|
Und Jesus antwortete und redete abermal durch Gleichnisse zu ihnen und sprach:
Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Sohne Hochzeit machte;
und sandte seine Knechte aus, daß sie den Gästen zur Hochzeit riefen;
und sie wollten nicht kommen. Abermal sandte er andere Knechte aus und sprach:
Sage den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen
und mein Mastvieh ist geschlachtet und alles bereit; kommet zur Hochzeit. Aber
sie verachteten das und gingen hin, einer auf seinen Acker, der andere zu seiner
Hantierung. Etliche aber griffen seine Knechte, höhneten und töteten
sie. Da daß der König hörte, ward er zornig und schickte seine
Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an. Dar
sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit; aber die Gäste
warens nicht wert. Darum gehet hin auf die Straßen und ladet zu Hochzeit,
wen ihr findet. Und die Knechte gingen auf die Straßen und brachten zusammen,
wen sie fanden, Böse und Gute. Und die Tische wurden alle voll. Da ging
der König hinein, die Gäste zu besehen; und sahe allda einen Menschen,
der hatte kein hochzeitlich Kleid an. Und sprach zu ihm: Freund, wie bist du
herein kommen und hast doch kein hochzeitlich Kleid an. Er aber verstummte.
Da sprach der Könige zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße
und werfet ihn in die äußerste Finsternis hinaus, da wird sein Heulen
und Zähneklappen; denn viele sind berufen; aber wenige sind auserwählt.
1. In dem heutigen Evangelium hört ihr, wie das Reich Gottes einer Hochzeit
gleich sei, und einer solchen Hochzeit, da man Gäste zu ladet, die nicht
allein ausbleiben und verachten es; sondern eines Teils fahren sie noch zu,
höhnen und töten die Knechte, so solche herrliche Hochzeit ihnen anzeigen,
und sie dazu laden und bitten.
2. Hier soll man zuerst lernen, was das Wort " Himmelreich " heiße,
nämlich, daß es nicht heiße ein Königreich auf Erden,
sondern ein Reich im Himmel, da Gott selbst allein König ist. Das heißen
wir die christliche Kirche, die hier auf Erden ist. Denn der Herr braucht darum
dies Gleichnis von der Hochzeit, daß des Königs Sohn, unser lieber
Herr, der Herr Christus, die Kirche sich zur Braut nimmt. Darum sollen man das
Himmelreich auch also verstehen lernen, daß es sei hier unten auf Erden,
und sei doch nicht ein weltlich noch zeitlich Reich, sondern ein geistliches
und ewiges. Denn mit uns Christen hier auf Erden geht es also, daß wir
schon mehr denn die Hälfte im Himmelreich sind, nämlich, mit der Seelen
und Geist, oder nach dem Glauben, bis der Leib endlich auch nach kommt.
3. Darum, wenn du vom Himmelreich hörst, sollst du nicht allein hinauf
gen Himmel gaffen, sondern hier unten bleiben, und es unter den Leuten suchen,
soweit die ganze Welt ist, da man das Evangelium lehrt, an Christum glaubt und
die Heiligen Sakramente in rechtem Brauch hat. Das also auf gut Deutsch das
Himmel Reich ebenso heißt, als das Reich Christi, das Reich des Evangeliums
und des Glaubens.
4. Denn wo das Evangelium ist, da ist Christus. Wo Christus ist, da es der
Heilige Geist und zu sein Reich, das Rechte Himmelreich; und alle, so daß
Wort und Sakrament haben und Glauben, und durch den Glauben in Christum bleiben,
sind himmlische Fürsten und Kinder Gottes. Und ist allein darum zu tun,
daß unser Herr Gott die Wand weg tue, die noch dazwischen ist, das ist,
daß wir sterben, so wird es alsdann eitel Himmel und Seligkeit sein.
5. So sollt ihr nun auf das erste lernen, daß das Himmelreich heiße
unseres Herrn Christi Reich, da das Wort und der Glaube ist. In solchem Reich
haben wir das Leben in der Hoffnung, und sind, dem Wort und Glauben nach zu
rechnen, rein von Sünden und ledig vom Tod und Hölle, ohne daß
es noch am alten Sack und faulen Fleisch fehlt. Der Sack ist noch nicht zerrissen,
daß Fleisch ist noch nicht weg getan; das muß zuvor geschehen, alsdann
soll es mit uns eitel Leben, Gerechtigkeit und Seligkeit sein.
