetzt dafür
die höchste Predigt halten, vor dem höchsten und größten
Werk, wo man von predigen kann, nämlich, wie man das Reich Gottes sehen
könne, das ist, wie man könne von Sünden los werden, zu Gottes
Reich kommen und das ewige Leben erlangen. Denn dieses ist die Predigt, welcher
allein der Sohn Gottes vom Himmel zu uns auf Erden gebracht hat, wie Johannes
sagte: " der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hatten
es verkündigt ".
5. Das ist wahr, daß alle Welt je und je sich damit bekümmert, und
sich besonderer weisen und Wege gemacht und ausgedacht hat, selig zu werden.
Denn Nikodemus selbst kommt mit den Gedanken, er wisse, Gott Lob! Auch ohne
Cristum, wie er solle und könne selig werden. Meint, weil er ein Jude ist
und das Gesetz hat, habe er den Vorteil, der könne wissen, was er tun soll,
wenn er Gott zu gefallen leben und den besten Gehorsam erzeigen. An diesem meint
er, hat der genug, denkt nicht, daß es eine ganz anderer Meinung hat,
wie er jetzt von Christus hören wird. Wie wir auch an den Katholiken sehen.
Wenn ein Mönch es soweit bringt, daß er seinem Orden oder Kloster
genug bringt, so denkt er, er säße schon bei Gott im Schoß,
wie der Pharisäer in Lukas 18. Kapitel, der sein Fasten, Zehnten geben
und andere gute Werke rühmt. In der Summe, die Menschenherzen sind so gestaltet.
Wenn sie sich fürchten und entsetzen, wenn sie ihre Sünde fühlen:
also trauen und hoffen sie, sie sind mit Gott wohl dran, wenn sie äußerlich
fromm, und keine bösen Taten haben, wo durch ihr Gewissen erschreckt und
zaghaft wird. Darum nimmt sich einer dies, jener ein anderes vor, jeder wie
es ihn am besten gefällt, womit er meint vor Gott bestehen zu können.
Der Jude hat seinen Mose, ein Mönch sein Kloster. Wir sind alle in dem
Wahn, wenn wir die Zehn Gebote halten, so hätten wir keine Not vor Gott.
So denkt Nikodemus auch. Aber weil er Christus für einen hohen, besonderen
Prediger hält, will Christus sich also gegen ihn beweisen und gibt ihm
diesen Unterricht: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, es sei denn, daß
jemand von neuem geboren werden, kann er das Reich Gottes nicht sehen.
6. Nun, hier steht der Handel mit klaren, runden Worten, und Christus läßt
sich hier hören als ein besonderer Lehrer; denn so etwas hat Nikodemus
zuvor nicht gehört, darum versteht er es auch nicht. Dieses aber versteht
er wohl, daß er noch nicht wiedergeborenen ist. Wie er aber zur Wiedergeburt
kommen soll, davon weiß er nichts.
7. Da denke nun du auch drüber nach, was doch unser Heiland mit diesem
Spruch will. Denn so man das Reich Gottes nicht sehen kann, man sei erst wieder
geboren: daraus folgt ja, daß wir, geboren sind, mit Vernunft, freien
Willen, mit dem Gesetz und allen guten Übungen, welche beides die Vernunft
und der Wille kann erfüllen, müssen verdammt sein; dieses alles hilft
nicht zum Reiche Gottes. Was ist aber das für ein jämmerlicher Handel,
daß man die Leute von dieser Wiedergeburt nichts lehrt, sondern zeigt
ihnen bloß, wie der Papst tut, auf eigene Werke, daß sie dadurch
selig werden sollen? Wie reimt sich diese Lehre mit Christus hier? Sie sprechen:
gute Werke machen selig. Christus spricht: bist du nicht wieder geboren, so
wirst du nicht selig.
8. Nun ist es aber wahr und kann man nicht leugnen, daß ein Mensch selbst
und aus eigenen Kräften, wie man an den Heiden sieht, die sich zur Zucht,
Ehrbarkeit und Tugend gewöhnen. Wie man sieht, daß nicht alle Menschen
Mörder, Ehebrecher, Hurer, Diebe, Weinsäufer, Müßiggänger
sind, sondern viel frommer, ehrbare Leute vor der Welt sind. Solches sind alles
herrliche, schöne Tugenden und Werke, da zu man auch jedermann anhalten
soll; denn Gott fordert dieses in den zehn Geboten. Aber das ist beschlossen,
es können so viel gute Tugenden und gute Werke sein wie sie wollen, ist
die Wiedergeburt nicht da, so gehört alles an Tugenden und Werken zum Teufel
und in die Hölle. In den Himmel und in das Reich Gottes geht es dadurch
nicht. Dieses sagt Christus selbst und es soll niemand daran zweifeln.
