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Und es begab sich danach, daß er in eine Stadt mit Namen Nain ging; und
seiner Jünger gingen viel mit ihm und viel Volks. Als er aber nahe an das
Stadttor kam, da trug man einen Toten heraus, der ein einiger Sohn war seiner
Mutter; und sie war eine Witwe, und viel Volks aus der Stadt ging mit ihr. Und
da sie der Herr sah, jammerte ihn derselbigen und sprach zu ihr: Weine nicht.
Und trat hinzu und rührte den Sarg an, und die Träger standen. Und
er sprach: Jüngling, ich sage dir, stehe auf. Und der Tote richtete sich
auf und fing an zu reden. Und er gab ihn seiner Mutter. Und es kam sie alle
eine Furcht an und preiseten Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet
unter uns aufgestanden, und Gott hat sein Volk heimgesucht. Und diese Rede von
ihm erscholl in das ganze jüdische Land und in alle umliegende Länder.
1. Vom heutigen Evangelium wäre viel zu predigen. Wir wollen aber nur
bei den zwei Stücken bleiben: das erste, wie wir uns gegen den Toten trösten
sollen; denn an solchem Trost und Lehre ist am meisten gelegen; das andere,
von christlicher Barmherzigkeit und Mitleiden, daß wir unter einander
haben sollen.
2. Eure Liebe hören hier von einer armen Witwe, die ihren Mann verloren
hat, und stirbt ihr endlich ihr einiger Sohn auch, daß sie überall
elend und arm ist. Denn im Judentum war es für ein besonders großes
Unglück gerechnet, wo kein Sohn im Hause war, darum, daß der Juden
Regiment so stand, daß sie sollten Erben haben. Ist deswegen dies Weib
eine elende bekümmerte Witwe, und hat das Ansehen, als sei ihr Gott feind
und habe ihrer ganz vergessen, daß er zuerst den Mann und danach den Sohn
ihr nimmt. Es wäre deshalb ein Wunder, daß sie an Gott nicht gezweifelt
hätte.
3. Dieses Weibes nimmt unser lieber Herr Christus sich an, hat ein Mitleiden
mit ihr, und macht den Sohn lebendig und gibt ihn ihr wieder, daß die
Freude zehnmal größer wird, denn als das Leid zuvor war. Und es ist
ein Wunder, daß sie vor Freude nicht niedergefallen und gestorben ist.
4. Diese Geschichte sollen wir uns darum merken, daß wir lernen sollen
unseren Glauben damit stärken und fest machen. Denn es ist dem Herrn Christus
hier nicht allein um dieses Weib zu tun; er will uns alle lehren, wie es so
ein gering Ding um den Tod sei, damit wir uns nicht davor fürchten, sondern
mit geduldigem Herzen hingehen, und des Todes und anderes Unglücks nicht
achten sollen; weil wir so einen Herrn an ihm haben, der also leicht helfen,
und Tod und alles Unglück wenden kann. Denn sie hier, wie bald und leicht
es zugeht, da diesem Weib geholfen wird, da sie doch an aller Hilfe mußte
verzweifeln. Denn wer wollte hoffen, daß der verstorbene Sohn, den man
jetzt hin zum Begräbnis trug, sollte wieder lebendig werden?
5. Da nun alle Hoffnung dahin ist, kommt unser lieber Herr Christus, tut nicht
mehr, denn daß er sagt: " Jüngling, ich sage dir, stehe auf
". Alsbald richtet sich der Tote auf und lebt. Da müssen wir bekennen,
daß der Tod vor des Herrn Augen genau so ist wie das Leben; und ist ihm
gleich viel, wir leben oder sterben. Denn wenn wir schon gestorben sind, so
sind wir vor ihm nicht gestorben. Ursache, es ist ihm nur um ein Wort zu tun,
so ist der Tod hin und das Leben kommt wieder. Das also Christus recht sagt
im Evangelium: " Gott ist ein Gott der Lebendigen, und nicht der Toten
". Denn obwohl Abraham, Isaak, Jakob und andere heilige Patriarchen gestorben
sind, so leben sie doch Gott.
