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Sehet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen;
inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt
ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen, oder Feigen von
den Disteln? Also ein jeglicher guter Baum bringet gute Früchte; aber ein
fauler Baum bringet arge Früchte. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte
bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeglicher
Baum, der nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.
Darum an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht alle, die
zu mir sagen: Herr, Herr! In das Himmelreich kommen, sondern die den Willen
tun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mehr sagen an jenem Tage: Herr,
Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweißsaget? Haben wir nicht in
deinem Namen Teufel aus getrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Taten
getan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt, weichet
alle von mir, ihr Übeltäter.
1. Diese Predigt hat der Herr getan zum Schluß der Bergpredigt, Matthäus
Kapitel 5. Und das darum, daß er wohl weiß, wo unser Herr Gott eine
Kirche baute, da baut der Teufel ein Wirtshaus dazu ; oder, wie man den jungen
Kindern vorsagt, da unser Herr Gott einen Erdenklos genommenen und einen schönen
Menschen daraus gemacht hat, da habe der Teufel solches Werk nachmachen wollen,
es sind aber nur Kröten und Schlangen daraus geworden. Denn es ist allezeit
so gewesen, wenn die rechte Predigt ihren Lauf begonnen hat, daß der Teufel
falsche Lehre und Ketzerei darunter gemengt hat. Wie du in einem Garten siehst:
da fehlt es nicht, wenn man Gutes hinein säet, so wächst Unkraut auch
mit, und man hat Mühe, daß man in den guten Samen vor dem Unkraut
erhalten und aufwachsen lassen kann.
2. Weil denn anderes nicht daraus wird, wir müssen wir auf Erden unter
dem Teufel sein, der die Welt unter sich hat und sein Unkraut immer dazwischen
sät: so vermahnt und warnt uns der Herr im heutigen Evangelium, als unser
treuer Lehrer und Erzhirte unserer Seelen, daß wir uns sollen vorsehen
und hüten vor den falschen Propheten. Als sollte er sagen: Ich habe mein
Wort euch geben, und treulich gelehrt, was ihr tun, und wie die zehn Gebote
recht verstehen, recht beten, recht faßten, Gott Vertrauen und anderes
sollt. Nun liegt es da an, daß ihr euch vorsehet, daß ihr von solcher
Lehre nicht abgeführt werdet. Ich warne euch, ihr werdet euch nicht entschuldigen
können; denn ich sende euch nicht unter Engel, sondern unter die Wölfe,
und säe euch nicht unter den Weizen, sondern mitten unter daß Unkraut.
Darum sehet euch vor, daß ihr euch nicht verführen lasset.
3. Also will der Herr, daß wir nur am Wort halten und von denselben uns
nicht sollen abführen lassen. Was aber dem Wort entgegen ist, daß
sollen wir hassen und fliehen, als den Teufel selbst. Darum soll niemand sicher
sein, noch schlafen. Denn es wird nicht fehlen (wie zuvor gesagt), wo das Wort
recht und fein ist, da bleiben die Wölfe nicht außen, sondern kommen
gewiß. Wie man den sieht, erstlich in der Kirche, danach auch in weltlichem
Regiment und Haushalten. Allenthalben mischt sich der Wolf ein, ob er uns von
Wort reißen und Schaden tun könnte. Die christliche Kirche hat das
rechte, reine Wort Gottes; dabei kann der Teufel sie nicht bleiben lassen, führt
allerlei Schwärmer herrein, die von der Taufe, vom Abendmahl Christi, von
Christus selbst etwas Neues uns Sonderliches bringen, die Leute dadurch Irre
machen und verführen. Und wo sich solche Schwärmer finden, haben wir,
als heillose, vorwitzige Leute, die Unart an uns, sobald wir etwas Neues hören,
daß wir sofort darauf fallen, fallen vom Wort, und gaffen solchen Rotten
und Schwärmern auch noch nach.