6. Zu solcher Hochzeit, sagt Christus, habe unser Herr Gott sein Volk, die
Juden, berufen und laden lassen, zu Hochzeit, ehe Christus gekommen ist, durch
die Heiligen Propheten. Denn derselben vornehmstes Amt ist gewesen, daß
sie die Juden haben warten heißen auf die Hochzeit, das ist, sie haben
ihr Volk vertröstet, daß der Sohn Gottes werde Mensch werden, und
durch sein Sterben für aller Welt Sünde bezahlen, und durch seine
Auferstehung des Todes und des Teufels Reich und Gewalt zerreißen, und
danach das Evangelium lassen ausgehen durch die ganze Welt, und Vergebung der
Sünden und das ewige Leben in seinem Namen jedermann predigen lassen. Auf
solche gnadenreiche Predigt haben die Heiligen Propheten die Leute heißen
warten und sich derselben trösten, und durch Christum Vergebung aller Sünden
und das ewige Leben hoffen.
7. Aber Christus sagt hier: Sie blieben außen und wollten nicht kommen.
Eben wie die Juden in der Wüste, die wieder hinter sich begehrten nach
Ägypten. Danach schickt er andere Knechte aus, da es jetzt an der Zeit
war, daß Christus kommen und sich mit Predigen hören und mit Wunderzeichen
sehen lassen sollte. Denn da war Johannes und die Jünger Christi, die sagten,
es wäre die Mahlzeit bereit, und fehlte an nichts mehr, denn daß
sie alles liegen und stehen lassen, sich schmücken und zu Hochzeit schicken
sollten. Aber es war auch umsonst; sie verachteten es, spricht der Herr, gingen
hin, einer zu seinem Acker, der andere zu seiner Hantierung.
8. Sind aber solches nicht elende, unselige Leute, so um ihres Ackers oder
Hantierung willen dieser herrliche Mahlzeit, nämlich, Vergebung der Sünden
und ewiges Leben, verachten, und dennoch die Hoffnung haben, es soll ihnen wohl
dabei gehen? Denn sonst würden sie sich den Acker oder die Hantierung nicht
so sehr lieb sein lassen, daß sie darüber diese Mahlzeit versäumten.
9. Aber es geht dem lieben Evangelium immer so, wenn es unter die Leute kommt,
so fängt das Spiel an, daß die Welt ärger wird denn zuvor und
jedermann hantieren will. Damit machen sie sich viel zu schaffen, daß
sie dieser Einladung nicht können folgen. Also soll es auch gehen.
10. Darum ärgere sich nur niemand an der jetzigen Welt, da Bürger
und Bauern so schändlich geizen, einen solchen Stolz und Übermut treiben,
besonders aber ihre Pfarrer, die sie zu solcher Mahlzeit laden, und freundlicher,
ja ärger, denn ihre Knechte, halten. Solches, sage ich, lasse sich niemand
ärgern, daß er denken wollte: Es geht den Leuten wohl bei ihrem Acker
oder Hantierung; ich will es ihnen nachtun. Bei Leibe nicht! Denn unser Herr
Gott ist ein gütiger Wirt, der eine Zeitlang die Zeche borgen kann; er
schenkt sie aber darum nicht. Als, jetzt sieht er zu, läßt Bürger
und Bauern all ihren Mutwillen treiben, daß Evangelium und alle treue
Ermahnung und Lehre verachten, Geld sammeln, alles, was man bedarf, Holz, Korn,
Butter, Eier verteuern, schweigt still dazu, als sähe er er es nicht. Aber
wenn er heute oder morgen kommt mit einer Pest, daß sie häufig dahin
fallen wie das unzeitige Obst, oder mit einem Krieg, daß die Soldaten
dir ins Haus fallen, nehmen, was sie finden, und schlagen dir die Haut voll
dazu, erwürgen sie dich nicht ganz, schänden Weib und Kind, und lassen
dich zusehen, und darüber Zeter und Mord schreien: O wie gehet unser Herr
Gott so greulich mit uns um!
11. Da wird es sich finden, was Gott für Wohlgefallen an deinem Geiz,
Mutwillen und Stolz gehabt habe. Denn es wird also heißen: Lieber, konntest
du zuvor geizen, Stolz und mutwillig sein, und mein Wort verachten; so nimm
es jetzt auch für gut, und siehe hinter sich auf das Kerbholz. Du hast
lange gezecht mein Lieber, bezahle auch einmal und halte dafür den Hals
her. Also wird es endlich hinausgehen. Darum wäre es gut, beizeiten abgelassen
und sich gebessert; wie wir denn durch das Wort fleißig vermahnt werden.