6. Deswegen sollen wir aus dem heutigen Evangelium an dieser Witwe Sohn lernen
die große Macht, die Gott an uns erweisen wird durch Christum am jüngsten
Tag, da er mit einem Wort alle Menschen hervor rufen wird aus dem Tode und die
Gläubigen ewig selig machen. Solches wird in einem Augenblick geschehen,
auf das wir ja nicht daran zweifeln, daß es beides bei dem Herrn Christus
sei: die Macht, daß er es tun kann, wie er hier bewiesen, und der Wille,
daß er es gern tun will. Denn hier steht das Beispiel. Der Witwe Sohn
ist Tod, und er hat das Gehör und alle Sinne verloren. Aber sobald Christus
mit ihm redet, hört er. Das ist doch eine seltsame, wunderbare Geschichte:
der da nicht hört, der hört; der da nicht lebt, der lebt. Und geschieht
doch mehr nicht, denn das Christus seinen Mund auftut, heißt ihn aufstehen.
Das einige Wort ist so mächtig, daß der Tod weichen muß und
das Leben wieder kommen.
7. Weil wir aber sehen, daß Christus uns so leicht aus dem Tode reißen
und zum Leben bringen, und sehen hier, daß er es gern tun will; denn da
ist kein Mensch, der ihn darum bittet, es jammerte ihn der armen Witwe Not,
und ungebeten geht er hinzu, und macht ihren Sohn wieder lebendig: darum sollen
wir dieses Beispiel annehmen und uns vor dem Tod nicht erschrecken, sondern
uns des Herrn Christi trösten. Denn um unseretwillen ist es also geschehen.
Als wollte er sagen: Ich weiß wohl, daß ihr euch vor dem Tode fürchtet;
aber fürchtet euch nicht, euer Herz erschrecke nicht. Denn was kann er
euch tun, wenn er gleich böse ist? Schrecken kann er euch. Aber dagegen
lernt, daß ihr nicht allein dahin sehet, wie ihr es fühlet, und also
eurem Schrecken folget, sondern sehet auf mich, was ich tun kann und was nicht
gern tun will, nämlich, daß ich euch eben genau so leicht aus dem
Tode erwecken kann, als ob ihr jemand auf dem Bette und aus dem Schlafe wecket.
Und will es dazu mit Lust und gern tun. Daß es also weder am Willen, noch
an der Kraft und dem Vermögen fehlen soll.
8. Da muß aus folgen, daß die Verstorbenen, so auf dem Friedhof
und unter der Erde liegen, wohl leiser schlafen, denn wir in unserm Bette. Denn
das kann wohl geschehen, daß du so hart schläfst, daß man dir
zehnmal ruft, ehe du einmal hörst. Die Toten aber hören von einem
einzigen Wort Christi, und wachen wieder auf, wie man hier am Jüngling,
und Johannes 11. an dem Lazarus sieht.
9. Darum heißt der Tod vor unserm Herrn Gott nicht Tod. Vor uns heißt
er und ist ein Tod, wenn wir sterben; denn wir liegen da und können uns
selbst nicht helfen. Aber vor Gott ist er so ein leiser Schlaf, daß Christus
kein Wort kann reden, wir hören es und werden davon lebendig.
10. Das wollte unser lieber Herr Christus uns gern lehren, auf das wir nicht
erschrecken, wenn gleich Pest oder der Tod selber kommt, sondern sagen: Was
kannst du denn, Tod, wenn du am bösesten bist? Du hast schreckliche Zähne,
die zeigst du, und schreckst mich; denn ich sterbe nicht gern. Aber da will
ich nicht hinsehen, was du allein tust, und wie du, gleich als der Henker, das
Schwert ziehst; sondern ich will denken und sehen, was unser Herr Gott dazu
tun kann und was er dazu tun will, wenn du mich gewürgt hast, nämlich,
daß er sich vor dir nicht fürchtet, und fragt nach deinem Wüten
und Würgen nichts; sondern er spricht: " Tod, ich will dein Tod sein;
Hölle, ich will deine Pest sein ". Kannst du meine Christen Würgen,
so kann ich dich wieder Würgen und sie lebendig machen.
11. Das ist der Trost, welchen der Herr in dem heutigen Evangelium uns vorhält,
daß die Christen, ob sie gleich sterben, nicht tot sind, sondern sie schlafen,
und schlafen so leise, daß Christus sie mit einem Finger, ja, mit einem
einzigen Wort wecken kann. Das ist aber dem Tod eine kleine Ehre, daß
wenn er am zornigsten ist, er nicht mehr tun wird und ausrichten soll, denn
einen Menschen schlafen legen, daß Christus ihn wieder vom Tod mit einem
Wort auferwecke; wie er sagt Johannes 5,25.: " Es kommt die Stunde, in
welcher alle, die in den Gräbern sind, werden die Stimme des Menschensohnes
hören, und werden hervorgehen, die da Gutes getan haben, zur Auferstehung
des Lebens; die aber Übels getan haben, zu der Auferstehung des Gerichts
".