9. Die Vernunft aber ist gefangen, die Vernunft redet, Stehlen, Morden, Ehebrechen
mißfällt Gott und er straft es, da muß man ja denken, daß,
wenn man diese Sünden meidet es Gott wohl gefällt und er es belohnt,
sonst spricht die Vernunft, müßte Gott ungerecht sein. Nun ist es
wahr, es gefällt Gott wohl, solche und andere Sünde zu meiden und
Gutes zu tun, dieses will er auch nicht unbelohnt lassen. Aber das Himmelreich
sehen, da gehört etwas anderes und größeres zu, nämlich,
daß man, wie hier steht, anders geboren werde. Darum ist Gott dem Pharisäer
in Lukas 18., nicht darum Feind, daß er kein Räuber, kein Ehebrecher
noch Ungerechter ist, wie andere Leute, daß der fastet und den zehnten
gibt, solches läßt sich Gott wohl gefallen, wo nicht die schändliche
Untugend daran hinge, daß er meinte, er würde dadurch in den Himmel
kommen, meint auch er wäre viel besser als andere Sünder.
10. Darum ist es hier beschlossen: Vernunft ist ein edel, köstliches Ding,
der Willen zum guten ist auch sehr edel und ein köstliches Ding, daß
Gesetz und die Zehn Gebote, ein feiner, ehrbarer Wandel sind alles herrliche,
große gaben, wofür man Gott danken soll: aber wenn man vom Reich
Gottes sagt, wie man dazu kommen soll, da hilft weder Vernunft, Wille, Gesetz,
oder andere gute Werke zu; allein das macht es, daß man von neuem geboren
wird; anders kann man das Reich Gottes nicht sehen, sondern man muß mit
Vernunft, freien Willen, Gesetz und zehn Geboten verdammt sein und bleiben.
11. Ja, sprichst du, so will ich besser gar nichts Gutes tun? Nein, das taugt
auch nicht, und wird dir mit dieser Weise das Gericht Gottes nur noch schwerer
werden. Darum tue beides, übe dich, die Zehn Gebote zu halten, und bekenne
doch mit rechtem Ernst daneben, daß du ein armer Sünder bist, der
wegen seines Tuns wegen ewig müßte verdammt sein. Danach wäre
uns am Heiland Christo weiter zu, wie er wiederum tröstet, nachdem er,
unserer ersten Geburt wegen, uns die Seligkeit so einfach abgesagt hat.
12. Nikodemus fühlt das harte Urteil sehr wohl, er denkt sich, was doch
die Wiedergeburt sei, und merkt, daß er in leiblicher Weise nicht noch
einmal wieder geboren werden kann von Vater und Mutter, fragt deshalb, wie so
etwas zu gehen soll? Denn daraus kann ja nichts werden, spricht er, daß
ich noch einmal in meiner Mutter Leib kriechen und auf ein neues sollte geboren
werden. Mit solcher Frage bringt er unseren Heiland dahin, daß er lehrt,
wie die Wiedergeburt zugehen muß, und spricht:
Wahrlich, wahrlich, die sage dir, es sei denn, daß jemand geboren werde
aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom
Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren wird, das ist
Geist.
13. Hier spricht unser Heiland ein Urteil gegen die erste Geburt, daß
diese fleischlich und voller Sünden ist, und zum Reich Gottes nicht gehört.
Als wollte er sagen: du fragt, ob du von deiner Mutter anders geboren werden
müßtest. Wenn du tausendmal anders von deiner Mutter geboren würdest,
so wärest du und bliebest der alte Nikodemus. Von Fleisch denn nichts denn
Fleisch geboren werden. Darum gehört zu dieser Wiedergeburt nicht Vater
und Mutter, wie beide Fleisch und voll Sünden sind; sondern es gehört
dazu Wasser und Geist. Wer also wieder geboren ist, der ist ein neuer Mensch
und wird in das Reich Gottes kommen.
14. Dieses werde ohne Zweifel den Nikodemus ein sehr lächerlicher Handel
gewesen sein, er wird gedacht haben: nun, soll es meint Vernunft und Wille,
und auch das Gesetz und Mosel nicht können, und das Wasser vermag es: was
ist dies für eine Meinung? Hier wird der gute Mann so irre, daß er
nicht weiß, was er sagen soll, wohl muß frei bekennen, daß
er kein Mord versteht, obwohl er Mose und die Zehn Gebote sehr gut versteht,
deswegen meint er auch er sei ein großer Lehrer.