Wir wollten es wohl gern also haben, daß wir Gottes Wort verachten, und
tun möchten, was wir wollten, und dennoch Gott uns nicht strafte. Ja, man
müßte es uns so bestellen. Weiter folgt im Evangelium:
12. Etliche, die geladen wurden, waren noch böser, griffen die Knechte,
legten ihnen alle Schmach und Schande an, und töten sie endlich dazu. Damit
meint der Herr besonders die Stadt Jerusalem, die würgte die Propheten
und endlich Gottes Sohn selbst.
13. Was geschah aber? Der König ward zornig, und schickte sein Heer, die
Römer, aus; sie mußten in seinem Dienst sein, die Mörder umbringen,
die Stadt mit Feuer verbrennen, und so greulich mit den Juden umgehen, daß
sie sie billiger verkauften denn Sperlinge, dreißig um einen Pfennig.
Da ging ein erbärmliches Schreien und Klagen an, daß es möchte
Gott im Himmel erbarmet haben. Aber sie wollten es also so haben. Sie hatte
lang gezecht und sich vergeblich predigen lassen, da mußten sie die Zeche
einmal bezahlen: Gott wollte sie wieder nicht hören. Davor hüte du
dich.
14. Wir haben zwar ohne daß sonst viel auf uns, das unseren Herrn Gott
billig verdrießt: Zorn, Ungeduld, Geiz, Bauchsorge, Brunst, Unzucht, Haß
und andere Laster, sind eitel große, greuliche Todsünden, die überall
mit Macht in der Welt gehen und überhand nehmen; dennoch sind solche Sünden
nichts gegen die greuliche Verachtung göttlichen Wortes, die so groß
und gemein ist bei allerlei Ständen und Menschen, daß es zum erbarmen
ist. Nun ist es aber gewiß und wahr, Gott wollte mit den anderen Sünden
eine Zeitlang Geduld haben, wenn man nur das Wort gehen ließe und in Ehren
hielte. Aber die Welt will nicht. Des Wortes wird sie bald satt, verachtet es,
und stellt sich dagegen gleich wie ein Kranker zur Speise und Arzenei; da muß
denn Gott zürnen und solche Unbilligkeit strafen.
15. Über solchen Jammer, daß die Sünde so gemein ist, ist es
auch darum eine schreckliche höllische, teuflische Sünde, daß
sie sich nicht will erkennen lassen, wie andere Sünde. Jedermann hält
es für ein geringes Ding, wenn man in der Predigt ist und nicht fleißig
darauf merkt; ja, der meiste Teil geht so hin, und läßt sich denken,
es schmecke ihm der Wein ebensowohl unter der Predigt, als zur anderen Zeit;
niemand kümmert sich darum, viel weniger macht jemand sich selbst ein Gewissen
darüber, daß er das liebe Wort so gering achtet. Solches geschieht
mit anderen Sünden nicht; denn andere Sünden, als, totschlagen, Ehebrechern,
Stehlen, bringen doch bisweilen Reue mit, daß das Herz sich darüber
entsetzt, und wollte, es wäre nicht geschehen; denn niemand kann es für
recht halten. Aber das Wort nicht fleißig hören, ja, verachten, verfolgen,
da nimmt sich niemand kein Gewissen vor, darum ist es eine solche schreckliche
Sünde, da Land und Leute endlich drüber müssen zerstört
werden. Denn weil sie unerkannt bleibt, kann keine Buße noch Besserung
folgen. Also ist es der Stadt Jerusalem gegangen und allen Königreichen.
16. Deutschland muß auch noch darum herhalten; denn die Sünde schreit
stets gen Himmel, und läßt Gott nicht ruhen, da er muß darum
zürnen und sagen: Ich habe euch meinen lieben Sohn, meinen höchsten
und liebsten Schatz geschenkt, wollte gern mit euch reden, euch lehren und unterweisen
zum ewigen Leben; so habe ich niemand, der mir zuhören will. Darum muß
ich die Strafe gehen lassen. Wie der Herr in Johannes 3,19 selbst zeuget: "
Das ist das Gericht, daß das Licht in die Welt kommen ist, und die Menschen
liebten die Finsternis mehr denn das Licht; denn ihre Werke waren böse
". Als wollte er sagen: Ich wollte der anderen Sünden aller gern schweigen;
aber das ist das Gericht, daß der Welt den Hals bricht, daß ich
mein Wort gesandt habe, und sie nichts danach fragen; das verdrießt mich
am allermeisten. Sie sind sonst voll Sünden; da wollte ich gern ihnen von
helfen durch mein Wort: so wollen sie es nicht. Wollen sie nun mein Wort nicht
hören, so hören sie des Teufels Wort, daß muß ich geschehen
lassen; aber sie sehen zu, wie es ihnen darüber gehen werde.