12. Den Trost haben die Christen; Türken und Juden haben ihn nicht, unsere
Katholiken haben ihnen auch nicht. Sie wissen wohl, daß sie sterben müssen,
und das Gottes Gericht und die Hölle ist. Was tun sie aber? Sie setzen
ihr Herz und Hoffnung nicht auf Christum, sondern laufen ihm entgegen mit ihrem
Messe halten, Fasten und anderem. Und halten Christum für anderes nichts,
denn für einen Richter, der darum da sei, daß er verdammen und richten
wolle. Das ist ein schrecklicher Irrtum und der leidige Teufel selbst, daß
sie Christum böser machen, denn als den Tod selbst. darum fürchten
sie sich vor dem jüngsten Tag, und haben ein blödes, verzagtes Herz
.
13. Das tun die Christen nicht. Die wissen wohl, daß Christus die Ungläubigen
an jüngsten Tage richten wird, die daß Wort nicht annehmen noch glauben
wollen. Aber da machen sie einen Unterschied und sprechen: Ich bin getauft,
und glaube an meinen Herrn Jesu Christum, daß er für meine Sünde
gestorben und durch seine Auferstehung mir die Gerechtigkeit und ewiges Leben
erworben habe. Was wollte ich denn mich fürchten? Er ist nicht mein Feind,
sondern mein Freund und Fürsprecher bei dem Vater. Darum obgleich der jüngste
Tag herein bricht, oder ich sonst sterbe, da liegt nicht an. Mein Herr Jesus
Christus sieht dem Tod eine kleine Weile zu, wie er mich würget. Und wenn
der Tod meint, es sei mit mir gar aus, ich sei gestorben, so schlafe ich nur;
und schlafe so süß und leise, daß der Herr Christus den Mund
nicht kann auftun, ich wäre es und stehe auf zum ewigen Leben.
14. Das laßt uns lernen und wohl merken, daß wir uns vor dem Tode
und dem jüngsten Tage nicht fürchten. Denn Christus kommt nicht, daß
der uns richten und verdammen wolle; er kommt, wie er hier zu der elenden Witwe
und ihrem Sohn gekommen ist, daß er vom Tode uns auf erwecken und uns
wieder zurechtbringen wolle, daß wir wieder hören, sehen, reden und
anderes können. Also will er zu uns allen kommen, die wir an ihn glauben,
und uns selig machen. Die aber nicht glauben, die wird er richten.
15. Darum sollen wir lernen dieses Heilandes begehren und ihm glauben, und
in fester Zuversicht solche Hilfe und Gnade je länger je gewisser werden,
und uns vor dem Tode und vor dem jüngsten Tage nicht fürchten. Wer
sich aber fürchtet, der folgt dem alten Adam und seinem Fleisch, und nicht
dem Herrn Christo, nach seinem Wort. Denn gewiß ist es, daß Christus
am jüngsten Tage kommen und uns wieder vom Tode aufwecken wird. Deswegen
ruhen der Christen Körper im Grabe, und schlafen, bis Christus komme und
klopfen an das Grab und spreche: auf, auf! Dann werden wir auferstehen, als
aus einem sanften, lieblichen Schlaf, und ewig mit dem Herrn Christus leben
und fröhlich sein.
16. Also soll ein Christ einen anderes Herz haben, denn Türken, Juden
oder Katholiken; die werden kleinmütig, erschrecken und verzagen in den
letzten Zügen, daß sie nicht wissen, wie sie ein noch auskommen.
Und es geschieht ihnen recht. Warum lernen sie nicht und glauben auch, daß
Christus ein Heiland der Gläubigen, aber ein Richter über die Ungläubigen
sei? Warum hören sie das Evangelium nicht, sondern verfolgen es, welches
doch lehrt, wo wir uns des Herrn Christus trösten, daß er will unser
Arzt, Helfer und Retter sein wider den Tod und Teufel. Aber sie stopfen die
Ohren zu, und wollen weder hören, noch glauben, und suchen andere Mittel
und Wege, dadurch sie dem Tod glauben zu entlaufen. Solches kann Christus nicht
dulden, und muß der Ungläubigen Richter sein, da er gern, wo sie
ein ihn glaubten, ihr Heiland sein wollte. Denn sie sind ihm Feind, und wollen
seines Reiches nicht annehmen. Darum muß Christus sich als ein Richter
gegen sie beweisen. Den Frommen aber, die sich sein trösten, will er Friede
schaffen und Ruhe in Ewigkeit.