4. Da gehört nun diese Warnung besonders hin. Als sollte Christus sagen:
Die falschen Propheten werden nicht außen bleiben, sondern gewiß
zu euch kommen, und dazu mit einem schönen, gleißenden Schein, daß
ihr denken werdet, ihr habt euer ganzes Leben noch nie eine bessere Predigt
gehört; werdet also dahin fallen, wie das unzeitige Obst, wenn der Wind
daher kommt.
5. Denn wo ein Christi fleißig wäre, und hätte nicht mehr denn
den Katechismus, die zehn Gebote, den Glauben, das Vater Unser, und die Worte
des Herrn von der Taufe und Sakrament des Alters, der könnte sich gut damit
wehren und bestehen gegen alle Ketzereien.
6. Aber weil wir so unfleißig daß Wort hören, und ledige Herzen
behalten, die sich nicht an das Wort halten, daher kommt es, daß der Teufel
solche ledigen Herzen findet, und sie in grobe und schlimme Irrtümer führt.
Davor will uns der Herr gerne warnen, daß wir nicht solche leichtfertigen
Herzen behalten, sondern bedächten, wie wir Gottes Wort ja wohl und fest
fassen könnten. Denn er schickt uns nicht unter die Engel, sondern unter
die Wölfe; da heißt es gut aufpassen. Wer nun hier der Sache will
gewiß sein und nicht irren, der halte sich, spricht Christus, ein mein
Wort. Das ist das rechte Licht, daß ich euch angezündet habe, und
der Harnisch, damit ihr euch gegen des Teufels Stiche halten könnt, und
euch fein wehren, wenn er auch gleich den Schafskleidern zu euch kommen wird.
7. Nun ist aber das schrecklich und steht uns eine große Gefahr darauf,
daß der Teufel, wenn er zu uns kommt (in seinen Rottengeistern), kommt
er also nicht wie ein Teufel, sondern er schmückt sich, als wäre er
Gott selbst; wie er zu unserem lieben Herrn Christus auch gekommen ist, da er
sprach: " Bete mich an, so will ich dir alle Reiche der Welt geben ".
Das waren nicht Worte, die der Teufel reden sollte, sondern gehören der
hohen Majestät, dem ewigen Gott, zu. Denn er ist es, den man allein anbeten
soll, und der allein aller Welt Reiche mächtig ist, und gibt sie nach seinem
Gefallen, wem er will. Darum straft ihm Christus und spricht: " Hebe dich,
Satan ". Als sollte er sagen: Du gibst dich gerne für Gott aus; aber
ich kenne dich: du bist der Teufel. Darum müssen wir auf die Schafskleidern
nicht sehen; sonst werden wir betrogen, und müßten den Teufel an
Gottes statt annehmen und hören. Denn, wie gesagt, er kommt zu uns in seinen
Rotten, Schwärmern und Ketzern: nicht in einer Wolfshaut, die schrecklich
und jeder kennt, sondern in Schafskleidern. Denn erstlich führen sie Gottes
Wort und die Schrift, rühmen viel von Christus, von Gottes Geist, wissen
alles besser denn andere, machen dabei auch einen großen Schein, daß
sie viel Leute an sich ziehen und großen Schaden tun. Dazu führen
sie auch ein strenges, scheinbares Leben mit einem frommen Schein, daß
man darauf schwören möchte, es wäre eine große Heiligkeit
mit ihnen, sie meinten es recht und gut: und ist doch der leidige Teufel. Wie
wir an den Wiedertäufern, Sakramentschwärmern und anderen sehen. Wo
nun die Herzen unachtsam und ledig sind, nicht genau auf das Wort sehen, da
schleicht der Teufel durch solcher Geister irrige Lehre ein, wie eine Schlange
in einen Menschen, der im Gras schläft.