17. Also ist es mit den Christen gegen Morgen auch gegangen in den schönen,
großen Ländern, die nun der Türke unter sich gebracht hat. Ungarn
ist auch ganz dahin, wir Deutschen und andere Nationen wollen das Evangelium
auch nicht hören noch leiden. Darum müssen sie des Teufels Rotten,
die Widertäufer und Sakramentschwärmer hören und leiden. Also
soll es gehen, wo man das Wort Gottes verachtet und nicht hören will, welches
die höchste und größte Sünde ist; deswegen gehört
auch die höchste und schärfste Strafe darauf.
18. Unser Herr Gott wollte gern, daß wir auf die Knie davor niederfielen,
und es nicht allein mit goldenen Buchstaben in die Bücher, sondern in die
Herzen schrieben. So will es die Welt da am wenigsten haben, ja, kann es kaum
leiden, daß es geschrieben ist in den Büchern und auf der Kanzel
erschallt. Den Teufel will sie im Herzen haben, der regiert sie auch, daß
wohl besser taugte.
19. Darum seid gewarnt, Gott hat um anderer Sünden willen Ursache genug,
daß er zürne und strafe. Aber dieses Sünde ist über alle,
wenn man sein Wort verachtet, und die übel hält, so zu solcher Hochzeit
und Mahlzeit uns laden. Wer nun in solcher Sünde ist, der lerne sein Gewissen
also berichten, daß er nicht in einer geringen, sondern in der allerhöchsten
und größten Sünde stecke, die Gott am wenigsten dulden und am
heftigsten strafen wird.
20. Jedermann schreit jetzt über die große Untreue und über
den Geiz, der in der Welt ist es ist nicht weniger, solches kann in die Länge
nicht ungestraft bleiben. Aber, daß wir das Evangelium haben, dagegen
schnarchen, und unter der Stunde der Predigt müßig gehen und auf
dem Markt, vor dem Tor, in Wirtshäusern, oder auf den Spielplätze
sitzen und liegen, das ist die Hauptsünde, die andere alle weit übertritt.
Deswegen sie auch Gott gewißlich schrecklich strafen wird, daß er
Irrtum schicken und Rottengeister mit Macht wird einreißen lassen, die
es mit Haufen wegreißen. Wie in Griechenland und anderen Ländern
geschehen ist, da jetzt Mohamed regiert, der lehrt sie an des Teufels Dreck
glauben, da sie zuvor Gottes Wort hatten, aber es doch verachteten.
21. Im Papsttum ist es auch so gegangen: da war erstlich die Lehre recht und
rein; aber da die Leute sich so närrisch und undankbar dagegen stellten,
strafte Gott die Sünde dermaßen, daß wir hinliefen in die Klöster,
zermarterten uns da in des Teufels Namen, und glaubten anstatt wirklicher Wahrheit
groben, schädlichen, schändlichen und gotteslästerlichen Lügen.
Jetzt ist es wieder an der Zeit (denn diese Sünde muß leiblich und
geistlich gestrafft werden), daß der Teufel die Sakramentschwärmer
und Widertäufer herrein wirft. Warum will man bei dem Wort nicht bleiben,
und dasselbe mit Dank nicht annehmen?
22. Darum sehet zu, so lieb euch eure Seligkeit ist, daß ihr euch vor
solcher Sünde hütet; habt Gottes Wort in Ehren, und hört es fleißig
und gern. Denn so man es sonst um keiner anderen Ursache willen tun wollte,
sollte man es doch um dieser Ursache willen tun, daß es Gott geboten hat,
und ihm Liebe und Dienst daran geschieht. Denn es ist nicht ein Geringes, solchem
großen Herrn dienen; er kann es reichlich belohnen. Darum sollte ein jeder
Christ zu solchem Dienst sich fleißig halten, und denken: Weil es denn
mein Herr und Gott so haben will, daß ich sein Wort hören soll, so
will ich ihm solchen Dienst gern leisten, daß ich mich auch könne
rühmen, ich habe einmal meinem Gott einen Tag oder eine Stunde gedient.