15. Laßt uns nun die Worte fleißig merken und den Handel gut zusammen
fassen. Beschlossen ist es, gute Werke sollen wir tun, und uns im Gehorsam des
Gesetzes üben; aber dadurch sehen wir das Reich Gottes nicht. Wollen wir
es aber sehen, so müssen nicht unsere Werke, sondern es muß ein anderer
und neuer Mensch werden. Dieses geschieht nicht durch die leibliche Geburt,
sondern durch Wasser und Geist; dieses sind die rechten Vater und Mutter zu
dieser neuen Frucht
16. Das Wasser nun ist anderes nichts, als die heilige Taufe. Denn also spricht
Christus, Markus im 16. Kapitel, Vers 16: " wer glaubt rund getauft wird,
der wird selig ". Nun aber hat das Wasser solche reine Kraft nicht von
Natur aus. Denn Wasser ist Wasser, das ist, ein Element und Kreatur, die für
sich selbst das Herz nicht rühren rund nicht ändern kann, oder die
Sünden ab waschen kann. Kleider, und was Unflath an der Haut ist, kann
man mit Wasser reinigen und säubern; aber die Seele läßt sich
durch Wasser nicht rühren noch reinigen. Das Wasser aber, wovon der Herr
hier spricht und wir dazu Taufwasser sagen, ist nicht ein bloßes, natürlich
es Wasser; sondern es ist ein Wasser, da Gottes Worte, Befehl und Verheißung
drin ist. Da kommen zwei Dinge zusammen, Wasser und Wort, rund werden so ineinander
gefügt, daß man keines vom anderen Abschneiden kann. Tust du das
Wort vom Wasser, so hast du keine Taufe; tust du das Wasser vom Wort, so hast
du auch keine Taufe. Wenn aber Wasser und Worte zusammen bleiben, da ist dann
ein solches Wasser, in welchem der heilige Geist ist, und durch dasselbe wirst
du zum Reich Gottes wieder geboren, das ist, dir deine Sünde vergeben und
dich selig machen will.
17. Darum sollen wir diesen Spruch fleißig merken, hauptsächlich
gegen das blinde Volk der Wiedertäufer, welche die Kindertaufe für
untüchtig und unfruchtbar achten. Aber wie kann diese Taufe untüchtig
sein, so du hier hörst, daß Christus das Wasser dazu auch wird, daß
es zur Wiedergeburt durch die Mitwirkung des heiligen Geistes helfen soll? So
nun die Kinder bedürfen, daß sie wieder geboren werden, und sonst
das Reich Gottes nicht sehen können: warum wollte man doch ihnen die Taufe
verweigern? Oder es dafür halten, als sollte solches Wasser, so in Gottes
Worte gefaßt und mit Gottes Wort verbunden ist, ihnen zur Wiedergeburt
nicht hilfreich sein? Ist es nicht wahr, daß die Worte Christie uns dahin
dringen, wer wieder geboren werden will, der muß durch das Wasser wieder
geboren werden? Also, obwohl das Wasser ohne den heiligen Geist nichts schafft,
so will dennoch der heilige Geist seine Wirkung ohne daß Wasser in uns
nicht haben.
18. Deswegen ist es ein schrecklicher großer Irrtum, daß an etlichen
Orten etliche Prediger die Kinder ohne Wasser gekauft haben. Denn soll die Taufe
richtig sein und der Mensch zur Wiedergeburt kommen, so muß nicht allein
Wort, nicht allein Geist, sondern auch Wasser dabei sein. Denn so hat es Christus
hier geordnet, und dieser Ordnung soll niemand brechen.
19. Das Wassertaufen sieht man mit den Augen, aber die Wirkung der Wiedergeburt,
welche der heilige Geist durch solches taufen dem Herzen anrichtet, sieht man
nicht. Auf das man aber um solcher heimlicher, unsichtbarer Wirkung Willen des
heiligen Geistes das äußerliche, schlechte, unansehnliche Wassertaufen
nicht verachte, darum spricht der Herr zu Nikodemus weiter:
Laß dichs nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: ihr müßt
von neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst
sein sausen wohl; aber du weißt nicht, von wo er kommt, und wohin er fährt.
Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist.