8. Deswegen sollten wir unseres Herrn Christi treue Warnung mit Fleiß
annehmen, und nicht solche Maulaffen sein, die nichts können, denn das
Maul offen halten und immer nach einem Neuen gaffen. Wir sollten daß Wort
fleißig hören, fest daran halten, und alle Lehre nach dem Wort richten
und urteilen; so würde der Teufel nicht so leicht einen Schaden tun.
9. In weltlichem Regiment geht es auch also zu, welches gleich ein Beispiel
und Gemälde der christlichen Kirche ist. Wenn die Fürsten sicher und
unfleißig sind, nicht selbst ihres Amtes und Befehls warten, so wird das
Land voll Heuchler. Denn sie trauen hier, sie trauen da, verlassen sich auf
ihre Amtleute; die halten so Haus, wie es ihnen am besten nutzt. Darüber
wird der arme Mann vergessen und beschwert; da gibt Gott endlich bösen
Segen zu. Denn es ist nicht recht, daß Herren ihre großen Sachen
und Händel wollen anderen befehlen und jedermann trauen, und sich der Händel
nicht selbst annehmen. Sie sollen selbst in das Spiel sehen, Rechenschaft selbst
einnehmen, und nicht weiter glauben, denn sie sehen, so würden sie desto
weniger getäuscht.
10. Also ist es auch im Haushalten. Wenn Herr und Frauen schnarchen, und dem
Gesinde alles unter die Hände lassen und auf ihr gut Vertrauen stellen,
so geht es nach dem Sprichwort: Ist der Meister nicht da, tanzen in die Mäuse
auf dem Tisch. Wahr ist es, trauen soll und muß man; denn es ist ein schändliches
Ding wer immer nur mißtrauisch ist, niemand etwas gutes zutraut: aber
es soll alles auch ein Maß haben, daß man nicht zuviel traue; sondern
selbst mit zu sehr, und durch zuviel Vertrauen, wie häufig geschieht, dem
Gesinde nicht Ursache zum sündigen gebe.
11. Nun soll aber das Gesinde auch nicht sicher sein, sondern fleißig
sich halten nach dem Befehl ihrer Herrschaft, und sich durch böse Gesellschaft
davon nicht abführen lassen. Denn wie kann es da wohl zu gehen, wenn Vater
und Mutter zum Kinde, Herr und Frau zum Gesinde sprechen: Tue das; daß
sie sich ihre Gesellen überreden lassen, daß sie daß, so ihnen
befohlen ist, lassen anstehen und etwas anderes tun? Gehen dabei spazieren,
spielen, zechen, wo sie doch im Hause arbeiten, daß und jenes tun sollten.
So eine Gesellschaft stellt sich aber nicht, daß sie böse wären,
sondern geben sehr gute Worte; aber weil sie zum Ungehorsam Ursache geben, ist
es der leidige Teufel; dem sollst du nicht folgen.
12. Mancher Knecht oder Magd hat einen guten Dienst bei ehrlichen frommen Leuten,
die nicht gern Unzucht oder Leichtfertigkeit an den ihren sehen oder leiden
wollen. Aber was hat der Teufel durch böse Mäuler zu schaffen? Hier
kommt eins, dort eins, und sagt: Was willst du?, willst du dich einsperren lassen
und so hart halten lassen? Du könntest keine Sache wohl verbessern, an
einem Ort sein, wo es dir besser ginge, wo du mehr Lust hätte ist, nicht
so hart arbeiten und bessere Tage hättest. Mit solchen Worten ist ein einfältiger
Mensch bald beredet, denkt nicht, daß man es böse mit ihm meine,
ja, hält solche feinen Mäuler für gute Freunde, obwohl sie doch
die ärgsten Feinde sind. Denn einem jungen Menschen ist nichts schädlicher,
denn wo man ihm seinen Willen läßt, nicht anhält und treibt
zur Zucht und Arbeit.
13. Also geht es immer in allen Ständen, daß der Wolf sich findet
und in die Herzen von dem Wort reißt. Denn der Teufel kann weder das Wort
in der Kirche, noch ernste gute Worte in weltlichem Regiment, noch den Gehorsam
in den Haushalten dulden, sondern alles, was Gott geordnet hat, daß muß
er verderben, in der Haushaltung und weltlichem Regiment sowie in der Kirche.