Solche Ursache sollte uns genug sein, die uns zum Wort bewegte.
23. Aber da sind noch andere und größere Ursachen. Denn da verheißt
dir Gott und spricht: Wenn du mein Wort fleißig hörst und behältst
es, sollst du ein Herr des Teufels sein, daß er vor dir fliehen und zu
dir nicht nahen darf. Denn wo mein Wort ist, da bin ich auch. Wo aber ich bin,
da wird der Teufels sich nicht dürfen finden lassen, sondern muß
davon gehen.
24. Weiter sollst du auch den Nutzen davon haben, daß dir deine Sünde
vergeben, und dein Herz zur wahren Andacht und rechtem Gehorsam angezündet
wird. In der Summe, mein Wort soll dir den Weg in den Himmel weisen und dich
zum ewigen Leben bringen; denn ich heiße dich also mir dienen, daß
doch der Nutz am meisten dein ist. Wärest du doch ohne daß schuldig,
wenn ich etwas von dir haben wollte, daß du es tätest; nun aber gebiete
ich dir einen solchen Dienst, daß du am meisten genießen sollst.
Wie wir denn erfahren, wenn wir nicht mehr tun, denn die zehn Gebote, oder das
Vater Unser über eine Stunde wieder vor uns nehmen, so findet sich allewege
eine neue Frucht, daß man etwas merkt und lernt, welches man zuvor nicht
gewußt hat.
25. Und besonders ist diese Frucht allewege dabei, daß der Teufel nicht
bei dir bleiben und dir schaden kann. Darum soll kein Christ sich so gelehrt
lassen dünken, daß er sagen wollte, er könnte das Vater Unser
und die zehn Gebote zuvor wohl; sondern wo gleich ein solcher Gedanke dir einfiele,
so schlage ihn wieder aus, und sprich: Habe ich heut gebetet, ich will jetzt
wieder beten; auf das du immerdar den Teufel und die Sünde von dir jagest
und unserem Herrn Gott seinen Dienst leistest. Tust du das nicht, so tust du
unserem Herrn Gott einen verdrießlichen Unwillen, wer wollte aber gern
eines solchen großes Herrn Zorn haben?
26. Aber da geht leider der größte Haufe hin, achtet des Wortes
weniger denn nichts. Kommt nun heut oder morgen Pest oder Krieg, so wird unser
Herr Gott sich dein und deiner Not auch nicht annehmen, wird dich ebenso umsonst
schreien und heulen lassen, wie du ihn jetzt schreien läßt. Wie in
den Sprüchen Salomos Am ersten Kapitel Vers 24-30 steht: " Weil dich
denn rufe, und ihr weigert euch; ich recke meine Hand aus, und niemand achtet
darauf, und last fahren all meinen Rat, und wollt meiner Strafe nicht, so will
ich auch lachen in eurem Unfall, und euer spotten, wenn da kommt, daß
ihr fürchtet, wenn über euch kommt, wie ein Sturm, daß ihr fürchtet,
und euer Unfall als ein Wetter, wenn über euch Angst und Not kommt. Dann
werden sie mir rufen, aber ich werde ihnen nicht antworten, sie werden mich
frühe suchen, aber nicht finden. Darum, daß sie hasseten die Lehre,
und wollten des Herrn Furcht nicht haben. Sie wollten meines Rates nicht haben,
und lästerten alle meine Strafe ". Also greulich soll diese Sünde
gestraft werden.
27. Wenn du nun dermaleinst mit einem blutigen Kopf kommst, wird unser Herr
Gott in die Faust lachen, rund sprechen: O recht, du hast es nicht anders haben
wollen! Ich habe dir mit Ernst gepredigt, aber du hast mich nicht hören
wollen, so höre nun den Teufel. Willst du den nicht hören, der da
spricht: " Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig seid, ich will
euch erquicken "; Warum verachtest du Gottes Wort also, welches du hören,
als den höchsten Schatz, sollst schicken? Aber du läufts hin auf deinen
Acker, hast da und dort zu schaffen, daß du der Predigt nicht warten kannst;
meinst du, daß Gott solches nicht solle verdrießen? Er hat dir ohne
daß sechs Tage gegeben, da sollst du arbeiten und deiner Nahrung warten;
begehrt nicht mehr, denn den siebenten Tag, daß du ihm zu Ehren und deinen
Besten Gutes tun und dienen sollst. Dennoch soll er es von dir nicht haben können.