20. Dieses sind sehr einfältige Worte, wie auch das Werk einfältig
und schlecht ist. Denn es hat kein besonderes Ansehen bei unserer Vernunft.
Daß man ein Kind, oder einen alten Menschen herbringt, und bekennt, es
liege wegen der Sünden unter des Teufels Banden, und kann sich selbst davon
nicht freimachen, und soll doch in solcher hoher, großer Not mehr nicht
tun, denn das man im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes ein
wenig ins Wasser tauche oder mit Wasser begieße. Aber, spricht Christus,
verachte Jahr niemand um solches schlechten Aussehens willen dieses Werk. Denn
der heilige Geist führt sein Werk heimlich; da gehört der Glaube zu,
der die Worte faßt, und nicht daran zweifelt, es sei also, wie die Worte
hier lauten. Denn mit den Augen wirst du es nie sehen, verstehen noch fassen
können. Eben wie es mit dem Wind auch ist: den Wind hörst du sausen;
aber das durch ihn so solltest fassen, daß du sagen könntest: hier
fängt er an, da hörte auf, das ist nicht möglich. Also geht es
hier auch zu. Das äußerliche Werk mit dem Wasser sieht man, und hört
das Worte klingen oder sausen, daß es geschehe in Namen Jesu, zur Abwaschung
der Sünden. Wer an das Wort sich nicht halten, und den Geist und seine
Wirkung anders fassen oder suchen will, der wird fehlen. Denn soll er aus dem
Geist geboren werden, so gehört mehr nicht dazu, denn das wer sich taufen
läßt mit Wasser, und auf das sausen (das ist, auf das Wort) merke
auf dasselbe und mit Glauben annehme; so wird er zu dem Reich Gottes wieder
geboren, und durch nichts anderes.
21. Wo sind nun die läßterlichen Rotten und Schwärmer, die
mehr nicht können, denn vom Geist schreien und rühmen? Aber der ist
der böse Geist, der Teufel selbst, der sie leibhaftig besessen hat, weil
sie Taufe, Sakrament, Wort, die uns Christus selbst teuer erworben hat, als
unnötige, unnütze Dinge zur Seligkeit, verworfen haben. Gott Strafe
den Lästergeist. (Rotten und Schwärmer sind die Wiedertäufer)
Also lehrt aber Christus hier nicht, sondern weißt uns auf die heilige
Taufe und sausen, das ist, auf das Wort; und warnt, wo wir uns am Wasser und
sausen nicht genügen lassen können so werden wir nichts vom heiligen
Geist behalten und nie zu einer neuen Geburt kommen. Deswegen laßt uns
unsere Taufe und das Wort als unseren höchsten Schatz befohlen sein, da
wir gewiß wissen, wenn wir dabei bleiben, daß wir zum Reich Gottes
wieder geboren sind.
22. Das ist nun die Lehre, wie man zur Wiedergeburt, das ist, zum Reich Gottes,
kommen soll; eine neue, unerhörte Predigt in der Welt, aber die allein
gewiß und richtig ist, und uns nicht belügt. Dagegen sind aber alle
anderen Lehren falsch und belügen uns, sie haben vor der Welt einen großen
Schein. Es hatte auch das Leben der Pharisäer und das Judentum, sowie das
ganze Papsttum mit den Mönchen, dieses ist auch ein besonderer Schmuck
und großer Schein, wenn Menschen sich fein züchtig, ehrbar und nach
den zehn Geboten halten: aber durch dieses alles wird man nicht wieder geboren.
Allein das Wasser und der Geist muß es tun, welcher doch sich nicht anders
sehen oder merken lassen will, denn wie der Wind durch sein Sausen. Wer das
Sausen annimmt, das ist, wer dem Wort glaubt und getauft wird, der ist wieder
geboren und wird selig.
23. Aber Nikodemus steckt so tief in seinen Gedanken vom Gesetz und von guten
Werken, daß er diese Predigt nicht fassen und verstehen kann. Wie wir
ja bei den Katholiken auch sehen, die es richtig meinen und auch nicht böse
sind, aber das liegt ihnen im Wege, daß sie denken, soll unser Tun denn
nichts sein? Soll es den Gott nicht gefallen, daß wir so viel beten, fasten,
Tag und Nacht ihm dienen, so ein strenges Leben führen? Darum fährt
Christus den Nikodemus auch härter an, Walter unseren Heiland nicht Glauben
und auch nicht weisen lassen will, so spricht er:
Bist du ein Meister in Israel, und weißt das nicht?