Denn das ist Gottes Ordnung und Wille, daß sein Wort in der Kirche, im
Regiment gute Ordnung und Gesetze, und in Haushalten ernste Zucht und Gehorsam
erhalten werde. Da legt sich der Teufel dagegen, daß er solche gottselige,
notwendige Ordnung zerrütteln will. Darum sollen wir uns mit Fleiß
vorsehen, nicht sicher sein; denn wir leben nicht unter vielen frommen Christen,
der meiste Teil ist arg und falsch, kann sich dennoch schmücken mit den
Schafskleidern, daß man den Wolf nicht erkennen kann.
14. Solches aber geschieht am meisten und ist am gefährlichsten in der
Kirche: da kommen alle Rotten, Schwärmer und Ketzer mit dem Schein, wie
ihnen viele an der Leute Seelen Seligkeit gelegen, und sie gern Gottes Wort
rein und die Wahrheit gefördert wollten sehen. Wenn solche Schafskleider
die armen Schäflein sehen, dann denken Sie, es sei pures Gold, platzen
bald darauf und lassen es sich gefallen. Denn wer wollte nicht gern Gottes Wort
hören und in die Wahrheit erkennen? Aber da sollten die Christen lernen,
daß der Teufel die Wahrheit ebensowohl nennen und Gottes Wort rühmen
kann, als die frommen Christen. Darum sollten sie sagen: " Ich will Gottes
Wort und die Wahrheit auch gern hören; aber daneben nicht zuviel trauen,
sondern sehen, ob es sich mit meinem Katechismus auch reimt, und mit der Predigt,
die ich bisher gehört habe. Wer also fein achtsam ist, und nicht bloß
glaubt, sondern auf das Wort sieht, der ist genesen und unbetrogen. Wer es aber
nicht tut, dem ist es unmöglich, daß er nicht sollte verführt
werden.
15. Also dient es mit Eva im Paradies: da kam der Teufel mit guten, glatten
Worten, machte unsern Herrn Gott so fromm, als könnte man ihn nicht erzürnen.
Hat er doch, sprach er, euch den ganzen Garten gegeben, daß hier alles
genießen sollte; wie käme er denn dazu, daß er nun diesen einzigen
Baum euch nicht gönnen sollte, der euch nicht schaden, sondern dazu dienen
kann, daß ihre Weise werdet, wie er? Das waren glatte, süße
Worte, die der Eva eingingen, daß sie dahin fiel und vergaß das
Gebot Gottes. Da war es aus mit ihr. Am ersten, da der Teufel an sie setzte,
handelte sie sehr klug, und schlug den Teufel hinweg mit dem Befehl, welchen
ihnen Gott gegeben hatte. Aber da er wieder an hielt und darauf drang: Wo ihnen
Gott den Baum verboten hätte, so müßte er ein neidischer, untreuer
Gott sein, der ihnen nicht gönnte, daß sie so klug würden als
er; da ließ sie das Wort fahren, brach den Apfel ab und aß ihn;
dadurch sie und wir alle in alles Unglück und den ewigen Tod gefallen sind.
16. Um dieser Gefahr wegen, daß wir nicht auch vom Teufel durch seine
Apostel verführt werden, warnt uns der Herr hier und sagt: " Sehet
euch vor ". Als wollte er sagen: Werdet ihr verführt, so ist die Schuld
nicht meine, sondern euer. Ursache, ich habe euch mein Wort rein und lauter
gegeben, daß soll euer Hut und Licht sein, daß euch vorleuchte.
Schaut nur ihr darauf, und laßt dieses Licht nicht aus den Augen, sondern
haltet euch fest daran. Höret ihr jemand dagegen reden, daß mit meinem
Wort nicht stimmt, so sprecht: Ich höre nicht; hier ist mein Licht, daß
leuchtet mir anders.