17. Nach dieser Lehre, die des Glaubens Lehre heißt, sollen wir auch
vom Herrn Christus lernen barmherzig sein. Wir hören im Jahr oft von der
Liebe, daß eines dem anderen dienen soll. Aber barmherzig sein, ist etwas
mehr, ähnlich, daß man sich anderer Leute Jammer und Elend annehme.
Als, wenn ich einen armen oder kranken Nachbarn habe, da soll ich nicht allein
ihm gern helfen, sondern es soll auch sein Elend mich jammern, als wäre
es meine eigene Sache. Wie wir hier am Herrn sehen, der ist ein Fremder, unbekannter
Gast; als er aber das Elend an der Witwe sieht, nimmt er sich dieses an, als
wäre es sein eigener Sohn, weint mit der Mutter, tröstet sie und hilft
ihr.
18. Das ist das Beispiel der Liebe, welche folgen soll auf den Glauben, und
wird auch nicht außen bleiben, wenn der Glaube rechtschaffen ist. Auf
das wir nicht tun, wie die Bösen, verdorbenen Leute, deren jetzt so viel
sind, auch unter uns, die Herzen haben von Stein und Holz, und treiben noch
das Gelächter dazu, wenn sie sehen, daß es ihren Nachbarn übel
geht, ja, tut ihnen wehe, daß jemand einen Pfennig hat. Aber mit den Christen
sollte es nicht so sein; die sollen sich es erbarmen lassen, wo sie Not sehen,
und fröhlich sein, wenn es anderen Leuten wohl geht. Wie Paulus sagt, daß
man mit den Weinenenden weinen und mit den fröhlichen sich freuen soll,
und nicht tun wie die Steine und Klötze, die sich anderer Leute Unglück
freuen, und wollten gern, es hätte niemand etwas, denn sie.
19. Nun ist aber die Barmherzigkeit zweierlei; wie denn die Not auch zweierlei
ist, geistlich und leiblich. Den leiblichen Nöten soll man zulaufen, helfen,
raten, womit man kann, wenn man sieht, daß die armen Leute der Hilfe brauchen
weil sie sich nicht selbst helfen können.
20. Geistliche Not heißt, wo man an der Seele Not leidet. Als, wenn ich
sehe, daß ein junger Mensch daher wächst, will die Predigt nicht
hören, ja, verachtet sie, kann nicht beten, ist unzüchtig, Ungehorsam
und voll Untugend. Wenn man einen solchen mahnt, und will es nicht helfen, mit
ernstlichen Worten straft, ja, auch Ruten und Knüppel aufträgt, daß
der Sünde und Art in der Zeit gewehret werde: das heißt Barmherzigkeit
geübt. Denn wo die Seele solche Untugend auf sich hat, das ist weit gefährlicher
und Ärger, denn so der Leib krank ist. Darum ist man schuldig, Barmherzigkeit
an einem solchen Menschen zu erzeigen, wie man kann, mit Worten, Schlägen
und Ruten.
21. Ja, sprichst du, es ist eine greuliche Barmherzigkeit, Ruten auf die Haut
zu legen. Wie soll man ihm tun? Wenn es nötig ist, kann man es nicht umgehen.
Müssen doch auch die Ärzte ein Bein oder Arm abnehmen, auf das der
Leib errettet werde. Also ist es hier auch. Denn solche Strafe nimmt man darum
vor, daß du Fromm und vom Teufel und seinem Reich erledigt werdest. Ist
es nicht wahr, wenn du in ein Wasser fallen würdest, du würdest mir
noch dazu danken, daß ich dich beim Haar erwischt und fest hielte, und
nicht danach fragen, daß es dir sehr wehe täte? So du nun in leiblichen
Nöten leiden kannst und leidest es gern, daß man dir wehe tut, weil
es dein Nutz ist: warum wolltest du hier zürnen, da es nicht um das zeitliche
Leben, sondern um das ewige, und nicht um den Leib, sondern um die Seele zu
tun ist?
22. Also ist es auch ein Art der Barmherzigkeit, daß Gott belohnen will,
wo böse Kinder und Knechte im Hause besinnt, daß man einen Stock
in die Hand nehme und schmiere ihnen die Haut damit. Solches ist eine geistliche
Salbe wieder der Seelen Krankheit, die da heißt Ungehorsam gegen Vater
und Mutter, gegen Herr und Frau im Hause. So ist es nun ein Werk der Barmherzigkeit,
so man den Menschen ansieht in seinen Jammer und Elend, und hilft ihm.