24. Als wollte er sagen: du bist ein Meister im Volk Gottes, daß du Lehren
und ihm den Weg zur Seligkeit zeigen sollst. Ach deines lehrens und Wegweisens!
Du bist nicht einmal so weit gekommen, daß du deine eigene Natur und dein
eigenes Wesen gerecht erkennen kannst, dazu noch in den Gedanken stehst, du
würdest denn den Himmel kommen, auch wenn du nicht von neuen geboren bist.
Damit verwirft unser Heiland den Nikodemus und alle Prediger, die nicht mehr
als von Gesetz und guten Werken predigen können, als irrige und verführerische
Prediger: nicht darum, als sollte es nicht richtig sein Gute Werke zur Lehren
und die Leute dazu vermahnen; denn dieses tut Gott selbst durch sein Gesetz,
darum ist es recht gut getan, aber das ist Unrecht, daß man die Leute
bei dieser Lehre läßt, als wenn man nicht mehr zum ewigen Leben braucht.
Denn hier steht es klar, wenn man Gesetz und Werke aufs beste befolgt, so können
Sie doch zum Reich Gottes nicht helfen, das sei denn, daß man wieder geboren
wird durch Wasser und Geist.
25. Der Geist nun ist es, der durch das Wasser und Wort anderen Menschen und
neue Herzen macht. Das Gesetz und die Werke ändern an den Menschen und
an den Herzen nichts. Deswegen, wer die Leute zum Himmelreich richtig unterweisen
will, der höre was der Heiland hier sagt, fange es nicht mit Werken und
Gesetz an, welche das alte Herz nicht ändern, sondern weise die Menschen
zur Taufe und Geist, das ist, zum Wort, dadurch der heilige Geist die Herzen
anweht und neu gebiert. Denn eben wie wir von dem Winde mehr nicht erkennen
und wissen, als das Sausen: also haben wir vom heiligen Geist auch nicht mehr
denn als das Wort; da mögen wir uns dran halten, und des heiligen Geistes
und seiner Wirkung warten. Was nun solches Wort sei, und wieder heilige Geist
sause, lehrt der Herr Christus weiter, und spricht:
Niemand fährt in den Himmel, denn der vom Himmel herunter gekommen ist,
nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist.
26. Hier geht die Predigt an, da der Herr von sagt: " glaubt Ihr mir nicht,
wenn ich euch von irdischen Dingen sage; wie werdet Ihr mir glauben, wenn ich
euch von himmlischen Dingen sagen würde "? Denn diese Predigt ist
nie binnen eines Menschen Herz gekommen, sondern der eingeborene Sohn, in der
in des Vaters Schoß ist, hat es uns verkündigt. Nun hat solche Predigt
zwei Teile. Der erste Teil ist sehr hart und trefflich; denn da ist kurz beschlossen:
". Niemand fährt in den Himmel, denn der hernieder gekommen ist ".
27. Das ist genauso als wenn gesagt ist, wie oben: ". Es sei denn, daß
jemand wieder geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen ".;
das ist, kein Mensch kann zur Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Seligkeit
und ewigem Leben kommen durch das Gesetz, Gute Werke, Vernunft noch freien Willen;
ja wenn gleich das Gesetz, gute Werke, Vernunft rund freier Wille auf das beste
ist, hilft es doch nicht, wir sind und bleiben arme, verdammte Sünder,
und können in den Himmel nicht kommen. Dieses ist ein heller und klarer
Spruch, der den Juden und Katholiken, wo sie es glaubten, alles Vertrauen auf
eigene Werke und Frömmigkeit nehmen sollte. Denn, sage mir, welcher Mensch
ist vom Himmel gekommen? Keiner, Adam und Eva selbst nicht; der eingeborene
Sohn Gottes von der Jungfrau Maria ist es, wie Johannes hier sagt. So denn nun
niemand in den Himmel fahren soll, denn der vom Himmel heruntergekommen ist,
so ist es fest beschlossen, und wird immer mehr kein Mensch es anders machen
können. Alle Menschen, wie sie von Vater und Mutter auf diese Welt geboren
sind, müssen unten bleiben, und werden in den Himmel so nicht kommen, kommen
sie aber in den Himmel nicht, wo werden sie denn bleiben? Auf Erden haben sie
auch keine gewisse, beständige Herberge, denn sie müssen sterben.
Wenn sie aber nicht in den Himmel kommen, so müssen sie im Tode bleiben.