17. Also hatte uns Gott genug gegeben, daß er uns sein Wort gegeben hat,
und gewarnt, daß wir uns hüten vor den falschen Propheten, ist deswegen
wohl entschuldigt. Wir aber sind nicht entschuldigt, wenn wir am Wort nicht
halten und dem Wolfsgeschrei zuhören; selbst wenn unsere Not groß
ist, daß wir es nicht tun sollten. Denn er ist ein Lügner und Mörder,
der nichts anderes begehrt zu tun, denn zu verführen und würgen.
18. Wie er bald dem Anfang im Paradies mit Adam und Eva bewiesen, und sie mit
allen ihren Nachkommen in Sünde, Tod und Zorn Gottes geworfen hat. Aus
solchen Jammer uns unser barmherzige Gott und Vater im Himmel durch seinen Sohn
geholfen, daß wir von Sünden und Tod sind selig geworden. Darum schleicht
der Feind uns wieder nach, ob er aus solcher Gnade uns rücken und in den
alten Unfall bringen könnte. Da müssen wir uns wohl vorsehen, und
treu am Wort halten, sonst sind wir verloren.
19. Das sei von diesem Evangelium zum schlechten, einfältigen Unterricht
gesagt, weil der Herr uns heißt vor falschen Propheten hüten und
vorzusehen, daß wir beim Wort bleiben und uns davor nicht sollen abführen
lassen, sondern alles, was dem Wort zuwider ist, als den Teufel selbst fliehen.
Solches wäre auch genug. Denn, wie gehört, wer diesem Licht folgt
und es nicht aus den Augen läßt, der ist genesen.
20. Aber der Herr läßt es bei solchem einfachen Unterricht nicht
bleiben, sondern gibt seinen Christen zwei Regeln, nach denen sie sich halten
sollen, so werde es mit ihnen nicht Not haben. Die erste ist, daß sie
sich durch Schafskleider nicht betrügen lassen sollen, noch nach dem Kleid
ihr Urteil richten. Denn gleich wie die Wölfe, wenn sie hungrig sind, bellen
und heulen wie Hunde, ob sie Vieh oder Menschen damit betrügen könnten:
also tun die falschen Propheten auch, kommen mit einem köstlichen Schein,
geben eine große Heiligkeit vor. Da soll sich niemand dran kehren. Dies
ist die eine Regel, an der sehr viel gelegen ist.
21. Nun ist erstlich dies das Schafskleid, darin sich die falschen Geister
kleiden und damit schmücken, daß von ihnen keiner kommt, der da bekennt,
daß er die Leute verführen will und nicht richtig predigen. Mit guten,
glatten, sanftem Worten kommen sie, gegeben vor, wie sie der Eifer Gottes treibe,
und sie am armen Volk den Jammer nicht länger sehen mögen, daß
man so lange die Wahrheit ihnen verschwiegen habe. Diesen Worten ist der einfache
Mann an bösen Buben nicht gewohnt, fällt darauf rein, und hält
es für lauter Heiligtum, was diese Schleicher sagen und tun. Aber ein Christ
soll lernen (wie oben auch gemeldet), daß der Teufel nicht kommt als ein
Teufel, sondern als wäre er Gott. Also pflegen diese Wölfe auch nicht
zukommen wie Wölfe; sondern legen eine Schafshaut an, daß wer sie
nicht kennt, sie für albernen fromme Schäflein hält.
22. Danach heißt auch das Schafskleid das Amt oder Beruf und die großen,
herrlichen Titel. Wie wir denn erfahren haben, das Papst um Bischöfe den
meisten Schaden damit getan haben, und noch, daß sie ihr Amt gerühmt,
und deswegen ihre Satzungen gehalten haben wollen. Denn obgleich nicht ihr Leben
so ärgerlich ist, daß sie damit niemand betrügen noch fangen
können, so hat es doch einen sehr großen Schein, daß sie in
öffentlichem Kirchenamt sitzen. Eben wieder Herr von den Pharisäern
und den Schriftgelehrten sagt, daß sie sitzen auf Moses Stuhl. Und wir
selbst können ihnen nicht solchen Ruhm nehmen; wir müssen bekennen,
daß sie das Amt haben, und das Amt sei recht an sich selbst, wenn sie
es nur recht brauchten.