23. Auf solche Barmherzigkeit sollte besonders Vater und Mutter im Hause mit
Kindern und Knechten, und die Obrigkeit im Regiment sehen mit ihren Untertanen;
und sich ja hüten, daß sie zu solcher Barmherzigkeit nicht unbillig
noch faul würden, wie es doch leider geschieht. Denn wer da wollte barmherzig
sein und die Sünde nicht strafen, der würde eine zweifache Unbarmherzigkeit
seinem Nächsten beweisen, und deswegen Gottes Zorn auf sich laden. Der
leibliche Jammer kann auch groß sein. Als, wenn jemand ins Wasser oder
Feuer fällt, da sieht man nicht danach, wie man dich leise angreifen und
dir nicht möchte weh tun, sondern wie man dich erhalte. Warum wollte man
denn in geistlichem Jammer und Not nach demselben sehen? Deswegen sollen harte
Worte, harte Schläge und aller Ernst da gebraucht werden, daß man
die armen Leute rette und aus des Teufels Netze zum Gehorsam bringe.
24. Darum merke das Beispiel unseres lieben Herrn Christus hier, und lerne,
was Barmherzigkeit sei, nämlich, eine solche Tugend, die sich des nächsten
Jammers annimmt. Der ist aber, wie gesagt, zweierlei. Ein leiblicher Jammer,
als der ist, krank sein, arm sein, und dergleichen. Wo du solchen Jammer an
deinem nächsten dir zu Herzen gehen läßt, daß du deinen
Schaden tust, auf das du ihm hilfst: das ist recht und wohl getan, und heißt
nicht allein dem nächsten, sondern auch Gott gedient, der will es auch
belohnen. Der geistliche Jammer ist die Sünde; als da ist, im Hause, Ungehorsam,
Unfleiß, ärgerliche Worte und Werke. Da heißt Barmherzigkeit,
wenn man denen Knechten übel zuredet und straft. Will es nicht helfen,
so befiel das übrige dem Henker; denn es muß doch bestraft werden.
Denn der Henker ist auch ein barmherziger Prediger; besonders bösen Buben
welchen weder zur raten noch zu helfen ist, sie verderben sich und andere Leute,
wo man die Barmherzigkeit an ihnen nicht übte und mit dem Schwert nicht
wehren würde.
25. Also ist das Köpfen und Henken, obwohl es gleich schrecklich ist und
wehe tut, ein Werk der Barmherzigkeit. Denn wo es nicht wäre, würdest
du keinen Bissen mit Frieden essen und keinen ganzen Fleck an deiner Haut behalten
können. Darum lerne Barmherzigkeit üben, ein jeder in seinem Beruf,
und hilf, nicht allein wo leiblicher, sondern auch, wo geistliche Jammer vorhanden
ist.
26. Das sind die zwei Lehren aus dem heutigen Evangelium. Die eine Lehre vom
Glauben: daß wir unerschrocken sollen sein, wenn es übel zugeht,
und besonders, wenn wir Sterben sollen, und denken, daß wir am Herrn Christus
so einen Helfer haben, der ein Wort hat, daß allmächtig ist. Darum
soll man an ihm nicht verzagen. An uns selbst und an den Leuten kann man verzagen;
ja, man muß wohl an ihnen verzagen. Denn dem Tod können sie nicht
steuern, der ist ihnen zu mächtig. Aber in Gott und seinen Sohn Jesu sollen
wir mutig sein. Denn was wir nicht können, das kann er; was wir nicht haben,
daß hat er. Können wir uns nicht helfen, so kann er helfen, und will
es sehr gern und willig tun, wie man hier sieht. Wo ein solches Herz ist, daß
getrost am Herrn Christus hält, daß geht im rechten Dienst, der Gott
gefällt. Die anderen, die verzagen und verzweifeln, die sind ihm feind
und halten ihn für keinen Gott, sonst würden sie sich sein trösten.
Die andere Lehre ist, daß wir, wie Christus, unseres nächsten Not
uns sollen annehmen und jammern lassen. Unser lieber Herr Gott verleihe seine
Gnade, daß wir beides lernen, und mit den Frommen Leuten hier im Evangelium
den Herrn Christum um seine Wohltat auch in Ewigkeit preisen, Amen.
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