Dieses ist das Urteil, welches Christus über die ganze Welt fällt,
niemand ausgenommen, es sei Adam, Eva, Abraham, Mose, David, alle müssen
sie hier unten bleiben und können von sich selbst nicht in den Himmel kommen.
Denn der allein fährt in den Himmel, der vom Himmel herunter gekommen ist.
Wo bleiben denn nun die guten Werke, Verdienst, Gesetz, freier Wille? Alles
dieses gehörte in die Hölle, und hilft uns nicht in den Himmel, das
ist gewiß.
28. Ja, sprichst du, sollen denn alle Menschen verdammt sein und verloren werden?
Ja, ihretwegen ist es unmöglich, daß es könnte anders sein,
sie tun und lassen, was sie immer wollen oder können, sie werden doch keinen
Weg oder ein Loch in den Himmel machen. Ein einziger Weg aber ist es, den wir
nicht machen, sondern der Sohn Gottes. Davon Predigt Christus weiter, und sagt:
wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöht hat, also muß des
Menschen Sohn erhöht werden. Auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren
werden, sondern das ewige Leben haben.
29. Dieses ist der andere Teil von dieser himmlischen Predigt, und das rechte
sausen des heiligen Geistes; und es ist ja so tröstlich, wie der erste
Teil schrecklich ist. Denn ein schreckliches Urteil ist es, daß niemand
in den Himmel fahren und selig werden soll. Es dient aber solches schreckliches
Urteil dazu, daß der Herr damit zeigen will, wie unsere erste Geburt sündhaft
ist, und nichts an uns ist, dessen wir des ewigen Lebens wert sind, auf das
wir nicht allein sicher, noch hoffärtig werden, sondern in uns schlagen,
uns vor Gott demütigen und Gnade begehren. Da geht dann der richtige Trost
an, daß, eben wie du vorher gehört hast, kein Mensch in den Himmel
kommt: also hörst du hier, daß alle, die da glauben an Jesus Christus,
die sollen nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Das ist nun
das liebliche Sausen, wo man den heiligen Geist spüren und fassen kann.
30. Denn da müssen beide Predigten in der Christenheit gesprochen werden.
Die erste, von der Sünde und unserer verdorbenen Art und Natur, daß
wir unseres Werkes, Lebens, tun und Lassens wegen ganz verzagt sein müssen,
daß wir merken, so kommen wir nicht in den Himmel. Wo nun die Herzen durch
solche Predigt richtig getroffen und erschreckt sind, da muß auch der
Trost folgen, wie Jesus Christus, der Sohn Gottes, vom Himmel herunter auf die
Erde gekommen, unser Fleisch und Blut an sich genommen, und den Tod unserer
Sünde erlitten hat, auf das wir dadurch von den Sünden frei und wieder
zum Erbe des ewigen Lebens gebracht werden sollen. Wer diese Predigt annimmt,
daß er es fürwahr hält und sich tröstet, der ist genesen,
daß ihn Christus nicht hier unten auf Erden und im Tode lassen, sondern
will ihn mit sich hinauf in den Himmel führen.
31. Dieses ist die Predigt von himmlischen Dingen, diese will aber auch heute
nicht in die Leute, und besonders nicht in den Nikodemus, das ist, wenn die,
so mit den Gedanken kommen, wenn man das Gesetz halte, so bedarf man weiter
zur Seligkeit nichts mehr. Denn diese sind es, die erstlich nicht wissen, obgleich
das Gesetz recht und gut ist, daß es doch uns darum nicht helfen und nützen
kann, weil wir von Natur böse sind, und um solcher angeborenen mitgebrachten
Bosheit bewegen dem Gesetz nicht genug können tun, ob wir auch gleich dem
Schein der äußerliche Werke etwas tun. Zum anderen wissen sie das
viel weniger, daß wir durch diesen Menschen, den Sohn Marias, der allein
vom Himmel gekommen ist, in den Himmel kommen werden. Hier raus wächst
ein anderer sehr großer Schaden, daß sie nicht allein sich auf Werke
und eigene Gerechtigkeit verlassen, sondern sie verachten und verfolgen die
Gerechtigkeit, die da kommt aus dem Glauben an Jesu Cristum. Wie wir an den
Katholiken sehen, die nichts weniger dulden können, ja gegen nichts heftiger
streiten, denn daß wir lehren, wir müssen allein durch den Glauben
an Jesus Cristum selig werden, mit guten Werken werden wir es nicht ausrichten.