28. Darum ist diese ernste Predigt des Herrn wider die Juden, daß sie
diese Hochzeit, das ist die Predigt des Heiligen Evangeliums verachtet, die
Knechte gehöhnt und ermordet haben, wohl zu merken. Denn daraus sehen wir,
daß der König solchen Undank und Verachtung nicht leiden kann, schickt
deswegen sein Heer, die Römer, und läßt diese Mörder umbringen
und zündet ihre Stadt an. Wer kann hier unserem Herrn Gott Schuld geben,
daß er Unrecht getan habe?
29. Wenn ein mächtiger Fürst einen Sohn hätte, und schickte
ihn zu etlichen Gefangenen in einen Turm, daß er sie sollte frei machen;
und sie führen zu, wollten ihn nicht allein mit Freuden annehmen, sondern
würgeten ihn und spotteten noch des Vaters dazu: meinst du, daß er
darüber lachen würde? Er würde Turm und Gefangene eins mit dem
anderen in einen Haufen schießen; und täte recht daran. Also tut
unser Herr Gott auch. Er schickt seinen Sohn, daß er uns von Sünde
Tod und Teufel frei machen, und zum ewigen Leben helfen soll. Darum sollten
wir ihn ja billig mit großer Freude und allen Ehren annehmen, sein Wort
hören und an ihn glauben. So wenden wir ihm den Rücken, verachten
sein Wort, Rat und Hilfe, die er uns dadurch anbietet, gehen lieber auf unseren
Acker und zu unserer Hantierung, da ist uns mehr an gelegen.
30. Kommt nun einmal Blitz, Donner, Pest, Türke, Soldaten oder eine andere
Plage, und wir dann ängstlich klagen, heulen und schreien, und uns doch
keine Rettung geschieht: so mögen wir es für gut nehmen und die Strafe
tragen; und als dann gedenken: wir haben es nur mehr als verdient in dem, daß
wir nicht allein unseren lieben Gott undankbar gewesen sind, daß er uns
sein seliges Wort jetzt in der letzten und bösen Zeit, da der Glaube und
Erkenntnis Christi gar verloschen gewesen, rein und reichlich gegeben hat; sondern
es dazu auf das schändlichlichste verachtet. Wir mögen deswegen eins
gegen das andere abrechnen, und uns lassen an dem genügen, daß er
mit dem höllischen Feuers so lange ausgeblieben ist, und uns durch solche
zeitliche Strafe zur Buße fordert, daß wir frömmer werden und
auf hören zu sündigen.
31. Das meinte der Evangelist, da er sagt, daß der König die Mörder
umbringt und ihre Stadt anzündet; uns zur Warnung, daß wir uns an
dem gemeinen Haufen, an Bürgern und Bauern nicht ärgern, noch ihrem
Beispiel folgen sollen. Denn anders geht es in der Welt nicht zu; sie will und
mag das Wort nicht, ihre Äcker und Hantierung beliebt ihr mehr. Aber wehe!
Denn was für ein Urteil und Strafe danach kommen werde, sehen wir an den
Juden.
32. Darum laßt uns ihrem Beispiel nicht folgen, sondern das Wort gern
und mit Fleiß hören, und besonders die zu Hochzeit laden in allen
Ehren lieb und wert halten, um ihres Herrn Willen, der sie aussendet; so wird
Gott bei uns sein in allen Nöten, und uns helfen und schützen, und
endlich das ewige Leben um seines Sohnes, unseres lieben Bräutigams, des
Herrn Christi, willen, geben.
33. Das ist der erste Teil von den Juden, die sind nun weg. Jetzt höre
weiter, wie es den Heiden geht. Die lagen draußen auf der Straße,
hatten kein Gesetz noch Gottes Wort, wie die Juden; sie waren nicht am Ort,
sondern standen offen, wie ein freier Flecken, daß der Teufel hindurch
und wieder durch, wie es ihn gelüstete. Die heißt dieser König
auch laden, ohne allen Unterschied, wie sie gefunden werden, Mann und Weib,
jung und alt, reich und arm. Wie wir noch heutiges Tages sehen, daß Gott
seine Taufe, sein Wort, sein Abendmahl daher gesetzt hat, daß es jedermann,
wer es begehrt, soll ausgeteilt werden.