23. Darum, wenn der Papst und Bischöfe ihr Amt rühmen, und deswegen
wollen gehört sein, und sagen sie können nicht irren, da soll ein
Christ vor gewarnt sein, und sprechen: Das Amt bekenne ich wohl, es ist ein
rechter Schafspelz. Aber Christus warnte mich, ich soll mir an dem nicht genügen
lassen, wenn ich bin Schafspelz sehe; sondern sollen mich wohl umsehen, ob nicht
ein Wolf unter dem Schafspelz verborgen ist, daß heißt, ob nicht
ein gottloser, böser Bube daß Amt führe, und durch solchen Schein
seines Amtes falsche Lehre einführen will.
24. Also ist das auch ein Schafskleid, daß die falschen Propheten äußerlich
einen schönen Schein und herrliches Leben führen. Wie man an den Wiedertäufern
sieht: da hört man nicht Fluchen, Kleider, Essen und Trinken ist gering
und schlecht, gehen viel mit Gottes Wort um, beten viel, sind im Leiden geduldig,
nicht rachgierig. Dieses ist an sich selbst nicht schlecht, und wäre zu
wünschen, daß diese Stücke alle Menschen hätten wie sie.
Aber daß man darum ihre Lehre für richtig halten und ihnen folgen
soll, da sagt Christus: Hüte dich vor ihnen. Denn unter dem Schafskleid
wirst du einen Wolf finden, nämlich: daß die Wiedertäufer, gleich
wie die Mönche, ihren Trost auf ihre eigene Gerechtigkeit und Werke setzen;
daß sie Gott lügen strafen in seiner ersten Zusage, weil sie sich
wieder taufen lassen, und damit die erste und rechte Taufe ganz zunichte machen,
lehren nicht das Abendmahl richtig, daß man im armen Mal nichts anderes
denn als Brot und Wein bekommt, und legen in den Christen unnötige Last
auf; zerreißen die Haushaltung, sagen, es sei unrecht, etwas Eigenes haben,
verachten weltliche Obrigkeit als einen unchristlichen Stand, kehren also um
und zerrütten alle drei Gottesstifte, nämlich, die Kirche, Weltregiment
und Hausregiment. Ein solcher schädlicher und schändlicher Wolf steckt
unter dem feinen, glatten Pelz, daß die Wiedertäufer so einen schönen
Schein führen im äußerlichen Leben.
25. Mit der Mönche und Nonnen Leben hat es auch so einen Schein gehabt,
daß die ganze Welt damit betrogen worden ist. Aber Gottes Wort deckt solchen
Betrug öffentlich auf, daß man unter dem Schafspelz den Wolf sieht.
26. Also sind auch die großen Gaben ein Schafskleid, davon der Herr hier
sagt, daß etliche in seinem Namen weissagen, Teufel austreiben und große
Wundertaten tun werden. Denn da soll ein Christ sich vor hüten, daß
er deswegen nicht hinein falle, an solcher Leute sich nicht hängen, und
ohne fleißiges merken alles annehmen und glauben wollte, was sie sagen;
sondern vornehmlich auf das Wort sehen, ob nicht ein Wolf unter dem Schafspelz
stecke.