Das haben wir nicht erdacht; Christus, unseren Herrn, reden wir das nach, der
die Wahrheit selbst ist. Wer diesem nicht glauben will, der lasse es.
32. Im vierten Buch Mose, 21. Kapitel, steht eine solche Geschichte, daß
das Volk Israels in der Wüste verdrossen geworden war und gegen Mose gemurrt,
und besonders die herrliche Wohltat, daß ihnen Gott in der Wüste
ein Himmelsbrot gegebenen hat, verachtet haben. Solche Sünde straft Gott
also, daß er giftige Schlangen kommen ließ, die bissen die Israeliten.
Von diesem Biß entzündete sich der Leib, und brannte wie das höllische
Feuer das sie umfielen und viele davon sterben mußten. Da erkannten sie
ihre Sünde, daß sie unrecht getan hatten, und gingen zu Mose, und
baten, Mose soll den Herrn bitten, daß er ihnen von der Plage der Schlangen
helfen soll. Der Herr befahl Mose, er sollte einen eherne Schlange machen und
sie in der Wüste aufrichten, wer dann auf die eherne Schlange sieht, der
soll gesund werden und nicht sterben.
33. Diese Geschichte führt der Herr hier ein und zieht sie auf sich, daß
er auch also müsse erhöht werden, wie die Schlange. Wer dann das Ansehen,
das ist, wie er selbst auslegt, an ihn glauben wird, der soll nicht verloren
werden, sondern das ewige Leben haben.
34. Hier laßt uns zum ersten die Ursache des schrecklichen Urteils, daß
der Herr vorher zweimal über alle Menschen gefällt hat, da er spricht:
niemand fahre in den Himmel, denn des Menschen Sohn, der vom Himmel herunter
gekommen ist, also: es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, könne
er das Himmelreich nicht sehen. Wo kommt nun dem Menschen dieser Jammer her,
daß er nicht so in den Himmel kommen und bleiben kann, so wie er von erster
Geburt ist, auf ewig verloren ist? Nirgendwo anders wo her, denn daß die
alte Schlange, der Teufel, den ersten Menschen so gebissen und durch die Sünde
so vergiftet hat, daß er den Tod am Halse hat, und ist unmöglich,
daß er sich selbst eine Arznei geben oder sich selbst helfen könnte.
Wie man an den guten sieht, was gebissen war, war des Todes, es gab keine Arznei.
Also ist es mit uns allen. Denn der Sünden Sold ist der Tod, und wo Sünde
ist, da muß der Tod auch folgen. Weil nun alle Menschen in der ersten
Geburt von Vater und Mutter als Sünder geboren werden, müssen sie
auch das Urteil tragen und den Tod darum leiden. Wie der Herr dem Adam und Eva
mit ausdrücklichen in Worten droht: ". Welchen Tag ihr von diesem
Baum essen werdet, sollt ihr des Todes sterben ".
35. Aber da läßt Gott seine Barmherzigkeit leuchten, daß der
solche arme, vergiftete und zum Tode verurteilte Menschen nicht verderben will,
und eben, wie er dort heißt eine eherne Schlange aufrichten, die den anderen
Schlangen gleich aussah, aber daß sie kein Gift hatte und wieder dem Gift
helfen sollte, also läßt er seinen Sohn erhöhen am Stamm des
Kreuzes, auf das alle, die ihn Ansehen, nicht verloren, sondern vom Tode Heil
werden und das ewige Leben haben sollen. Unser Heiland führt am Kreuz auch
die Gestalt der giftigen Schlange, aber wer ist kein Gift, sondern nur das bloße
Ansehen. Denn Christus, ob er wohl unser Fleisch und Blut angenommen hat, so
ist es doch ein Fleisch und Blut ohne Gift und Sünde, ja, es dient dazu,
daß uns von den Gift und den Sünden geholfen wird.
36. Dieses ist das richtige sausen des Heiligen Geistes, dadurch Christus die
neue Geburt im Herzen anrichtet, daß man glaube, und solche eherne Schlange
mit gewisser Zuversicht Ansehen und gesund werde. Aber es wird bei den Juden
nicht anders gegangen sein, einige werden es verachtet und gesagt haben, meinst
du, daß dieser Anblick helfen wird? Ich glaube, wenn man diese oder einer
andere Arznei hätte, was aber soll die eherne Schlange für eine Kraft
haben? Oder, so eine Kraft bei ihr wäre, wie soll solche Kraft wirken,
wenn man die Schlange anfassen und aufs Maul drücken, aber das nur durch
das Ansehen uns soll geholfen werden?