34. Darum heißt dies laden anderes nicht, denn das Christus uns allen
gepredigt, und wir zu Heiligen Taufe getragen werden, daß wir sollen Gäste
sein, essen und trinken, das ist, Vergebung der Sünden, daß ewige
Leben und Sieg wieder den Teufel und Hölle haben. Also sind wir Heiden
zu diesem Abendmahl alle geladen.
35. Als nun die Tische alle voll sind, denn da steht es klar, es sind Böse
und Gute ohne Unterschied zusammen geladen, da geht der König hinein und
besieht seine Gäste, und findet etliche, die haben kein hochzeitlich Kleid
an. Denn unter den Christen geht es so zu, daß man findet Mäusedreck
unter dem Pfeffer: das etliche Böse sind, und doch den Namen haben, daß
sie Christen heißen, darum daß sie sind getauft, gehen zum Sakrament,
hören Predigt, und bringen doch nicht mehr davon, denn den Namen; denn
sie halten es für keine Wahrheit
36. Daran müssen wir uns gewöhnen. Denn dahin werden wir es mit dem
predigen nie bringen, daß eine ganze Stadt, Dorf oder Haus fromm werden;
daraus wird nie etwas werden; sondern, wie hier steht, kommen herein Gute und
Böse. Das müssen wir leiden, und ihnen den Namen gönnen, daß
sie Christen heißen. Denn ob sie gleich nicht fromm sind, sind sie gleichwohl
geladene Gäste. Solches geht bis an den jüngsten Tag, da wird alsdann
ein anderes Urteil sich finden.
37. Aber gleichwohl ist es gewißlich beschlossen, daß dieser König
will nicht allein zu seines Sohnes Hochzeit jedermann lassen laden; sondern
er will auch sehen, ob die, so geladen sind, sich dem Bräutigam zu Ehren
geschmückt haben. Wenn ein Schmutziger, wie er von der Arbeit oder aus
der Schmiede gelaufen, in seinem Hemd, mit einem kohlschwarzem Bart und Angesicht,
unter die Hochzeitgäste treten und mit in die Kirche gehen wollte: ob er
schon auf die Hochzeit geladen wäre, so würde ihn doch niemand gern
neben sich gehen lassen; jedermann, besonders aber der Bräutigam, würde
denken, er wäre entweder nicht bei Sinnen, oder er täte es ihm zum
besonderen Hohn. Denn zur Hochzeit soll man geschmückt kommen. Also, sagt
der Herr, werde es hier auch zugehen. Wenn du schon ein geladener Gast bist,
du bist getauft, hörst die Predigt, gehst zum Sakrament, und hast doch
kein hochzeitlich Kleid an; das ist, du glaubst nicht, läßt dir es
nicht Ernst damit sein, und denkst dein Christen Namen nur da zu, daß
du den Bauch davon voll habest: um Gottes willen bist du kein Christ, noch um
deiner Seligkeit willen, da denke nur nicht, daß du werdest so hindurch
schleichen.
38. Der König wird dein gewahr werden und dich hervorziehen, entweder
am jüngsten Tag, oder an deinem letzten Ende, und sagen: Finde ich dich
hier, daß du den Namen hast, ein Christ heißt, und glaubst doch
nicht, was ein Christ glauben soll? Es ist dir dein Lebtag nie Ernst gewesen,
wie du von Sünden frei, frömmer und selig könntest werden. Alle
deine Gedanken sind allein auf dein Gut, Ehre, gute Tage gewesen: darum kommst
du jetzt wie ein schmutziger Gast. Immer weg, du hörst nicht unter die,
die sich geschmückt haben, sie möchten sonst von dir schmutzig werden.
39. Denn solches entweder im Gewissen, oder an jüngsten Tag solchen losen
Christen vorgehalten wird, da, sagt der Herr, werden sie verstummen, das ist,
sie werden keine Entschuldigung vorbringen können. Gott hat getan, was
er sollte. Er hat dir seine heilige Taufe gegeben, er hat dir das liebe Evangelium
vor das Maul gehalten, und zu Haus und Hof bringen lassen; also die Absolution
und sein Abendmahl; er hat dir in der Kirche seine Diener verordnet, im Hause
Vater und Mutter, deinen Herrn und Frau, die dir sagen sollen, was du glauben
und wie du dein Leben anstellen sollst. Darum wirst du nicht sagen können,
du hast es nicht gewußt, sondern wolltest du glauben, sondern du wirst
müssen bekennen: Ja, ich bin getauft, man hat es mir genug gepredigt und
gesagt; aber ich habe es nicht angenommen, ich habe die Welt lieber gehabt.