27. Das ist die erste Regel, daß wir uns durch die Schafwolle nicht sollen
betrügen lassen. Denn wenn auch die Worte gut, daß Amt recht, daß
äußerliche Leben ohne Ärgernis, und daneben große, sonderliche,
und nicht schlechte Gaben sind; dennoch kann man verführt und betrogen
werden: das unter dem guten Wort ein schädliches Gift, unter dem rechten
Amt ein gefährlicher Mißbrauch, unter dem guten Leben ein Betrug,
und unter den großen Gaben ein falsches Herz verborgen liegen. Darum,
sobald du das Schafskleid siehst, so denke: Hier ist es nicht sicher; denn Christus
selbst warnte, daß auch die Wölfe Schafskleider anziehen und sich
darunter verbergen. Darum muß ich den Schafspelz aufdecken und darunter
sehen. Wie geschieht nun das? Also:
28. Dies ist nun die andere Regel, die der Herr gibt, daß man den äußerlichen
Schein fahren rund nach den Früchten sehen soll. " An ihren Früchten
", spricht er, " sollt ihr sie erkennen ". Dazu gibt er ein Gleichnis.
Niemand ist unter euch so töricht, wenn er auf dem Feld einen Dorn-oder
Distelstrauch sieht, daß der hingehe und suche, ob er Weintrauben oder
Feigen daran findet. Nein, solche Früchte sucht man an einem anderen Baum,
denn nicht so stachelig ist. Im Garten geht es so zu. Wenn ein Baum voll Äpfel
und Birnen hängt, spricht jedermann, wer es sieht: Ei, was für ein
guter Baum ist das ! Wiederum, wo auf einem Baum nichts ist, spricht jedermann:
Der Baum ist nichts wert, nur umgehauen und in den Ofen geworfen, und einen
besseren an diese Stelle gesetzt! Diese Kunst, spricht der Herr, die sollen
wir gegen die falsche Propheten gebrauchen, so kann uns der Schein, so Er auch
ist, auch wenn 20 Schafspelze auf dem Wolfe liegen, ihr sollte ihn dennoch erkennen,
daß er euch nicht betrüge.
29. Was ist nun die Frucht eines rechten Propheten oder Prediger, dabei man
ihn kann erkennen, daß er nicht ein Wolf, sondern ein frommes Schäflein
sei? Das äußerliche Leben, der Titel und das Amt, sonderliche Gaben
und Gnaden sind es nicht. Denn der Herr zeugt selbst, so lehrt es auch die Erfahrung,
daß die Leute oft damit betrogen und verführt werden. Die rechte
Frucht aber ist, wie der Herr am Ende meldet, daß man den Willen des Vaters
im Himmel tue.
30. Hier mußt du merken, daß der Herr nicht insgemein von allen
Christen, sondern von den Propheten sagt. Wahr ist es, alle Christen sollen
den Willen des Vaters tun, dadurch sie auch selig werden. Nun heißt aber
" der Wille des Vaters " nicht allein der, daß man die zehn
Gebote tue und Gott solchen Gehorsam leiste; denn weil wir solches in diesen
Leben hier nicht vollkommen können, ist es unmöglich, daß wir
uns rühmen könnten, wir hätten den Willen des Vaters getan, würden
deswegen auch nimmermehr in den Himmel kommen: sondern des Vaters Wille heißt,
wie Christus sagt, Johannes 6,40.: " das ist der Wille des, er mich gesandt
hatte, daß wer den Sohn sieht und an ihn glaubt, habe das ewige Leben,
und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tag ". Das ist der einzige
Weg, den wir alle zugleich, Prediger und Zuhörer, gehen sollen, dadurch
wir selig werden. Nun redet aber der Herr hier besonders von den Prediger und
Propheten; deren rechte und eigene Frucht ist anderes nichts, denn daß
sie den Willen den Leuten fleißig vortragen, und sie lehren sollen, wie
Gott gnädig und barmherzig sei, der nicht Lust habe an des Sünders
Tod, sondern wolle, daß er soll leben; und daß Gott selbst solche
Barmherzigkeit in dem bewiesen hat, daß er seinen eingeborenen Sohn hat
lassen Mensch werden.