37. So geht es noch heutigen Tages mit der rechten ehernen Schlange, unseren
Heiland Jesus Christus. Alle Menschen denken, soll ihnen geholfen werden, so
kann es das bloße Ansehen oder der Glaube nicht tun. Wer gute Werke tut
und sich nicht versündigt, der müßte bei Gott mehr Vorteile
haben. Darum predige man, es hilft doch nicht. Dieser nimmt sich dieses vor,
ein anderer etwas anderes, denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding. Sie wollen
einen anderen Weg zu der Gesundheit finden, denn das Ansehen, das ist, den Glauben
an Jesu Christus. Aber du lerne: Beschlossen ist es, der Teufel hat dich durch
die Sünde so vergiftet, um das du den ewigen Tod am Halse hast; da kannst
du nicht weglaufen, sondern mußt schlecht herhalten. Soll dir aber von
solchen Gift und dem Tod geholfen werden, so denke du an keine andere Arznei,
denn nur an diesen Anblick, daß du den erhöhten Christus am Kreuz
mit rechten Augen an siehst, daß er für dich gestorben, sein Leben
geopfert, mit seinem Tode für deine Sünde bezahlt, und dich also mit
Gott versöhnt hat. Glaubt du das und bist getauft, so bist du richtig wieder
geboren durch den Heiligen Geist zum Reich Gottes, da sollst du nicht dran zweifeln.
Denn das hast du oben gehört, daß diese Wiedergeburt so zugeht, daß
es auch kein anderes Mittel gibt denn nur das Sausen, das ist, an das Wort muß
man sich halten, und Glauben, wie es Christus uns vorsagt, daß es also
wahr und Armen sei.
38. Also haben wir auf das einfältigste die Lehre des heutigen Evangeliums:
daß wir Menschen von Natur Sünder und des ewigen Todes würdig
sind. Aber dadurch sollen wir vom ewigen Tod erlöst werden, wenn wir den
Menschen Cristum Jesum am Kreuz Ansehen, daß er für uns da bezahlt,
den Tod erwürgt, und uns mit Gott versöhnt und zum ewigen Leben gebracht
hat.
39. Diese Lehre ist es, die andere Menschen und ganze neue Herzen macht, daß
wir in Sünden, im Tod und anderen Anfechtung sagen können. "
Es ist wahr, die alte Schlange, der Teufel, hat mich übel gebissen und
schrecklich vergiftet, aber dagegen tröste ich mich, daß ich weiß,
wenn auch mein Herr Jesus Christus seiner Menschheit wegen auch das Ansehen
hat, er sei voller Gift wie eine andere Schlange, so hat er doch kein Gift an
sich, sondern darum hängt, daß er mich von meinem Gift reinigen,
und mir helfen will gegen meine Sünden, Tod und Teufel . Deswegen laß
nur den Teufel getrost kommen, laß den Teufel mich fressen und mir alles
Unglück anlegen, ich will mich an meinen Herrn und Heiland Jesus Christus
halten, und mich dessen Trösten, daß er darum erhöht ist, auf
das die, die an ihn Glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben
haben.
40. Wo also dieser Trost gegen das ewige Gift in Herzen ist, da wird
auch weiter ein feines, freundliches Leben folgen gegen andere Leute.
Wir können so etwas von unseren Herrn Jesus Christus erwarten, daß
er uns gegen alles Unglück hilft, so sollen auch wir Hilfe erweisen
wo wir können. Denn ein solcher Mensch sieht weit um sich, und ob
ihm gleich von anderen Leuten Unrecht geschieht, so läßt er
sich doch nicht zum Zorn reizen, sondern erbarmt sich über sie. Denn
er sieht, daß solches nirgends anders her kommt, denn von dem Gift,
welches wir alles durch den Biß des Teufels empfangen haben, sucht
deswegen Mittel, wie er andere auch dahin bringen kann, daß sie
zu dieser Arznei kommen und von den schädlichen Gift erlöst
werden. Also ist diese Lehre der rechte Brunnen und Quelle, da alle Tugend,
alle Trost, alle Freude und Sicherheit her kommt. Gott, der allmächtige,
barmherzige Vater, möchte uns um seines lieben Sohnes Christi Willen
in dieser Lehre erhalten und daß wir von Tag zu Tag darin wachsen,
daß wir ja den Anblick nicht verlieren, und also durch rechten Glauben
an Jesus Christus vom ewigen Tode erlöst werden,
Armen.
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