Das heißt hier, daß der ungeschmückte, schwarze Gast verstummt.
Denn wer wollte dem Richter antworten können, denn wir selbst müssen
Zeugnis geben, er habe seinen Sohn uns geschenkt, und in der Taufe und dem Heiligen
Evangelium alle Gnade zugesagt?
40. Darum wird das schreckliche Urteil über die ungläubigen Christen
müssen folgen: man soll ihnen Hände und Füße binden, und
sie in die äußerste Finsternis hinaus werfen, das ist, sie müssen
mit dem Teufel in der Hölle und dem höllischen Feuer ewig gefangen
liegen. Denn Hände und Füße sind ihnen gebunden, daß sie
mit Werken sich nicht werden losmachen können. Und müssen dazu in
Finsternis liegen, und von Gottes Licht, das ist, von allen Trost abgeschieden
sein, in ewiger Qual, Angst und Traurigkeit, daß sie nimmermehr kein Fünklein
des Lichtes sehen werden
41. Das ist ein schrecklicher Jammer, wenn wir es nur wollten zu Herzen nehmen,
ewig also in der Hölle und Qual gefangen liegen, da nichts denn Heulen
und Zähneklappen ist: Zähneklappen von Frost, und Heulen von der Hitze,
wie es die alten Lehrer gedeutet haben, wiewohl der Herr damit alle Marter angezeigt,
die man er denken kann. Denn Hitze und Frost sind die zwei größten
Plagen auf Erden. Als wollte er sagen: Ihr werdet mehr leiden müssen, denn
man mit Worten sagen und mit Gedanken fassen kann.
42. Das wird die Strafe dafür sein, daß man die Zeit der Heimsuchung
nicht erkennt noch angenommen hat, daß wir geladen sind, haben Sakrament,
Taufe, Evangelium, Absolution gehabt, und haben es doch nicht geglaubt, noch
uns zunutze gemacht. Wollte also der lieber Herr uns gern lehren, und dahin
bringen, daß wir erkennen, wie eine große Gnade uns in dem widerfahren
ist, daß wir zu solcher seligen Mahlzeit geladen sind, da wir finden sollen
Errettung von Sünde, Teufel, Tod und dem ewigen Heulen. Wer nun solches
nicht will mit Dank nicht annehmen, solche Gnade verschmähet, der soll
den ewigen Tod dafür haben. Denn von den zweien muß eins sein: entweder
das Evangelium angenommen und geglaubt und selig werden; oder nicht geglaubt
und ewig verdammt sein.
43. Das also dies Evangelium gleich stimmt mit Paulus, ab Apostelgeschichte
18,6 den Juden also sagt, die ihm widerstrebten und lästerten: " euer
Blut sei über euer Haupt; ich gehe von nun an rein zu den Heiden ".
So es nun zu uns gekommen ist, haben wir uns gewißlich des zu besorgen,
da hiervon steht, daß Gott die ungeschmückten Hochzeitsgäste
will aussondern. Wollte also der liebe Herr es gern mit Locken und Schrecken
dahin bringen, daß wir das Evangelium ließen unseren höchsten
Schatz sein, es gern hörten und glaubten. Durch die Verheißung und
große Gnade lockt er, und durch die große Strafe schreckt er. Wo
nun die Herzen ganz und gar verstockt sind, daß diese zwei Stücke
nicht helfen wollen, da helfe der leidige Teufel; der wird es auch tun.
44. Wenn unser Herr Gott Geld regnen ließe und machte uns hier zu großen
Herren, so würde er Leute viel finden, die zuliefen, und mit Ernst anhielten,
daß sie etwas von ihm haben möchten. Weil er uns aber ewige und himmlische
Güter verheißt in seinem Wort, deren wir mit Geduld hoffen und warten
sollen, hat es kein Ansehen vor der Welt; die sagt: Was Himmel, Himmel; hätte
ich hier Mehl! Wer weiß, was dort werden will?
45. So ist nun dies die Summe der heutigen Predigt, daß der Herr uns
gern reizen und schrecken wollte, daß wir das Wort mit Ernst fassen und
glauben lerneten, und also hofften der fröhlichen Zukunft, wenn er wieder
kommen wird am jüngsten Tage, uns zu erlösen von aller Not und zu
helfen an Leib und Seele. Das verleihe uns der allmächtige Gott, unser
gnädiger Vater, durch Christum, seinen Sohn, und den Heiligen Geist, Amen.
|