31. Wer nun denselben annimmt und glaubt an ihn, das ist, wer sich seiner tröstet,
daß Gott ihm um seines Sohnes Willen wolle gnädig sein, Sünde
vergeben und ewig selig machen, wenn diese Predigt rein geführt, und die
Leute also auf Christum, als den einzigen Mittler zwischen Gott und uns, weiset,
der, als ein Prediger, tut den Willen Gottes. Und dies ist die rechte Frucht,
dadurch niemand kann betrogen noch verführt werden. Denn wo es möglich
wäre, so der Teufel selbst also predigte, so könnte solche Predigt
nicht falsch noch verlogen sein; wer daran glaubte, er würde das haben,
daß sie ihn verheißt.
32. Nach dieser Frucht, welche die vornehmste und gewiß ist, die nicht
trügen kann, folgen danach auch andere, nämlich, daß das Leben
mit solche Lehre sich auch fein reime und nicht dagegen sei. Aber solche Frucht
soll man als dann für eine rechte Frucht halten, wenn die erste Frucht,
nämlich, die Lehre von Christus, zuvor da ist. Denn es kann zuweilen die
Lehre nicht unrecht sein, wenngleich das Leben ärgerlich und böse
ist. Darum müssen wir zuerst nicht auf das Leben, sondern auf die Lehre
sehen; so werden wir fein wissen können, ob der ein Wolf oder Schaf sei,
so in Schafskleidern zu uns kommt.
33. Wer nun den Papst und seine Kirche beurteilen will, der fange hier mit
der ersten Frucht an, da wird er finden, daß die Lehre von der Seligkeit
und Vergebung der Sünden nicht allein auf Christum, sondern auch auf allerlei
Werke, auf Mönchsgelübde, auf Messe halten, auf Ablaß und der
Heiligen Verdienst gestellt ist. Das ist ein schändlicher, giftiger, stechender
Dorn, den man an keinem Feigenbaum oder Weinstock findet. Zum anderen sehe man
auch nach dem Leben: da findet man, daß der Papst und sein ganzer Haufe
sich aus allen ordentlichen Gehorsam heraus gezogen hat. Sie sind dem Wort und
den Christen bitter feind, verfolgen, martern und würgen sie, wo sie können,
Leben in greulichste Unzucht, arbeiten nichts und Fressen in der Kirche Güter
umsonst. In der Summe, es ist doch nicht ein guter Tropfen an all ihrem Leben.
34. Wo nun die Bösen Früchte beide zusammen schlagen, daß Lehre
und Leben nichts taugt, da denke, es sei ein Dorn und stechender Distelstrauch,
daran du nicht Trauben oder Feigen suchen solltest; und ob du dich unterstehen
solltest es zu tun, daß du sie nicht nur nicht finden, sondern du wirst
dich daran zerstechen und wirst zerrissen. Es liegt nicht daran, daß der
Weinstock so eine ungeschaffene, rauhe Rinde, und der Feigenbaum so ein schwach,
untaugliches Holz hat, dagegen aber die Dorne so eine schöne glatte Rinde
und so eine liebliche, riechende Blüte und Rose hat. Um die Frucht ist
es zu tun, nicht um das äußerliche Ansehen. Da sollen wir lernen
unsere Rechnung nach machen, und nach nirgends etwas anderen.
35. Was aber für eine Strafe über solche falsche Lehrer gehen werde,
zeigt der Herr an durchs Gleichnis vom faulen Baum, daß man ihn abhauen
und ins Feuer werfen soll. Eben nun wie es den falschen Lehrern geht, also soll
es auch ihren Schülern gehen, wenn sie die rechte Lehre nicht hören,
oder keine Frucht bringen werden.
36. Darum laßt uns Gottes Wort ja vor Augen haben, es mit Fleiß
hören und wohl merken; danach auch unser Leben richten, daß wir gute
Frucht bringen, und alle falsche Lehre erkennen und fliehen lernen. Das verleihe
uns allen unser lieber Herr Christus, durch seinen Heiligen Geist, Amen.
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